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Handballsaison in MV für beendet erklärt

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17:29 15.04.2020
Kein Handball mehr in MV: Der Landesverband hat die Saison 2019/20 abgebrochen Quelle: Horst Schreiber
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Doberan/Wismar/Greifswald

Der Handballverband Mecklenburg-Vorpommern (HVMV) hat die Saison landesweit für beendet erklärt. Bislang waren die Partien der MV-Spielklassen bis zum 19. April ausgesetzt, nun also der komplette Abbruch. Das beschloss der Verband in einer Telefonkonferenz am Dienstagabend. Er folgte damit einer Empfehlung des Deutschen Handballbundes (DHB).

„Jetzt ist nicht Handball das Wichtigste auf der Welt, sondern das bewusste Handeln, um nicht durch eventuelle Handballspiele der Ausbreitung dieses schlimmen Virus auch noch Vorschub zu leisten. Wir Handballer betreiben eine intelligente Sportart, das können wir jetzt auch mit dem Verständnis für die getroffenen Maßnahmen nachweisen“, wird HVMV-Präsident Peter Rauch in einer Mitteilung zitiert.

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Der Entschluss erntet Zustimmung. „Eine Meisterschaft nach so langer Pause aus dem Kalten heraus und vor leeren Rängen auszuspielen, wäre Schwachsinn gewesen“, meint Dirk Carsten Mahlitz vom HC Vorpommern-Greifswald.

Die Handballbosse von MV beschlossen zudem, dass es keine sportlichen Absteiger in diesem Jahr geben wird. Aufstiegsrechte dürfen aber wahrgenommen werden. Allerdings ließen die Verantwortlichen offen, wie die Leistungen der Herren-, Frauen- und Jugendteams bewertet werden. Der HVMV wartet auf eine einheitliche Regelung für die Landesverbände. Diese wird sich wahrscheinlich an den erwarteten Beschlüssen des DHB orientieren.

Doberaner SV Landesmeister?

Wann eine Entscheidung zur Wertung der Saison gefällt wird, steht noch aus. Der Nachbarverband aus Brandenburg hatte die Saison bereits vor einer Woche für beendet erklärt und gleichzeitig durchblicken lassen, wahrscheinlich die aktuellen Spitzenreiter als Meister zu ehren. Folgt der HVMV diesem Beispiel, wäre die Männer-Truppe des Bad Doberaner SV (27:7 Punkte) Landesmeister. Pikant: Ausgerechnet das MV-Liga-Duell gegen den ärgsten Verfolger TSG Wismar (26:8) findet nun nicht mehr statt.

„Wir hätten gern noch ein bisschen gewonnen, auch gegen Wismar. Aber die Gesundheit geht vor!“, bemerkt Hartmut Polzin, der vollstes Verständnis für den Saisonabbruch hat. Der DSV-Präsident könnte damit leben, sollte sein Team nicht zum Meister benannt werden. Vom Aufstiegsrecht wollen die Doberaner nach einem Jahr MV-Liga Gebrauch machen. Allerdings planen sie erst für die 4. Liga, „wenn wir eine offizielle Mitteilung erhalten, wer aufsteigt“, betont Polzin.

Oberliga-Ambitionen hat zudem Fortuna Neubrandenburg. Der Ribnitzer HV hält sich bedeckt, die TSG Wismar verzichtet.

Für den Tabellenletzten der höchsten Landesspielklasse bedeutet der Abbruch Glück im Unglück. Beim HC Vorpommern-Greifswald wurde die Entscheidung des HVMV positiv aufgenommen. „Das ist schon ein Segen für uns. Für uns wäre es im Kampf um den Klassenerhalt wahrscheinlich auf ein Entscheidungsspiel gegen Stavenhagen hinausgelaufen – so könnten jetzt beide Teams in der Liga bleiben“, gesteht Trainer Mahlitz.

Kein Sieger bei den Frauen

Bei den Frauen hingegen kann gar kein Landesmeister benannt werden, da die Entscheidungsspiele zwischen den Platzierten der West- und Oststaffel nicht ausgetragen werden. In der Landesliga Ost steht die Oberliga-Reserve des Rostocker HC bereits als Staffelsieger fest.

Im Westen führt TSV Bützow – allerdings nur aufgrund von zwei mehr ausgetragenen Spielen gegenüber der TSG Wismar. Die TSG-Damen galten als Favorit auf den Landesmeistertitel. Auch im MV-Pokal erreichten die Schützlinge von Trainer Jörn Harder das Final Four, das nun ebenfalls nicht mehr stattfinden wird. „Aus sportlicher Sicht finde ich es schade. Aber die Gesundheit geht vor“, sagt Harder.

Die Wismarerinnen wollen in der kommenden Spielzeit in der Oberliga Ostsee-Spree neu angreifen. Sie haben sich als einziges Frauen-Team aus MV für die 4. Liga gemeldet. „Nun warten wir gespannt, ob wir dafür die Zustimmung erhalten“, ergänzt der TSG-Trainer.

Obwohl in den Handballligen von MV maximal nur noch fünf Spieltage plus Pokal-Final-Four zu absolvieren gewesen wären, hätte eine Fortführung der Saison zu Terminproblemen geführt. Greifswalds Trainer Mahlitz erklärt: „Selbst wenn von heute auf morgen das Kontaktverbot gelockert würde, hätte man vor Mitte Mai kein sinnvolles Mannschaftstraining durchführen können. Bis die Spielfähigkeit wieder erreicht ist, haben wir Juni. Dann ist aber schon Urlaubszeit. Und im August beginnt die Vorbereitung auf die nächste Saison.“

Oberligisten müssen noch warten

Was der Saisonabbruch auf Landesebene für die überregionale Oberliga Ostsee-Spree bedeutet, an der neben MV auch Brandenburg und Berlin beteiligt sind, ist noch unklar. Oberliga-Spielleiter Mathias Jeschke betonte auf OZ-Anfrage, dass eine Entscheidung über die Fortführung noch offen sei. Die Oberliga-Verbände blicken auf die nächsten Beschlüsse und Empfehlungen des DHB, die Jeschke Anfang kommender Woche erwartet. Verbindlich sind diese für die Oberliga Ostsee-Spree allerdings nicht, da der DHB Entscheidung nur bis einschließlich der 3. Liga fällen kann. Nachdem der Bundesrat des DHB getagt hat, müssen sich MV, Berlin und Brandenburg einigen.

Bei den Männern führt aktuell der HSV Insel Usedom. Allerdings hat Meister Stralsunder HV zwei Spiele weniger absolviert und würde bei zwei Siegen auf Platz eins springen. Bei den Oberliga-Frauen stünde bei regulärer Beendigung der Saison ein heißer Dreikampf in den verbleibenden fünf beziehungsweise sechs Partien bevor. Tabellenführer Pfeffersport Berlin (21 Spiele/33:9 Punkte) steht knapp vor dem Rostocker HC (21/31:11) und Grün-Weiß Schwerin (20/29:11).

Von Horst Schreiber, Peter Preuß und Alexander Kruggel

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