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Fussball regional Marien: Es hat an Geschlossenheit und Mentalität gefehlt
Sportbuzzer Fußball Fussball regional Marien: Es hat an Geschlossenheit und Mentalität gefehlt
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14:10 16.05.2019
Hansa-Vorstandschef Robert Marien (l.) – hier bei der Verabschiedung von Marcel Hilßner. Quelle: Lutz Bongarts
Rostock

Vor dem Saisonfinale in der 3. Fußball-Liga sprach die OZ mit Hansas Vorstandschef Robert Marien.

Ziel war der Aufstieg unter dem Motto „Gemeinsam nach oben“. Jetzt wird es Platz fünf oder sechs. Ist Hansa gescheitert?

Gescheitert würde bedeuten, dass wir das Ziel meilenweit verfehlt hätten. In vielen Bereichen haben wir die Ziele übertroffen. Im sportlichen Bereich haben wir das ganz große Ziel verfehlt.

Haben Sie eine Erklärung, woran es gehapert hat?

Uns hat die Geschlossenheit, die nötig gewesen wäre, gefehlt. Das fehlende Miteinander hat schließlich zur Trennung von Trainer Pavel Dotchev und Sportdirektor Markus Thiele geführt. Ich denke, dass wir auch in Bezug auf die Mentalität Defizite hatten. Es hat uns unheimlich viel Energie gekostet, dass die beiden wichtigsten Personen im Umfeld der Mannschaft in wichtigen Situationen nicht zusammengearbeitet haben. In der Mannschaft gab es die Tendenz, sich nach Teilerfolgen zu schnell zufriedenzugeben, statt kontinuierlich hungrig zu bleiben.

Sind Sie „geheilt“, was das Verkünden von Zielen betrifft?

Nein. Ich glaube, dass sich jeder Zielen stecken sollte, ohne Angst vor dem Scheitern zu haben. Nur auf diese Weise ist man in der Lage, zu lernen und es besser zu machen.

Kiel, Regensburg, Heidenheim, Paderborn – Hansa ist von vielen Klubs überholt worden. Haben sie sich die letzten Jahre schöngeredet?

Wir reden uns ganz sicher nichts schön. Wir suchen vielmehr nach Möglichkeiten, es besser zu machen. Ansprüche zu haben, ist wichtig. Aber sie allein genügen nicht. Ich muss Hansa nicht mit Heidenheim vergleichen, denn es sind völlig unterschiedliche Vereine mit einem völlig unterschiedlichen Umfeld. Wir müssen uns nicht mit Heidenheim vergleichen, sondern mit Vereinen, die ähnliche Bedingungen haben. Ich beobachte beispielsweise Dynamo Dresden, die über Jahre hinweg gute Arbeit geleistet und sich in der 2. Liga etabliert haben. Auch Union Berlin hat eine großartige Entwicklung genommen und steht vor dem Sprung in die 1. Liga. Vor 15 Jahren wäre das undenkbar gewesen.

Neun Abgänge stehen bereits fest. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es trotz radikalen Umbaus der Mannschaft eine gute neue Saison wird?

Die Rückrunde hat gezeigt, dass wir taktisch flexibler geworden sind, innerhalb eines Spiels umstellen können. Die Entwicklung der Spieler und die Kaderplanung stimmen mich zuversichtlich. Auch wenn wir außer Nils Butzen noch nichts verkündet haben: Es haben bereits mehrere Spieler unterschrieben oder zugesagt. Solange sich Vereine im Ab- oder Aufstiegskampf befinden, wollen wir aber mit der Bekanntgabe noch warten.

Ist ein Spieler unter den Abgängen, der Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist?

Der Abgang von Oliver Hüsing tut mir persönlich sehr weh. Ich hatte mit ihm als Kapitän häufiger zu tun. Uns verlässt ein absoluter Leader. Auch das Willi Evseev geht, tut mir leid. Er ist ein hervorragender Fußballer, dem Verletzungen immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Er konnte deshalb leider nicht zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Glauben Sie, dass Hüsing in Heidenheim Stammspieler wird?

Ich glaube, dass Oliver Hüsing die richtige Mentalität mitbringt und sich über kurz oder lang durchsetzen wird.

Schaut man quer durch die Ligen sind mit Tom Trybull, Denis Srbeny, Sargis Adamyan, Robin Krauße und Ben Zolinski Ex-Hanseaten als etablierte Spieler präsent. Hat der FCH seinen Blick für Talente verloren?

