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Fussball national Nach Özil-Rücktritt geht Debatte um Integration weiter
Fussball national Nach Özil-Rücktritt geht Debatte um Integration weiter
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17:32 24.07.2018
Mesut Özil ist aus der Fußball-Nationalmannschaft zurückgetreten. Quelle: Christian Charisius
Berlin

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat Mesut Özil nach dessen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Medienberichten zufolge seiner Unterstützung versichert.

„Eine rassistische Einstellung gegenüber einem jungen Mann, der der deutschen Nationalmannschaft so sehr alles von sich gegeben und zu dessen Erfolg beigetragen hat“, sei nicht zu akzeptieren, sagte Erdogan am Dienstag der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Unterdessen wächst der Druck auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB), vor allem seinen Präsidenten Reinhard Grindel.

Kritik kam etwa aus dem Sportausschuss des Bundestages. „Ich glaube, das Krisenmanagement des DFB war in dem konkreten Fall suboptimal“, sagte die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) dem Bayerischen Rundfunk. „Das hätte man an vielerlei Stellschrauben anders und auch besser machen können.“

Özil hatte in seiner Rücktrittserklärung Rassismus-Erfahrungen angeprangert und unter anderem kritisiert, Funktionäre des DFB hätten seine türkischen Wurzeln nicht respektiert.

Erdogan machte bei seinem Telefonat mit dem Fußballer mit einem von ihm häufig benutzten Ausdruck deutlich, dass Özil sich zur Türkei bekannt habe. Özils Erklärung und Haltung seien vollkommen „regional und national“, sagte Erdogan vor Journalisten in Ankara. „Ich küsse seine Augen.“ Rassismus gegen Özil sei nicht zu akzeptieren. Bereits kurz nach Özils Rücktritt am Sonntagabend hatten türkische Regierungspolitiker den Schritt des Spielers begrüßt.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisierte derweil den Fußballer für sein Bild mit Erdogan. „Sich mit einem Foto für das politische Regime in der Türkei instrumentalisieren zu lassen, das die Menschenrechte missachtet und mit Füßen tritt, war und ist falsch“, teilte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu mit. Doch um dieses Foto gehe es schon lange nicht mehr. Özil würden das Deutschsein und die Zugehörigkeit zu seinem Land abgesprochen. „Das ist der eigentliche Skandal dieser ganzen Debatte.“

Özil und sein Mitspieler in der Nationalmannschaft, Ilkay Gündogan, hatten sich vor der Fußball-Weltmeisterschaft und im türkischen Wahlkampf mit Erdogan fotografieren lassen. Die Bilder zogen in Deutschland heftige Kritik nach sich. Beobachter werfen der türkischen Regierung unter anderem vor, Druck auf die Opposition und Medien auszuüben.

Außenminister Heiko Maas (SPD) rief in der durch Özils Rücktritt losgetretenen Integrationsdebatte zum Kampf gegen Fremdenhass auf. „Unabhängig vom Fall Özil ist völlig klar: Wir müssen uns jeder Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sehr entschlossen entgegenstellen“, sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). „Es bleibt eine Aufgabe für uns alle, einzustehen für die Werte, die unser Land ausmachen: Toleranz, Vielfalt und Freiheit.“

Der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Armin-Paulus Hampel, teilte mit, man müsse Fußballern wie Özil beinahe dankbar sein: Nichts „hätte die Integrationslüge überzeugender zum Platzen bringen können“. Die Institution der doppelten Staatsbürgerschaft sei krachend gescheitert, sagte Hampel. In Özils Brust könnten keine zwei Herzen schlagen. „Entscheidungen sind gefragt, aber keine doppelten Staatsbürgerschaften!“

Der Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, Joachim Stamp (FDP), forderte eine stärkere Einbindung von Migranten. „Wir brauchen mehr junge Leute mit Einwanderungsgeschichte auch im öffentlichen Dienst“, sagte Stamp am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wir brauchen eine große Wertedebatte. Ich glaube, dass das auch eine Chance ist, wenn wir es jetzt richtig gestalten.“ Özil wurde in Gelsenkirchen geboren und kommt damit aus Nordrhein-Westfalen.

Seit dem spektakulären Rückzug Özils hat sich DFB-Präsident Grindel bisher nicht selbst zu Wort gemeldet. Der CDU-Politiker war von dem Mittelfeldspieler persönlich hart angegriffen und als inkompetent bezeichnet worden.

Laut einer Umfrage des Nachrichtenportals t-online.de spricht sich fast jeder zweite Deutsche für Grindels Rücktritt aus. Auf die Frage, ob er zurücktreten solle, antworteten 49,7 Prozent der 5569 Befragten mit „Ja, auf jeden Fall“ oder „Eher ja“. Nur 36,6 Prozent sind dagegen und sagten „Eher nein“ oder „Nein, auf keinen Fall“.

dpa

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