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Hansa Rostock und die 3. Liga: Anpfiff oder Abpfiff?

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18:02 07.05.2020
Der FC Hansa Rostock hat signalisiert, bereit zu sein, wenn die Saison in der 3. Liga fortgesetzt wird. Quelle: Lutz Bongarts
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Rostock

Nach der Entscheidung, die Saison in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga fortzusetzen, befindet sich die 3. Liga weiter in der Warteschleife. Der DFB hat sich klar für eine Fortsetzung der nach dem 27. Spieltag unterbrochenen Saison ausgesprochen. Die 20 Vereine sind indes tief gespalten. Anpfiff oder Abpfiff in der dritthöchsten Profiliga? Der DFB ist optimistisch, dass es weitergeht. Die OZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet die Entscheidung zur Fortsetzung der beiden Bundesligen für die 3. Liga?

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Die Befürworter einer Saisonfortsetzung, darunter der FC Hansa Rostock, sehen sich bestätigt und ermutigt. Für DFB-Präsident Fritz Keller ist das Votum der Politik richtungsweisend. Er geht unter dem Aspekt der Gleichbehandlung davon aus, dass nun auch in der 3. Liga weitergespielt werden kann. Auch der für die 3. Liga zuständige DFB-Vize Peter Frymuth wertet die Entscheidung der Politik als „positives Signal“. Man arbeite unverändert auf eine Saisonfortsetzung hin und sei „optimistisch“.

Was wollen die Vereine?

Mit einer dünnen Mehrheit votierten die Klubs (Rostock, Braunschweig, Bayern II, Unterhaching, Ingolstadt, 1860, Würzburg, Uerdingen, Köln, Chemnitz) in einem vom DFB erhobenen Meinungsbild für die Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen. Acht Vereine (Halle, Magdeburg, Jena, Mannheim, Münster, Duisburg, Großaspach Zwickau) sind dagegen. Kaiserslautern und Meppen haben sich enthalten.

Welche Argumente sprechen für eine Fortsetzung?

Befürworter sagen: In der 3. Liga wird Profi-Fußball gespielt, und das Recht zur freien Ausübung des Berufs müsse gewährleistet werden. Zudem würden die von DFL und DFB vorgestellten Hygiene- und Verhaltensregeln eingehalten. Diese beinhalten unter anderem regelmäßige Corona-Tests der Spieler und Betreuer. Machbar, meinen Befürworter. Sollten Tests positiv ausfallen, würden betroffene Profis in Quarantäne geschickt werden. Zudem sei die Wiederaufnahme des Spielbetriebs die einzige Möglichkeit, die Saison sportlich fair zu Ende zu bringen. An der Wiederaufnahme des Spielbetriebs müssten die Klubs „das größte Eigeninteresse haben, auch wirtschaftlich“, sagt DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge: „Denn nur dann kann sichergestellt werden, dass ein Aufstieg in die 2. Bundesliga stattfindet – mit den damit verbundenen Erlösen aus der Zentralvermarktung. Darüber hinaus können nur durch den Willen, den Spielbetrieb wiederaufzunehmen, erhebliche Schadensersatzforderungen von Sponsoren und Partnern vermieden werden, die ansonsten die Klubs zu tragen hätten.“

Was sagen die Gegner?

Sie lehnen Geisterspiele vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ab. Keine Zuschauereinnahmen, dafür hohe Kosten durch das Hygienekonzept und den Spielbetrieb. Da reicht die angedachte Finanzhilfe von 300 000 Euro pro Klub, die der DFB verteilen will, nicht aus. „Würde der Zwang bestehen, den Spielbetrieb wiederaufzunehmen, würde das zu nicht kompensierbaren finanziellen Belastungen führen. Es würden Kosten von einer Million Euro entstehen, womit die Insolvenzgefahr gegeben wäre“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nach Beratungen mit den Bossen des Halleschen FC und des 1. FC Magdeburg. Hansa-Chef Robert Marien hält dagegen: „Der Klassenerhalt soll politisch gesichert werden.“ Pikant: Sachsen-Anhalt hatte als erstes Bundesland das Kontaktverbot aufgehoben, sperrt aber weiterhin die Sportplätze.

Sogar Uli Hoeneß – sein Neffe Sebastian Hoeneß ist Trainer von Bayern II – schaltete sich in die Drittliga-Debatte ein. „Der DFB sollte mal eines seiner Silos anzapfen und der 3. Liga die Einnahmen aus ein oder zwei Länderspielen in dieser schwierigen Zeit zugutekommen lassen“, sagte der frühere Bayern-Präsident.

Bevor es wieder losgehen kann, muss der DFB Gespräche mit den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen führen, um eine Erlaubnis für den Spielbetrieb zu erwirken. Argumente hat der DFB: Beide Länder gehören in der bundesweiten Corona-Tabelle zu den am wenigsten Betroffenen. In der Liga-Tabelle liegen Magdeburg, Halle und Jena weit hinten, sind stark abstiegsgefährdet.

„In all den Diskussionen sei auch die Frage erlaubt, ob es tatsächlich darum geht, etwas nicht umsetzen zu können oder eher darum, es nicht zu wollen“, sagt Frymuth. „Was mir bei den Befürwortern eines Saisonabbruchs außerdem fehlt, ist eine konstruktive Vorstellung, wann und wie die 3. Liga dann wieder Fußball spielen soll, wenn wir jetzt aus freien Stücken sagen, wir können nicht mehr weiterspielen.“

Wer kann entscheiden, ob und wie es in der 3. Liga weitergeht?

DFB-Vorstand und -Präsidium können die Fortsetzung beschließen. Wenn die Saison abgebrochen werden soll, braucht es ein Votum des Außerordentlichen DFB-Bundestages, der am 25. Mai stattfinden soll. Das letzte Wort vor den Spielen haben die Bundesländer und die Gesundheitsämter vor Ort. „Klar ist: Die Entscheidungen trifft die Politik, auf dieser Grundlage bestimmt der DFB dann das weitere Vorgehen in seinen Spielklassen“, sagt DFB-Vize Frymuth.

Welche Vereine trainieren schon, welche nicht?

Mittlerweile hat das Gros der Klubs das Training in Gruppen wieder aufgenommen. Mit Magdeburg, Halle, Jena, Mannheim, Zwickau und Münster sind aber sechs Teams noch nicht auf den Rasen zurückgekehrt. Zwickau bereitet die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs vor. Hansa befindet sich seit dem 15. April wieder im Training.

Wann könnte es losgehen, und ist der 30. Juni als Enddatum der Saison zu halten?

Als frühestmöglicher Termin erscheint der 23. Mai. Es müssten dann fünf englische Wochen folgen, um die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. Wenn alle Teams vor dem Anpfiff 14 Tage trainieren sollen, müssten die Nachzügler am 9. Mai einsteigen. Frymuth erklärt: „Am Freitag tagt der DFB-Spielausschuss unter anderem zur Anpassung des Rahmenspielplans, nächste Woche soll das DFB-Präsidium darüber offiziell entscheiden. Außerdem ist am Freitag eine Videokonferenz mit den Geschäftsführern, Sportlichen Leitern und Hygienebeauftragten angesetzt. Die Testungen bei den Vereinen könnten gegebenenfalls bereits am 11. oder 12. Mai beginnen. Nach der zweiten Testung wenige Tage später könnte dann grundsätzlich wieder das Mannschaftstraining starten, sofern es die behördliche Verfügungslage zu diesem Zeitpunkt zulässt.“

Von Christian Lüsch und Sönke Fröbe

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