Das hängt weniger vom Blick als von den Umständen ab. Alle genannten Spieler konnten in dem unruhigen Umfeld, das zu ihrer Zeit in Rostock herrschte, nicht gedeihen. Ich erinnere an Abstiegssorgen, Schuldenschnitte und die Angst, die Lizenz nicht zu bekommen. Dass die Talententwicklung da ein Stück weit auf der Strecke bleibt, müsste verständlich sein. Zum Glück haben wir diese Phase hinter uns gelassen.

Stichwort DFB-Strafen nach Ausschreitungen von Hansa-Anhängern: Welche Konsequenzen haben Sie gegenüber der Fanszene gezogen?

Die Fanszene hat gesammelt, um einen Teil der Strafen zu begleichen. Dabei sind etwa 10 000 Euro zusammengekommen. Es gab Auflagen und Sanktionen in Bezug auf Choreografien. Außerdem wurden die Preise für bestimmte Auswärtskarten erhöht, um einen Teil der Strafen zu refinanzieren. Zudem haben wir Täter ermittelt. Derzeit wird gerichtlich geprüft, ob die Beweise zur Anklageerhebung genügen. Wenn Täter verurteilt werden, versuchen wir sie in Regress zu nehmen bzw. die Sachen außergerichtlich zu klären.

Ihr Vertrag als Vorstandschef bei Hansa endet zum Jahresende. Sind Sie amtsmüde oder haben Sie Lust auf Verlängerung?

Ich würde gern weitermachen. Ich habe jeden Tag das Gefühl, dass wir uns positiv entwickeln. Ein Beispiel: Als wir angefangen haben, war schlechter Rasen permanent ein Thema. Als Jens Härtel und Ronny Thielemann angefangen haben, war eine Sache, die ihnen gleich extrem positiv aufgefallen ist und die sie in der Form vorher auch noch nicht erlebt haben, mit welchem Aufwand und in welcher professionellen Art und Weise sich hier durch unsere Greenkeeper um die Pflege des Rasens gekümmert wird und sich das dann eben auch in der Qualität des Rasens widerspiegelt. Solche Beispiele lassen sich in allen Bereichen des Klubs finden und stimmen mich natürlich positiv.

Wie beurteilen Sie die bisherige Arbeit von Trainer Jens Härtel und Sportvorstand Martin Pieckenhagen? Was können beide besser machen?

Mein Eindruck ist, dass sie manchmal unterschiedliche Auffassungen haben, aber immer einen Weg finden und somit ihre Stärken einbringen können. Beide sind extrem emsig. Nie zuvor lagen die Planungen für die Saisonvorbereitung mit Kaderplanung, Testspiel-Terminen, Trainingslager und so weiter so zeitig vor. Möglichkeiten, Dinge vielleicht noch besser zu machen und zu optimieren gibt es natürlich immer – aber das ist auch der Anspruch von beiden.

Mal vom Sportlichen abgesehen – was ist in dieser Saison richtig gut gelaufen? Was ist voll gegen den Baum gegangen?

Phänomenal ist die Zuschauerentwicklung. Ich erinnere mich an die DFB-Pokalspiele, bei denen die ganze Region mitgefiebert hat. Im sportlichen Bereich ist es uns nicht gelungen, so zu arbeiten, wie es das Beste für den Verein gewesen wäre. Die Schuld daran ist nicht nur bei zwei Personen zu suchen, sondern wir alle müssen uns hierbei hinterfragen.

Mit der Sanierung der Flutlichtanlage steht Hansa vor einem Großprojekt. Wie ist der Stand der Planung?

Wir wollen ein zweites Gutachten in Auftrag geben. Die Ergebnisse sollen bis zur Mitgliederversammlung im Herbst vorliegen. Parallel holen wir Angebote für die Erneuerung der Beleuchtungstechnik ein. Die Ergebnisse tragen wir in einer Arbeitsgruppe zusammen, die für die Mitglieder Varianten zur Abstimmung vorbereitet. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Masten zu retten sind. Darüber hinaus gibt es im gesamten Stadion Sanierungsbedarf. Wir stehen vor der Frage, wie man jeden Quadratmeter des Ostseestadions und des Umfeldes effektiv nutzen kann.

Haben Sie einen Bautermin im Kopf?

Wenn alles ideal laufen würde – dazu gehört auch die Finanzierung – könnte es frühestens in der Saison 2022/23 losgehen. Die Genehmigung, die Masten zu nutzen, gilt bis 2025.

Christian Lüsch

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