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Lieblingsklubs in MV: Der Nordosten ist blau-weiß-rot

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14:39 23.12.2019
Mehr als ein Drittel der Befragten halten es mit dem FC Hansa. Beliebt sind ebenso Borussia Dortmund und Bayern München. Liverpool FC ist der gefeiertste ausländische Verein. Zu den restlichen 16,51 Prozent gehören u. a. Juventus, Barca, Schalke, Gladbach, Stuttgart. Quelle: Grafik: Niklas Kunkel/Horst Schreiber
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Stralsund

Heute Abend liegen unter den Weihnachtsbäumen im Landkreis Vorpommern-Rügen wieder viele Geschenke mit Sportutensilien und Fanartikeln von Fußballvereinen. Am häufigsten sind dabei wohl Sachen vom FC Hansa Rostock verpackt.

Knapp 36 Prozent der Amateurfußballer aus dem Fußballkreis in Vorpommern-Rügen gaben bei einer nichtrepräsentativen Umfrage der OSTSEE-ZEITUNG den Drittligisten als ihren Lieblingsclub an.

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Hansa-Gen in die Wiege gelegt

„Ich hatte nie eine andere Wahl. Mein Vater hatte mich das erste Mal ins Ostseestadion genommen, als ich drei war“, erklärt Paul Scholz die Wahl seines Lieblingsklubs. „Ab da war es passiert.“ Blau-weiß-rot seit 22 Jahren. Scholz ist einer von vielen in Mecklenburg-Vorpommern, die mit dem FC Hansa Rostock fiebern. Trotz der sportlichen Tristesse der letzten Jahre. Trotz der regelmäßigen personellen Umbrüche.

„Ich finde es allgemein traurig, ich kann dir nicht mal mehr die Aufstellung von Hansa sagen. Ich interessiere mich nicht mehr für Spielernamen, weil sie nach einem Jahr eh wieder verschwunden sind“, muss Scholz eingestehen. Dennoch kann sich der Stralsunder nicht vom Rostocker Klub abwenden: „Das Herz schlägt auf einmal höher, wenn ein Kai Bülow wieder Leistungsträger ist.“ Die Hoffnung auf bessere Tage und mehr Identifikationsfiguren hält die Liebe der Hansafans am Köcheln.

Liverpool beliebtester Klub aus dem Ausland

Kleine Sorgenfalten – wenn auch in ganz anderen Dimensionen – dürften angesichts der sportlichen Situation in der Bundesliga auch die Anhängerschaften von Borussia Dortmund und FC Bayern München im Nordosten haben. Die BVB-Liebhaber stellen die zweitgrößte Fangemeinde der Region (knapp 20 Prozent), gefolgt von den Bayernfans (15). Jürgen Klopp dürfte einen beträchtlichen Anteil daran haben, dass sich der FC Liverpool großer Beliebtheit im Kreis erfreut (4,7).

Onkel wählen Lieblingsklubs für Neffen aus

Neben dem erwartbar hohen Zuspruch für den Regionalmatadoren und die Spitzenklubs gibt es auch einige Fußballer, die mit ihrer Wahl des Lieblingsklubs Einzelgänger sind. Ähnlich wie Paul Scholz hatte Ugurkan Kirkici keinen Einfluss auf seinen Favoriten. „Bei uns wurde das in die Wiege gelegt. Meine Onkel haben dafür gesorgt, dass ich Besiktas- und mein Bruder Galatasaray-Fan werde“, erzählt der Kicker des SV Blau-Weiß Baabe.

Bei den Rüganern kickt mit Özcan Biter ausgerechnet auch noch ein Galatasaray-Fan. Für Zündstoff in der Mannschaft sorgt das aber nicht. „Die Rivalität ist bei den Profis auf dem Feld“, versichert Kirkici. Seine restlichen Baaber Mitspieler versucht er natürlich für Besiktas zu begeistern. Denn Kirkici lebt für den Klub mit den Farben Schwarz und Weiß. „Ich versuche meine Arbeitsschichten so zu legen, dass ich das Spiel live gucken kann“, sagt der Hotelkaufmann-Azubi aus Aalen.

Wenn er in seiner Heimat in Süddeutschland ist, kann das gemeinsame Fußballgucken mit Freunden durchaus munter werden – vor allem, wenn Stadtderbys anstehen. „Dann schreien wir uns schon gegenseitig an und machen Wetteinsätze, die wehtun“, berichtet Kirkici. So musste er schon mal eine Woche lang im Galatasaray-Trikot rumlaufen. Höchststrafe für den Vollblut-Besiktas-Fan.

Sein größter Moment war der 3:2-Sieg gegen Fenerbahce Istanbul im allerletzten Spiel im alten Stadion. „Da habe ich geweint vor Freude“, gesteht Kirkici. An seinem großen Wunsch arbeitet er nun schon mehr als ein Jahr: Der 26-Jährige möchte eine Besiktas-Gebetskette haben – natürlich in schwarz-weiß mit Vereinslogo.

Petersen sympathisch, SC Freiburg sympathisch

In Sachen Fanutensilien ist Elias Bielesch schon versorgt. In seinem Auto liegt ein Schal des SC Freiburg quer hinter der Heckscheibe. Im Training beim Tribseeser SV erkennt man den 21-Jährigen am Nils-Petersen-Trikot. „Ich habe mal ein Petersen-Interview gesehen. Da kam er mir sehr bodenständig rüber. Daraufhin hat sich eine Sympathie entwickelt“, beschreibt Bielesch den Anfang der für den Norden ungewöhnlichen Liebe. „Ich hänge auch schon mal 90 Minuten lang am Liveticker oder checke nach unseren Spielen, ob er geknipst hat.“

Bielesch spricht das aus, was die meisten Menschen vom SC Freiburg halten: ein sympathischer Verein, der sich im aufgeblähten Fußballzirkus mit relativ moderaten Mitteln, Hartnäckigkeit und Ruhe einem Platz in der Bundesliga verdient hat. „Es gibt wohl niemanden, der den SCF nicht mag“, glaubt Bielesch. Dazu kommt das gelassene Fanumfeld. Wirklich feindselige Rivalitäten haben die Freiburger nicht und die Anhänger fordern nach Niederlagen nicht sofort rollende Köpfe. Das unterscheide laut Bielesch den Sportclub von Bayern oder dem BVB.

Sein Weihnachtsgeschenk durfte der Tribseeser Kicker bereits einlösen. Seine Freundin, die die Leidenschaft für den SCF mitträgt, hatte ihm zwei Tickets für das Bundesligaspiel bei Hertha BSC geschenkt. Bielesch sah seine Freiburger erstmals live. „Ich habe mit meiner Freundin auch schon diskutiert, dass wir mal Urlaub im Schwarzwald machen werden, wenn Freiburg Heimspiel hat“, erzählt Bielesch. Vielleicht klappt es dann auch mit dem nächsten Fanwunsch: Ein kurzer Schnack mit Nils Petersen. „Das wäre cool“, sagt Bielesch.

Von Niklas Kunkel und Horst Schreiber