Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
OZ Vollmann vor Duell mit Hansa: Wir sind froh, aber nicht zufrieden
Vollmann vor Duell mit Hansa: Wir sind froh, aber nicht zufrieden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:41 11.09.2019
Peter Vollmann (61) ist seit Saisonbeginn Sportdirektor bei Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig. Quelle: Silas Stein/dpa
Anzeige
Braunschweig

Am Sonntag ist Fußball-Drittligist FC Hansa Rostock bei Tabellenführer Eintracht Braunschweig zu Gast (14 Uhr). Mit Peter Vollmann haben die Niedersachsen einen Sportdirektor verpflichtet, der die Liga und den FC Hansa aus dem Effeff kennt. Der 61-Jährige war zweimal Trainer bei den Ostseestädtern und feierte 2011 mit dem FC Hansa den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Vor dem Duell sprach die OZ mit Peter Vollmann:

Sieben Spiele, sechs Siege – Eintracht Braunschweig ist ein klarer Aufstiegsanwärter. Für Sie auch?

So weit würde ich noch nicht gehen. Wir haben noch nicht gegen alle Mannschaften gespielt. Erst dann lassen sich aus meiner Sicht seriöse Rückschlüsse ziehen.

Mit dem 3:0-Erfolg in Kaiserslautern und dem 2:1 in Uerdingen hat Ihr Verein aber bereits Gegner bezwungen, die hoch gehandelt werden.

Wir sind froh, dass wir aktuell oben stehen. Aber zufrieden dürfen wir deshalb nicht sein. Ich erinnere daran, dass wir zu Hause gegen Duisburg gespielt und 0:3 verloren haben. Fragen Sie mich in der Winterpause noch mal, nachdem alle Teams einmal gegeneinander gespielt haben.

Am Sonntag kommt der FC Hansa nach Braunschweig. Was trauen Sie den Rostockern in dieser Saison zu?

Hansa ist nicht optimal gestartet. Das kann passieren. Der Verein hat reagiert und gute Spieler verpflichtet, die auf jeden Fall einen Mehrwert für die Mannschaft mitbringen. Ich glaube, dass Hansa am Ende der Saison unter den besten sechs Mannschaften der Liga sein wird.

Welche Emotionen verbinden Sie mit der Zeit, die Sie an der Küste verbracht haben?

Ich hatte eine sehr gute Zeit in Rostock. Der Aufstieg 2011 war etwas ganz Besonderes, weil er nicht geplant war. Ich erinnere mich noch gut daran, was auf der Autobahnraststätte los war, als wir auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach München waren, als wir die Ergebnisse der anderen Begegnungen erfahren haben und uns klar war, dass uns der Aufstieg nicht mehr zu nehmen ist.

Waren Sie nach Ihrer Trainerzeit an der Küste noch mal in Mecklenburg-Vorpommern?

Meine Frau und ich sind bestimmt fünf, sechs Mal in Warnemünde gewesen. Ich habe nicht nur an den Klub gute Erinnerungen, sondern auch an die Menschen und die Region.

Bevor Sie in Braunschweig angeheuert haben, waren Sie ein Jahr ohne Verein. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Nach dem Ende meiner Trainertätigkeit beim VfR Aalen hatte ich mich bewusst für eine Pause entschieden. Die Leidenschaft, die ich benötige, um Trainer zu sein, war nicht mehr voll da. Die drei Jahre, die ich in Aalen war, haben sehr viel Kraft gekostet. Deshalb wollte ich ein Jahr Pause machen vom täglichen Umgang mit einer Mannschaft, vom Stress, den eine Fußballsaison mit sich bringt. Ich habe als Experte für den TV-Sender Magenta Sport gearbeitet. Insofern war der Abstand zum Fußball nicht sehr groß. Das war eine sehr interessante Erfahrung, weil ich Einblicke in die mediale Welt bekommen habe. Es war ein lehrreiches Jahr, das ich mit tollen Kollegen verbringen durfte und das mir eine neue Perspektive auf den Fußball ermöglicht hat.

