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Fussball regional Mit Rekord-Aufstiegstrainer Luhukay: FC St. Pauli greift noch mal an
Fussball regional Mit Rekord-Aufstiegstrainer Luhukay: FC St. Pauli greift noch mal an
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16:43 11.04.2019
Jos Luhukay, neuer Cheftrainer des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, im Millerntorstadion. Quelle: Foto: Axel Heimken/dpa
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Hamburg

Mit Rekord-Aufstiegstrainer Jos Luhukay bläst der FC St. Pauli zur letzten Attacke Richtung Fußball-Bundesliga. Der 55 Jahre alte Niederländer trat am Donnerstag voller Energie die Nachfolge des am Vortag freigestellten Markus Kauczinski an. Und ließ keinen Zweifel, mit dem Kiezklub in der 2. Liga die Restchance auf den Aufstieg ergreifen zu wollen. „Wenn man die Tabelle anschaut, ist noch alles möglich. Ich glaube, dass man träumen kann. Platz drei ist nicht weit entfernt“, betonte Luhukay bei seiner Vorstellung im proppevollen Presseraum des Millerntor-Stadions.

Denn trotz zuletzt schwacher Auftritte trennen den Tabellensechsten sechs Runden vor Saisonschluss nur vier Punkte von Union Berlin auf dem Relegationsplatz. Und der neue Hoffnungsträger ist DER Experte in Sachen Aufstieg. Mit Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg schaffte er den Sprung in die 1. Liga. Drei Aufstiege gelangen zwar auch Friedhelm Funkel und Ralf Rangnick, bei Luhukay kommen aber noch zwei als Co-Trainer beim 1. FC Köln hinzu. Dort und in Augsburg war auch St. Paulis Geschäftsleiter Andreas Rettig tätig, der Luhukay schon zweimal nach Hamburg lotsen wollte.

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Jos steht für eine klare Spielidee, eine leistungsorientierte Bereitschaft, die er auch vorlebt. Er ist loyal und vor allem ein Fußball-Fachmann“, lobte Rettig, der nach der gleichzeitigen Trennung von Kauczinski-Befürworter Uwe Stöver dessen Posten als Sportdirektor weiterführen wird, bis ein Nachfolger gefunden ist. Der 52 Jahre alte Stöver musste trotz erfolgreicher Arbeit gehen, weil er Rückgrat zeigte und bis zuletzt vergeblich gegen das Kauczinski-Aus kämpfte.

Oke Göttlich betonte, dass man andernfalls an Stöver festgehalten hätte. Einen Seitenhieb auf Kauczinski konnte sich der Klubchef, der in und um den Verein „eine lethargische Stimmung ausgemacht hatte, als ob wir auf einem Abstiegsrang stehen würden“, hingegen nicht verkneifen: „Wir wollen wieder dahin kommen, dass wir ein Spiel gewinnen wollen und nicht, dass wir es nicht verlieren wollen.“

Nun soll es also Luhukay richten. Am Mittwoch gab es den Vollzug, am Donnerstagvormittag stand der Coach auf dem Trainingsplatz an der Kollaustraße. Da aus der eigentlich geheimen eine öffentliche Einheit gemacht wurde, schauten mehr Fans dem Neuen und dem im Amt gebliebenen Co-Trainer-Duo André Trulsen/Markus Gellhaus bei der Arbeit zu. Erfolg soll sich schon am Sonntag im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld einstellen. Dann muss Luhukay die Wende einläuten, denn sonst ist die Aufstiegschance dahin. Diesen Umschwung hatte man dem im Dezember 2017 auf Olaf Janßen gefolgten, zuletzt aber viermal sieglosen Kauczinski nicht mehr zugetraut.

Doch selbst wenn die „Mission Wunder“ erfolgreich sein sollte, gibt es beim Kiezklub viele Verlierer. Vor allem Vereinschef Göttlich, der 2014 angetreten war, um für Kontinuität zu sorgen. Seither aber wurden vier Fußballlehrer und drei Sportchefs verschlissen. Die jüngste Doppel-Trennung kommt den Klub zudem teuer zu stehen, denn die Verträge von Kauczinski (2020) und Stöver (2021) waren erst vor kurzem verlängert worden. Und letztlich leidet auch der Ruf gewaltig, denn der alternativ angehauchte FC St. Pauli ist längst nicht mehr „anders“, sondern immer mehr ein Profiklub wie viele andere auch.

Thomas Prüfer

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