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Reisereporter ITB: Die Türkei will als Reiseziel überzeugen
Reisereporter ITB: Die Türkei will als Reiseziel überzeugen
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16:37 09.03.2017
Ruhe am Bosporus: Vor allem Istanbul hat nach den Anschlägen mit sinkenden Touristenzahlen zu kämpfen.
Ruhe am Bosporus: Vor allem Istanbul hat nach den Anschlägen mit sinkenden Touristenzahlen zu kämpfen. Quelle: Michael Kappeler/dpa/dpa-Tmn
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Berlin
Reisemesse ITB

Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in der Türkei im Gefängnis. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sorgt mit Nazi-Vergleichen in Deutschland für Wirbel. Gleichzeitig hat das Land mit dem Terror zu kämpfen - immer wieder gibt es Anschläge. Ist die Türkei als Reiseland überhaupt noch tragbar?

Interview

Doch bewusster Boykott hin oder - dass es das Land als Reiseziel momentan schwer hat, sieht auch Tourismusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. „Die politische Entwicklung schadet dem Land als Urlaubsdestination fast noch stärker als der Terror“, stellt er fest. Eine Reiseentscheidung hänge nicht nur vom Preis ab, sondern auch vom Gefühl des Urlaubers. „Die Sprüche von Herrn Erdogan werden immer härter – die Buchungszeit beginnt jetzt.“ Dass es im Juni oder Juli noch einen Last-Minute-Effekt gibt, sei nicht garantiert. Wenn die Destination nicht auf ein positives Image setze, müsse sie sich nicht wundern, wenn keiner komme, kritisiert er. „Denn niemand muss zum Urlaub in ein bestimmtes Land reisen.“

Um Reisende in diesen schwierigen Zeiten von der Türkei als Urlaubsziel doch noch zu überzeugen, hat das Land keine Kosten und Mühen gescheut. Auf der ITB präsentiert es sich mit dem größten Einzelstand der Messe - über 3000 Quadratmeter, 129 Aussteller. Man könnte glauben, die Türkei sei das Partnerland der ITB - und nicht Botsuana, erklärt der türkische Tourismusminister Nabi Avci auf einer Pressekonferenz.

Dort zeigte er auch deutlich, was er von kritischen Nachfragen hält. Mit Blick auf den Terror im Land sprach er bezüglich Sicherheit von Maßnahmen, die ergriffen wurden. Was das für konkrete Maßnahmen sind? Wer recherchiere, könne das herausfinden. Konkreter wurde es nicht.

In den derzeitigen Berichten über das Land scheint er eine Art Kampagne zu vermuten. Die Medien sollten sich nicht beirren lassen von einigen, die versuchen, die Türkei in ein schlechtes Licht zu rücken. Immer wieder werden seine Antworten mit lautem Klatschen aus den ersten Reihen gefeiert.

Avci lobt die Gastfreundschaft seines Landes und betont, wie sehr deutsche Urlauber in der Türkei willkommen seien. Auf das Reisejahr 2017 blickt er optimistisch. Die Frage, ob die derzeitige Lage im Land Urlauber verschrecke, mag er nicht so recht beantworten. Man solle da nicht irgendwelchen Informationen anheim fallen.

Tourismusexperte Kirstges erklärt, dass sich die deutsche Tourismusbranche derzeit noch recht loyal gegenüber der Türkei zeige. Ob das so weitergeht, sei aber nicht garantiert. Einige Reiseveranstalter verzeichnen große Buchungsrückgänge - nicht erst seit der politischen Krise.

Bei Alltours etwa liegt das Gästeminus derzeit bei über 50 Prozent, heißt es vom Unternehmen. Auch bei Tui und DER Touristik bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen. Bei der Reisesuchmaschine Momondo sind die Flugsuchen von Deutschland in die Türkei im vergangenen Jahr massiv zurückgegangen. Einige Veranstalter wie Thomas Cook oder FTI berichten aber auch, dass die Türkei aufholt.

Bei Öger Tours beobachtet man, dass vor allem Istanbul Einbußen verkraften muss - im Gegensatz zu Küstenregionen am Mittelmeer, wo sich keine Anschläge ereignet haben. In den Hotels seien die Sicherheitsmaßnahmen auf sehr hohem Niveau. Beim Türkei-Spezialisten Bentour berichtet man gar von „hermetisch abgeschlossenen“ Hotelanlagen und Badeorten. Begründet wird das mit der All-Inclusive-Verpflegung - die Hotels wollten keine fremden Gäste am Buffet. Dass die Politik im Land das Reiseverhalten beeinflusst, glaubt der Veranstalter nicht. Sie habe nur einen geringen Einfluss. Viel mehr sei es die Art und Weise der Medienberichterstattung über das Land, wie Bentour erklärt.

Ähnlich sieht das auch Tourismusminister Avci. Wenn man alles schlecht rede, dann werde es auch schlechter, erklärt er.

dpa/tmn

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