Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
FC Hansa Hansa Rostock siegt in letzter Sekunde
Sportbuzzer FC Hansa

„Mentalitätsmonster“: FC Hansa Rostock zeigt ganz starke Reaktion

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:57 07.03.2021
Damian Roßbach jubelt nach seinem 2:1-Siegtreffer gegen den 1. FC Kaiserslautern.
Damian Roßbach jubelt nach seinem 2:1-Siegtreffer gegen den 1. FC Kaiserslautern. Quelle: Fotostand
Anzeige
Rostock

Erst in Rückstand geraten, gekämpft, den Ausgleich erzielt und in letzter Sekunde doch noch den Siegtreffer bejubelt: Nachdem am Sonnabend der 2:1 (0:1)-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern unumstößlich war, hüpften und tanzten die Profis vom FC Hansa Rostock ausgelassen über den Rasen des Ostseestadions. Kurz zuvor hatte Damian Roßbach für die Blau-Weißen den kaum noch für möglich gehaltenen Siegtreffer erzielt.

Es lief die sechste Minute der Nachspielzeit, als der Verteidiger einen Freistoß per Kopf in die Maschen beförderte und unter Beweis stellte, dass er uns seine Mitstreiter in der Liga zurecht als „Mentalitätsmonster“ gelten. Die Hanseaten zeigten: uns ist bis zur allerletzten Sekunde alles zuzutrauen.

„Ich bin komplett kaputt. Das war hochintensiv. Es ist einfach nur geil, dass wir noch gewonnen haben und ich mein erstes Tor für Hansa erzielt habe“, erzählte Roßbach, der nach dem fünften Heimsieg in Folge (Hansa-Vereinsrekord in der 3.Liga) von seinen Mitspielern als Erlöser gefeiert wurde.

Markus Kolke, der mit Roßbachs Schutzhelm auf dem Kopf zur Pressekonferenz nach dem Spiel erschien, hatte es kommen sehen: nachdem ein Lauterer Spieler, der von Nico Neidhart nicht berührt worden war, im Strafraum zu Boden ging, prophezeite der Hansa-Torhüter ihm, die Quittung zu bekommen. „Ich habe ihm gesagt, dass das nicht so schlau war und sie dafür noch das 2:1 kriegen“, berichtete der Koggen-Kapitän, der auch als Orakel taugt. „Ich habe daran geglaubt und mich gefreut, Recht behalten zu haben.“

Trainer Jens Härtel war überglücklich und erleichtert, dass sein Schützlinge das Duell gegen den Abstiegskandidaten aus der Pfalz noch zu ihren Gunsten drehen konnten. „Der Weg war steinig. Aber wir haben uns gegen alle Widerstände gewehrt und uns reingehauen. Das war die richtige Antwort,“ meinte der 51-Jährige.

Drei Tage nach der 0:1-Niederlage gegen den VfB Lübeck, wollten die Hanseaten im Heimspiel gegen die „Roten Teufel“ mit aller Macht zurück in die Erfolgsspur. Dafür hatte der Coach die Mannschaft abermals komplett umgekrempelt, acht neue Profis gebracht. Kapitän Kolke, Nico Neidhart und Bentley Baxter Bahn waren die einzigen, die schon in Lübeck gespielt hatten und auch gegen Kaiserslautern von Beginn an ran durften.

Obwohl der 14. Saisonsieg geholt wurde, haderten die Rostocker mit ihrer Anfälligkeit bei Standards: „Wenn man dem Gegner in der 3. Liga zu viel Raum bei Standards lässt, kann das spielentscheidend sein“, meinte Roßbach. In der ersten Halbzeit hatten die „Roten Teufel“ ihm und seinem Team immer wieder die Hölle heiß gemacht. Die Platzherren hingegen blieben offensiv gegen kompakte und mutige Gäste harmlos.

So fiel deren Führungstreffer nicht unverdient: Kevin Kraus köpfte nach Freistoß unhaltbar für Kolke ein (25.). Ein Freistoß aus 25 Metern von Philip Türpitz war das Gefährlichste, was Hansa in den ersten 45 Minuten zeigte. Doch FCK-Keeper Avdo Spahic wehrte den Schuss zur Ecke ab (37.). Die Rostocker hatten Dusel, nicht vor der Halbzeit schon den zweiten Gegentreffer zu kassieren: Zum Glück traf Huth nur den Pfosten (40.).

„Ich hoffe, dass die Jungs ihr wahres Gesicht noch zeigen. Ein bisschen mehr können sie noch“, brachte Verteidiger Julian Riedel, der wegen muskulärer Probleme fehlte, in der Halbzeitpause seine Hoffnung zum Ausdruck.

Härtel brachte nach der Pause Simon Rhein für Aaron Herzog, der als Spielmacher nicht überzeugt hatte. Ein Glücksgriff, denn der neue Mann leitete umgehend den Ausgleich vor. Omladic veredelte nur 70 Sekunden nach Wiederanpfiff die Vorarbeit von Rhein und Bentley Baxter Bahn entschlossen zum Ausgleich. Mit seinem dritten Saisontreffer ließ der Slowene Hansas Hoffnungen auf drei weitere Punkte wieder aufkeimen. Aber die Pfälzer blieben gefährlich, hatten mehrere und die besseren Gelegenheiten. Belohnt wurden sie nicht – auch weil Kolke tadellos parierte.

Am Ende machte Roßbach den glücklichen Erfolg klar, mit dem den Hanseaten der Sprung auf den zweiten Tabellenplatz gelang. „Auf diesem Weg müssen wir weiter dranbleiben. Wir sind ein verschworener Haufen“, meinte der gefeierte Matchwinner.

Von Christian Lüsch