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Fussball regional Ein kleiner Schritt, der Hoffnung weckt
Sportbuzzer Fußball Fussball regional Ein kleiner Schritt, der Hoffnung weckt
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12:46 25.08.2019
Geht doch: Nach dem 2:1-Führungstreffer durch Kai Bülow (3.v.l.) waren die Rostocker dem Sieg in Ingolstadt sehr nah. Quelle: Lutz Bongarts
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Ingolstadt/Rostock

Auch wenn Jens Härtel schimpfte wie ein Rohrspatz – das 2:2 (1:0)-Unentschieden, das der FC Hansa am Freitagabend beim FC Ingolstadt erkämpfte, war ein Erfolg. Einer, der einige Fragen beantwortete, andere hingegen nicht.

Tatsache und die wohl wichtigste Erkenntnis aus dem Duell mit dem Zweitliga-Absteiger ist: der FC Hansa Rostock ist – so wie er personell aufgestellt ist und sich in Ingolstadt präsentierte – konkurrenzfähig in der 3. Liga.

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Allerdings nur, wenn die Mannschaft endlich mal über die kompletten 90 Minuten agiert wie in der 2. Halbzeit gegen die Ingolstädter. Begonnen hatten die Härtel-Schützlinge vor 6820 Zuschauern im Audi-Sportpark wieder einmal enttäuschend. „Wir haben Geschenke verteilt und uns nicht so präsentiert, wie ich das erwartet hatte“, sagte der Trainer, der die Reaktion auf die schwache Leistung gegen Großaspach in den ersten 45 Minuten vermisste. Ingolstadt lag zwar nach dem Foulelfmeter, den Stefan Kutschke sicher verwandelt hatte, in Führung. Doch deutlich überlegen waren die Bayern keineswegs.

In der Halbzeit wurde es in der Rostocker Kabine – wieder einmal – etwas lauter, berichtete Härtel. Warum das Team oft erst nach so einer Predigt reagiert, bleibt ihr Geheimnis. Gut, dass die Ansprache verstanden wurde und Wirkung zeigte. Nach dem Seitenwechsel, wirkten die Rostocker deutlich agiler, zielstrebiger und überlegen. Einfach klasse, wie sich Aaron Opoku ein Herz fasste und in Richtung des FCI-Kastens marschierte. Der 20-Jährige, der bereits vor einer Woche als Schütze des „Tor des Monats“ geehrt wurde, traf gegen Ingolstadt erneut sehenswert. „Der Trainer hat mir gesagt, dass ich mit Tempo auf den Gegner zugehen soll. Und das habe ich dann in der 2. Halbzeit auch gemacht“, freute sich der vom Hamburger SV ausgeliehene pfeilschnelle Mittelfeldspieler.

Und Härtel mit ihm. „Es macht mir Mut, wenn Dinge, die wir besprechen, auch umgesetzt werden“, meinte er. Personell griff der Hansa-Coach in Ingolstadt stark ein, veränderte seine Startformation im Vergleich zur Vorwoche aus Gesundheits- und Leistungsgründen auf vier Positionen. Der Erfolg gab ihm recht: Kai Bülow zum Beispiel rechtfertigte seinen Einsatz mit großer Präsenz, vorbildlichem Einsatz, gutem Passspiel und dem Kopfball-Treffer zum 2:1.

Schon zuvor, als beim Stand von 1:1 die beiden Offensivkräfte Korbinian Vollmann und John Verhoek ausgewechselt wurden, wurde klar, wie Härtel tickt. Er schickte keine Verteidiger raus, sondern Pascal Breier und Marco Königs – zwei frische Stürmer. Ein klares und selbstbewusstes Signal: „Das Unentschieden ist uns nicht genug. Wir wollen gewinnen!“

Hansa hatte Großchancen, hätte das Spiel auch mit 3:1 für sich entscheiden können. Am Ende hatte Härtel mit Schiedsrichter Asmir Osmanagic den Schuldigen dafür ausgemacht, dass Hansa mit einem Unentschieden abreisen musste. „Wir fühlen uns betrogen“, erklärte er. Der Schiri hätte „jede 50:50-Situation mit der Lokalsbrille gesehen. Der zweite Elfmeter sei „die Krönung“ gewesen, wetterte Härtel.

Strittig war die Situation, die in der Nachspielzeit zum Elfmeter führte, allemal. Kutschke hatte den Ball bereits auf die Reise geschickt, als Sven Sonnenberg angerauscht kam und den Ingolstädter am Fuß traf. So wurde aus dem möglichen Befreiungsschlag nur ein kleiner Schritt. Aber einer, der Mut macht. Für das Wochenende verließen die Rostocker die Abstiegszone, Kaiserslautern könnte am Montagabend aber noch am FCH vorbeiziehen. Den Pfälzern würde dazu ein Punktgewinn beim Chemnitzer FC genügen.

Von Christian Lüsch