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OZ Sportler in MV wünschen sich Rückkehr zur Normalität

Sportler in MV wünschen sich Rückkehr zur Normalität

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20:54 06.05.2020
Das Training der Nachwuchsfußballer unter freiem Himmel soll unter bestimmten Dingen wieder stattfinden können. Quelle: Lilienthal
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Rostock/Schwerin/Stralsund

Sport- und Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport soll unter freiem Himmel und unter bestimmten Bedingungen in den kommenden Tagen wieder erlaubt werden. Auf diese grobe Formel einigten sich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten am Mittwoch in ihrer gemeinsamen Konferenz.

„Es ist wichtig, dass wir es jetzt hinbekommen, dass Kinder in kleinen Gruppen wieder Sport treiben können“, sagt Torsten Haverland. Der Geschäftsführer des Landessportbundes (LSB) tagte am Mittwochabend per Video mit seinen Kollegen aus anderen Bundesländern und Entscheidungsträgern des Deutschen Olympischen Sportbundes. „Wir wollen abstecken, was aus unserer Sicht möglich ist und der Politik Empfehlungen geben“, sagte Haverland, der sich am Donnerstag mit Vertretern der Landesregierung trifft.

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Erlaubt werden sollen zunächst nur sportliche Aktivitäten unter freiem Himmel. Als Bedingungen für die Wiederaufnahme des vereinsbasierten Sportbetriebs ist unter anderem gefordert, dass eine ausreichende Distanz von 1,5 bis 2 Metern gewährleistet und der Sport kontaktfrei bleibt. Zudem müssten Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten konsequent eingehalten werden. Im Details bedeutet das beispielsweise für Golf- und Tennisspieler, dass nur eigene Bälle benutzt werden dürfen. Kanuten und Ruderer dürfen zunächst nur im Einer trainieren. Für Mannschaftssportarten ist weiterhin nur Individualtraining möglich, bevor wieder Übungen in Kleinstgruppen erlaubt werden.

Beim Landessportbund in Schwerin denkt man bereits weiter. „Wir sollen im nächsten Schritt darüber reden, wo kontaktloser Sport auch in der Halle möglich ist, um Perspektiven aufzuzeigen. Das ist kein Hexenwerk. Duschen und Umkleideräume könnten gesperrt bleiben, Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden“, verdeutlicht der LSB-Chef. Er kann sich vorstellen, dass es nach Pfingsten weitere Lockerungen gibt, „wenn die Entwicklung der Zahlen positiv bleibt“.

Marko Zülske, Geschäftsführer des PSV Rostock, sieht die angekündigten Lockerungen „grundsätzlich positiv. Leben ist Bewegung. Die Leute müssen sich bewegen“. Deshalb werde der mit über 3000 Mitgliedern größte Breitensportverein in MV alle Möglichkeiten nutzen, um Fitness-, Gesundheits- und Kindersport durchzuführen. Der Verein habe ausreichend Desinfektionsmittel geordert. Für den Mundschutz müssen die Sportler sorgen. „Wir werden in kleinen Gruppen trainieren und für die Anmeldung ein spezielles Online-Programm nutzen“, kündigt Zülske an.

Für das Training unter freiem Himmel werde der Verein das Gelände an der Schwimmhalle in Gehlsdorf nutzen, kündigt der 50-Jährige an. „Dort ist unser Bogenschießstand. Vielleicht kann man dort auch ein Volleyballfeld herrichten“, meint der PSV-Chef.

Seit Wochenbeginn trainieren die Nachwuchs-Fußballer in kleinen Gruppen. Nun hofft Zülske auf weitere Schritte, „aber nur bis zu dem Punkt, an dem ich ein Risiko für die Gesundheit sehe. Wir wollen nicht, dass sich jemand beim Sport ansteckt“.

