Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Reisereporter Portugals Rota Vicentina: Wandern auf einsamen Pfaden
Reisereporter Portugals Rota Vicentina: Wandern auf einsamen Pfaden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:13 02.03.2017
Rudolfo Müller führt Wanderer durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals.
Rudolfo Müller führt Wanderer durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals. Quelle: Bernd F. Meier/dpa-Tmn
Anzeige
Alentejo

„Keep calm - que estamos no Alentejo“ - im Sprachenmix macht die Tafel in der Bar von Azenha do Mar unmissverständlich klar: Bewahre Ruhe, Du bist im Alentejo.

Rota Vicentina

In dem winzigen Weiler Vale das Éguas stoßen die Wanderer auf Rudolfo Müller, 55, Schweizer, Bauernsohn aus dem Kanton Aargau, den es in den 1980er Jahren in diese Ecke am südwestlichsten Rand von Europa verschlug. Der Liebe wegen, wie er selbst sagt. Er ist Wanderfreund, ein wenig Lebenskünstler wohl und auch Visionär. Zusammen mit einigen gleichgesinnten Einheimischen reifte ab 2008 die Idee, ein Netzwerk von Wanderwegen zu schaffen.

Wanderer an Portugals Südwestküste, im geschützten Land des Naturparks Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina? Würden die überhaupt kommen, in diese dünn besiedelte Gegend weitab von allem Trubel, irgendwo im Nirgendwo zwischen Lissabon und den Touristenhochburgen der Algarveküste? Müller und seine Mitstreiter konnten sie überzeugen - die Lokalpolitiker, Touristikexperten und die Regionalfürsten, immerhin aus den beiden Provinzen Alentejo und Algarve, drei Distrikten, fünf Landkreisen und 15 Gemeinden.

Und sie kamen und kommen, die Wanderer. Aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, sogar aus den USA und Neuseeland machen sie sich auf den Weg: Genau 213 Kilometer auf dem Caminho Histórico, dem historischen Weg durch uralte Dörfer zwischen Santiago do Cacém im Norden und dem Leuchtturm am Cabo São Vicente, dem Namensgeber des Wegenetzes.

In zwölf Tagesetappen, zwischen zwölf und 25 Kilometer lang, ist der Caminho Histórico aufgeteilt. Manche Wanderer gehen die Strecke komplett, bepackt mit Rucksäcken. Andere nutzen den Gepäcktransport, den die Gastgeber entlang der Route und inzwischen auch Reiseveranstalter als Pauschalarrangements anbieten. „Es gibt Wanderer, die machen den Weg im Schnelldurchlauf. Nur um eine weitere Fernstrecke abzuhaken“, hat Müller beobachtet.

Wer so eilig marschiert, dem wird sich das langsame Leben im Alentejo niemals erschließen: Wo die Männer am Morgen auf einen Kaffee in der Bar hocken, die Frauen in den blütenweißen Dörfern auf ein Schwätzchen am offenen Fenster stehen, Störche am tiefblauen Himmel ihre Runden drehen. Und kein Laut über dem hügeligen Bauernland hängt, nur das Knattern eines Mopeds in der Ferne die Stille für Momente unterbricht.

Kürzere Distanzen am Küstenstreifen bieten fünf ausgeschilderte Rundwanderwege im Wegenetz der Rota Vicentina. Die Routen sind zwischen dreieinhalb und gut vierzehn Kilometer lang.

Die kleinen Nachtquartiere am Wegenetz der Rota Vicentina sollten wegen der geringen Zimmerzahl im Voraus gebucht werden: Typisch sind die Landherbergen „Turismo rural“, die aus ehemaligen Bauerngehöften entstanden sind.

Algarve

Rota Vicentina

Reiseziel: Rota Vicentina ist ein 350 Kilometer langes Wegenetz im Südwesten Portugals in den Provinzen Alentejo und Algarve. Die Wege wurden 2012 eröffnet. Der historische Weg (213 Kilometer) ist unterteilt in zwölf Tagesetappen. Der über 100 Kilometer lange Fischerpfad führt an der Atlantikküste von Porto Covo bis Cabo São Vicente. Den Strecken angeschlossen sind fünf Rundwanderwege.

Anreise: Es gibt viele Direktflüge von Deutschland nach Lissabon. Von Lissabon geht es dann etwa mit dem Leihwagen über die mautpflichtigen Autobahnen A 2/A 22 in den Südwesten von Portugal. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden. Mit dem Zug fährt man besten ab Lissabon Richtung Faro bis Funcheira, Santa Clara-Sabóia oder Lagos.

Extratipp: Wanderschuhe, Sonnen- und Regenschutz, Kopfbedeckung, Rucksackverpflegung, Trinkwasser (mindestens zwei Liter) sind für die Tageswanderungen erforderlich.

Unterkünfte: Ruhige, komfortable Landgasthäuser (Turismo Rural) und kleine Hotels gibt es entlang der Strecke, oft mit Swimmingpools. Die Zimmer sollten im Voraus gebucht werden. Die Gastgeber sorgen auf Anfrage für den Shuttle zu den Wanderstrecken und übernehmen auch den Gepäcktransport bis zum Tagesziel.

Informationen: Rota Vicentina, Travessa do Botequim, 6, P-7630-185 Odemira (Tel.: 00351/283/327 669, E-Mail: info@rotavicentina.com, http://de.rotavicentina.com/).

dpa/tmn

Mehr zum Thema

Mit goldenen Stränden und weißen Alpengipfeln ist Neuseeland für viele ein Traumziel. Doch während die Touristikbranche feiert, klagen viele Einheimische über wilde Camper und überfüllte Wanderwege. Und auch sonst gefällt der Boom nicht jedem.

28.02.2017

Es ist ein eher unangenehmer Gedanke: Je älter man wird, desto schneller treffen einen Krankheiten und Gebrechen. Das gilt auch für den Urlaub. Versicherungen sollen Notfälle absichern. Doch gerade für Senioren gibt es Sonderkonditionen.

28.02.2017

Marilyn Monroe, Grace Kelly und mehr als ein Dutzend US-Präsidenten: Sie alle übernachteten im legendären Waldorf Astoria. Nun schließt das Luxushotel an der New Yorker Park Avenue. Für unbestimmte Zeit soll renoviert werden. Danach soll fast nichts mehr sein, wie es war.

01.03.2017