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Fussball regional FC Hansa Rostock – ein Verein fährt runter
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FC Hansa Rostock Coronavirus Kurzarbeit Robert Marien

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20:02 17.03.2020
Hansa Rostocks Vorstandsvorsitzender Robert Marien im Anschluss an die Pressekonferenz zu den Plänen des Klubs im Zusammenhang mit der Corona-Gefahr. Quelle: Lutz Bongarts
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Rostock

Robert Marien wirkte entschlossen und gefasst, als er am Dienstag um 13 Uhr im Medienraum des Ostseestadions vor die Presse trat. Der Vorstandsvorsitzende des FC Hansa Rostock hatte weitreichende und folgenschwere Entscheidungen zu verkünden. Worum es geht, brachte Marien mit einem Satz auf den Punkt: „Es geht um den Schutz der Gesundheit und darum, die wirtschaftliche Stabilität aufrecht zu erhalten.“

Der Fußball-Drittligist hat ein Sofortprogramm aufgelegt, um die Folgen der Corona-Krise wenigstens einigermaßen in den Griff zu bekommen. Im Paket enthalten: Kurzarbeit für Profis, Trainer- und Betreuerstab sowie die Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Dazu kommt ein sofortiger Investitionsstop und die Überprüfung aller Dienstleistungsverträge. Es geht um Reduzierung, Kündigung oder Aussetzung. Kurzum: Hansa legt alles auf Eis, was entbehrlich ist. Der Verein fährt runter.

Die „wirtschaftlichen Verwerfungen“ würden den Fußball im Allgemeinen und Hansa Rostock im Besonderen schwer treffen, verdeutlichte der Hansa-Chef. „Als Fußball-Verein sind wir ein Veranstalter von Großveranstaltungen. Wenn die untersagt sind, ist unsere Geschäftsgrundlage nicht mehr vorhanden.“

Der Verein stecke mittendrin in der Umsetzung seiner Pläne, erklärte Marien. Die Mitarbeiter seien am Freitag vergangener Woche über die Pläne informiert worden. Der Antrag auf Kurzarbeit sei am Montag beim Arbeitsamt Rostock eingereicht worden, ist aber noch nicht bewilligt. Betroffen sind mehr als 200 Hansa-Mitarbeiter. Fest Angestellte, in Teilzeit oder geringfügig Beschäftigte.

Wie groß das finanzielle Polster des FC Hansa ist und wie lange der Klub in der Lage ist, ohne die Einnahmen aus Drittligaspielen über die Runden zu kommen, kann Ma­rien nicht abschätzen. „Es ist viel zu früh, um zu sagen, wie lange das Geld reicht, wenn man komplett in den Coronaschlaf geht.“ Es hänge beispielsweise davon ab, wie die behördlichen Auflagen zur Absicherung möglicher Geisterspiele ausfallen und davon, wie lange Hansa seine Fanshops offenhalten dürfe.

Die Profis der Drittliga-Mannschaft hatte Marien vor der Pressekonferenz am Rande des Trainings über die weitreichenden Maßnahmen persönlich informiert. Nachdem die Arbeit im kompletten Nachwuchsbereich am vergangenen Freitag eingestellt worden war, versetzte der Vorstandschef am Dienstag auch die Profis „bis auf weiteres in den Coronaschlaf".

Zunächst wurde ein einwöchiger Urlaub angeordnet. „Es ist sicher nicht die schönste Lage, um Urlaub zu machen, aber in dieser Woche werden wir Klarheit bekommen, wie das Kurzarbeitergeld aussehen wird.“ Wie lange die Ruhephase dauert, ist ebenfalls unklar. Marien meinte, dass es definitiv länger als eine Woche Auszeit geben wird. „Es gibt kein Drehbuch für diese Situation. Wir können die Kogge nur auf Sicht steuern.“ Er hoffe, dass alles „schnellstmöglich wieder hochgefahren“ werden könne.

Hansa spüre die Solidarität seiner Fans, Freunde und Sponsoren. „Bevor wir aber auf die Familie und Sponsoren zugehen, die selbst in einer wirtschaftlich unsicheren Lage stecken, werden wir unsere eigenen Hausaufgaben machen“, betonte der Chef des knapp 14 000 Mitglieder zählenden Traditionsvereins. Hilfe vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) – zum Beispiel in Form von nicht zurückzuzahlenden Finanzspritzen – erwartet Hansa nicht. Der finanzielle Schaden könnte nach Vereinsschätzung in den siebenstelligen Bereich anwachsen.

Einen Tag, nachdem die Chef der 20 Drittligisten in einer Videokonferenz mit dem DFB diskutiert und beschlossen hatten, die Saison vorerst bis zum 30. April auszusetzen, berichtete Robert Marien, dass der zuvor zum Beispiel von Jena, Zwickau und Halle geforderte Saisonabbruch schnell vom Tisch war. „Wir haben uns nicht zerrissen. Aber wir sind uns ein Stück weit uneinig, weil jeder seine eigene Situation sieht“, sagte er und deutete Verständnis an.

Dass Hansa die Corona-Vorsorge aktuell und in den nächsten Wochen sehr ernst nimmt, beweist die Tatsache, dass der Klub zur Pressekonferenz pro Medienunternehmen lediglich einen Vertreter zugelassen hatte. Das Ansteckungsrisiko soll so gering wie möglich gehalten werden. Deshalb sagten die Rostocker sämtliche Veranstaltungen wie die Fußballschule oder Stadionführungen ab,

Ansteckungen unbedingt vermeiden wollen auch Jens Härtel und die Profis: Der Coach hatte für den Dienstag ein Training in kleinen Gruppen angesetzt. Drei Teams wurden gebildet, die sich in unterschiedlichen Kabinen umzogen und die zeitlich versetzt auf dem Trainingsplatz an der Kopernikusstraße Übungen mit und ohne Ball absolvierten. Es war die vorerst letzte Zusammenkunft der Truppe. „Für den restlichen März haben die Spieler keine Trainingspläne von uns mitbekommen“, sagte der 50-Jährige. Er geht davon aus, dass sich alle Spieler vernünftig und verantwortungsbewusst verhalten werden. Niemand werde Deutschland verlassen, meinte er.

Für das Vorgehen des Vereins hat Härtel großes Verständnis, obwohl es auch für ihn Einschnitte geben wird. „Wir sind ein Teil der Gesellschaft und müssen alle unseren Teil dazu beitragen, dass es wieder in eine andere Richtung gehen kann.“ Der Cheftrainer wünscht sich eine baldige Rückkehr zur Normalität. „Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn in Deutschland für zwei Monate alles zum Erliegen kommt. Dann reden wir nicht mehr über Fußball. Der ist dann die unwichtigste Sache überhaupt.“

Von Christian Lüsch

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