Bei Mannschaftssportlern wie den Basketballern des EBC Rostock ist weiterhin Geduld gefragt. „Wir freuen uns über jeden Schritt zur Normalität“, sagt Vereinschef Andre Jürgens, stellvertretend für die 1300 Kinder- und Jugendlichen, die im Klub organisiert sind. Der EBC will „prüfen, was geht“ und auf den Sport-Außenanlagen aktiv werden. „Da wird es sicher eng, weil die Nachfrage enorm sein wird“, ist Jürgens überzeugt. Er wünscht sich, dass seine Basketball-Teams bald wieder unter dem Hallendach spielen können.

„Wir können die geforderten Regeln einhalten“, versichert Springreiter Jörg Möller. Der 50-Jährige aus Garlitz bei Lübtheen betreibt mit seinem Bruder Holger (59) eine Pferdezucht und einen Turnierstall. Der Pferdemarkt ist eingebrochen, sämtliche Turniere abgesagt. „Derzeit läuft nichts. Das geht an die Substanz“, sagt Möller.

Ein kleiner Mutmacher war das Pilotturnier am vergangenen Wochenende in Westergellersen in der Lüneburger Heide. Das Turnier für Berufsreiter wurde unter hohen Auflagen und hygienischen Maßnahmen durchgeführt. Besucher und Pferdebesitzer blieben außen vor. „Aber man ist froh, dass man die jungen Pferde ausbilden kann“, sagt Möller, der auf bessere Zeiten hofft: „Bis dahin heißt es durchhalten.“

Bei der SG Empor Sassnitz, dem mit 600 Mitgliedern größten Sportverein auf Rügen, blickt man ohne Druck auf die Beschlüsse. „Die Gesundheit steht an erster Stelle und wir werden auf keinen Fall vorschnell handeln. Trotzdem hilft uns jedes positive Signal weiter, denn die Sportler wollen wieder loslegen“, beschreibt der SG-Chef Frank Hannich die Situation. Die Sassnitzer waren einer der ersten Vereine, der seinen Betrieb schon vor dem offiziellen Verbot komplett heruntergefahren hatte.

Die SG vereint elf Sparten von Fußball, über Kegeln bis zur Seniorensportgruppe. „Wir versuchen Vorbereitungen zu treffen, dass alle Mitglieder von den Lockerungen profitieren können“, sagt Hannich. Es gäbe im Vorstand Überlegungen, wie Hallensportler im Freien trainieren können.

Das gilt vor allem für die Handballer des Landes. „Draußen trainieren ist gut und schön, aber du brauchst die Fläche dafür. Wir könnten auf den Sportplatz gehen. Dorthin kommen dann auch die Fußballer und Leichtathleten“, meint Manuel Abe, Vereinssportlehrer beim HSV Grimmen.

Schwierig gestaltet sich auch die mittel- und langfristige Trainingsplanung. „Wie willst du ein Konzept erstellen, wenn du nicht weiß, wann was erlaubt sein wird? Und wir wollen unsere Jungs nicht drei Monate mit Individualtraining hinhalten“, sagt Abe und verdeutlicht: „Wir brauchen den Ball in der Hand!“. Trotzdem ist auch der Handballtrainer froh, endlich wieder loslegen zu können. „Das ist wichtig, um den Kontakt zwischen den Kindern wieder herzustellen.“

Dass die Corona-Grippewelle Schäden hinterlassen hat, beweisen 70 Anträge auf Soforthilfe, die Sportvereine beim Schweriner Sozialministerium gestellt haben. Zudem sind 340 Anträge aus dem Ehrenamt eingegangen sowie 23 Anträge von Freizeiteinrichtungen für Familien, wie das Sozialministerium mitteilte. Bislang seien Mittel in Höhe von 125 000 Euro bewilligt worden. Sportvereine haben zudem die Möglichkeit, beim LSB Hilfe zu beantragen. Insgesamt stehen dort 3,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Von Christian Lüsch, Stefan Ehlers, Horst Schreiber und Niklas Kunkel

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