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Rostocker Escape-Räume mit Fluchtgarantie
Rostocker Escape-Räume mit Fluchtgarantie
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14:07 08.01.2019
Thomas Schommartz betreibt Escape-Rooms im Holiday-City-Center in Schmarl. Hier zeigt er den Panic-Knopf, den es in jedem einzelnen Raum für den Notfall gibt.
Thomas Schommartz betreibt Escape-Rooms im Holiday-City-Center in Schmarl. Hier zeigt er den Panic-Knopf, den es in jedem einzelnen Raum für den Notfall gibt. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die Uhr tickt, der Puls steigt: Escape-Rooms, also Flucht-Räume, setzen bei den Spielern auf Nervenkitzel. Innerhalb einer vorgegebenen Zeit gilt es dabei, versteckte Hinweise zu finden, die dann in weitere Räume oder zum Ausgang führen. Ein Team, eine Stunde, eine Aufgabe – so das allgemeine Motto. Für fünf Teenager-Mädchen im nordpolnischen Koszalin wurde daraus jetzt tödlicher Ernst. Die 15-Jährigen starben beim Brand in einem solchen Rätsel-Zimmer, weil sie als Teil des Spiels angekettet und ihre Fluchtwege abgeschnitten waren.

Escape-Room-Anbieter aus Rostock sind schockiert über diesen tragischen Vorfall. „Wir hoffen, dass so etwas nie wieder passiert“, sagt Clavdia Kruse. Die Betreiberin des sogenannten Cryptoraumes, den es seit vier Jahren im Peter-Weiss-Haus gibt, versichert aber: „Bei uns kann das nicht passieren – unter anderem, weil der Raum nie verschlossen ist.“ Zudem sei ihr Rätsel-Zimmer mit Feuerlöschern sowie Rauchmeldern ausgestattet und würde während der Nutzung vom Spielleiter mittels Kamera überwacht. „Außerdem geben wir vorher eine Einweisung und erklären ganz klar, dass ein Feueralarm kein Teil des Spiels ist“, so Kruse.

Spielleiter überwacht per Kamera

Größter Anbieter dieser Rätselspiele in der Hansestadt ist das HCC in Schmarl, das vom Atomreaktor über Fluch der Karibik bis hin zum Grab des Pharao acht verschiedene Themenzimmer vorhält. „Die Räume sind zwar während des Spiels verschlossen, lassen sich aber jederzeit von innen über einen Panikknopf öffnen – falls jemand Platzangst bekommt oder auch, wenn ein Spieler mal auf die Toilette muss. Wir können und wollen die Leute ja nicht komplett wegsperren“, sagt Thomas Schommartz. Vor Beginn des einstündigen Erlebnisses werden die Teilnehmer außerdem in einer Einweisung über alles Wichtige informiert. Wie der Projektleiter für den Bereich Escape Rooms erklärt, würden der Notfallknopf und einige Leuchten auch im Falle eines Stromausfalls reibungslos funktionieren, dann über Batterie. „Außerdem ist unser Spielleiter permanent dabei und überwacht die Räume, kann also jederzeit und sofort eingreifen“, so Schommartz.

Nutzerzahlen steigen unaufhörlich

Auch Sven-Erik Muskulus ist von dem Vorfall in Polen betroffen, hat aber für die Nutzer seines Escape-Rooms in der Borwinstraße alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. „Es gibt keine verschlossene Tür und die Spielteilnehmer können jederzeit raus“, sagt er. Das Unglück in Polen hat bei allen Rostocker Betreibern bisher noch zu keinen erhöhten Nachfragen bezüglich der Sicherheit geführt. „Das kann aber auch daran liegen, dass ein Escape-Room kaum spontan, sondern eher geplant besucht wird“, sagt Muskulus. Jetzt im Januar seien es vermehrt private Gruppen, während November und Dezember von Weihnachtsfeiern geprägt waren. Generell ist Muskulus mit der Auslastung seines Raumes in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt zufrieden – die Nutzerzahlen steigen.

Branche deutschlandweit im Aufwind

Dass sich die Branche der seit Ende 2013 in Deutschland angebotenen Rätsel-Räume im Aufwind befindet, bestätigt auch Martin Sommer vom Fachverband der Live-Escape & Adventure-Games, der im Herbst 2017 gegründet wurde und seinen Sitz in Frankfurt am Main hat. Mit Blick auf den Vorfall in Polen verweist Sommer auf die strengen Vorschriften in Deutschland. „Der Brandschutz hat hierzulande einen sehr hohen Stellenwert und ist mit der bisherigen Handhabung in Polen nicht vergleichbar.“ Um solche tragischen Unglücke hierzulande zu verhindern, sei der Verband auch dafür da, seinen Mitgliedern entsprechende Schulungen anzubieten, sagt Sommer. Von den Rostocker Betreibern wäre allerdings aktuell noch keiner im Verband organisiert.

Branche mit Wachstumspotenzial

Im Herbst 2017 wurde in Berlin der Fachverband „Live Escape & Adventure Games“ gegründet. Laut letzten Zählungen gibt es in der Branche rund 400 Betriebe und 1000 Spielszenarien sowie 6000 Vollzeitstellen. Der Jahresumsatz beläuft sich Schätzungen des Verbands zufolge auf 100 Millionen Euro. In Rostock haben Rätselfans derzeit die Wahl unter drei Anbietern, die allerdings bisher nicht im Verband organisiert sind: das HCC mit acht verschiedenen Räumen, den Cryptoraum im Peter-Weiss-Haus sowie Escape Adventure MV in der Borwinstraße. Dazu kommen noch Räume in Greifswald und Neubrandenburg.

Claudia Labude-Gericke