Die Braunschweiger haben Sie vor Saisonbeginn als Sportdirektor verpflichtet. Was hat für Sie den Reiz ausgemacht?

Für mich stand fest, dass Aalen meine letzte Station als Trainer einer Profimannschaft war. Ich hatte mir vorgenommen, als Sportdirektor zu arbeiten, wenn sich die Chance dafür ergeben würde. In meiner neuen Position habe ich einen anderen Ablauf mit neuen Aufgabenfeldern, bin aber trotzdem nah an der Mannschaft.

Lag das auch daran, dass der Altersunterschied zwischen Ihnen und den Spielern größer geworden ist?

Überhaupt nicht. Ich kann mich heute vielleicht besser mit jungen Leuten auseinandersetzen, als ich es früher konnte, weil ich ruhiger geworden bin. Mir ist von Spielern immer Akzeptanz entgegengebracht worden. Aber den Draht zu den Spielern habe ich nie verloren. Ich halte es für eine fruchtbare Konstellation, wenn ein jüngerer Trainer und ein erfahrener Sportdirektor gemeinsam arbeiten.

Sie sind 2002 mit der Eintracht schon mal aufgestiegen. Was hat sich seitdem verändert?

Es hat sich alles komplett zum Vorteil verändert. Braunschweig hat in der Zwischenzeit in der 1. und 2. Bundesliga gespielt. Der Verein hat ins Nachwuchsleistungszentrum investiert, eine neue Geschäftsstelle gebaut, im Stadion ist ganz viel modernisiert worden. Die Rahmenbedingungen bewegen sich mindestens auf Zweitliganiveau.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Verein?

Wir wollen gemeinsam versuchen, innerhalb der nächsten zwei Jahre in die 2. Liga aufzusteigen. Die Leistungsdichte in der 3. Liga gilt als extrem hoch.

Was muss ein Verein mitbringen, der aufsteigen will?

Nur wenn die Mischung innerhalb der Mannschaft stimmt, kann man erfolgreich sein. Dazu benötigt man ein homogenes Trainer- und Betreuerteam, das großen Aufwand nicht scheut. Ich halte die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Verantwortlichen im Verein für wichtig. Wenn dazu noch ein Fanumfeld mit Vereins-DNA kommt, hat man viele wichtige Voraussetzungen beisammen.

Sie haben unlängst finanzielle Hilfe für die 3. Liga angeregt. Die Deutsche Fußball-Liga soll zahlen, wenn ein Spieler aus der dritten zu einem Klub der beiden höheren Ligen wechselt. Was ist der Hintergrund?

Die 3. Liga ist bei ihrer Gründung als Entwicklungsliga für die 2. und 1. Liga auserkoren worden. Wenn wir Profis ausbilden, die eines Tages höherklassig spielen, dann sollte man vielleicht darüber nachdenken der 3. Liga – und abhängig davon, ob der Vertrag des Spielers ausläuft – etwas zurückzugeben. Spieler werden nicht nur besser, weil sie in einem bestimmten Verein sind, sondern weil sie in der Liga Praxis und Erfahrungen sammeln. In der 1. und 2. Liga sind 1,5 Milliarden Euro in Umlauf. Das Geld könnte in einen gemeinsamen Nachwuchsfördertopf fließen und entsprechend unter den Drittligisten aufgeteilt werden.

Sie werden im Dezember 62 Jahre alt. Was motiviert sie, weiterzumachen?

Es war für mich immer ein Privileg, als Trainer arbeiten zu dürfen. Das gleiche empfinde ich auch als Sportdirektor. Aber bis 66 möchte ich auf jeden Fall noch weitermachen.

Wie wird das Spiel zwischen Braunschweig und Hansa?

Ich glaube, es wird ein gutes Spiel.

Ihr Ergebnistipp?

(lacht) Ich tippe niemals.

Von Christian Lüsch