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Mit Datenanalyse weg vom Bauchgefühl des Trainers

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17:56 29.12.2019
Alle Funktionen von ProSports.Zone sind direkt am Spielfeldrand über das Internet nutzbar. Die Daten liegen auf einem sicheren Server.  Quelle: fotos (2): NIKLAS Kunkel
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Stralsund

Sammlung und Analyse von Daten sind aus dem modernen Profisport nicht mehr wegzudenken. Doch bisher mussten Vereine und Verbände dabei auf mehrere Programme zurückgreifen, um das ganze Spektrum von Terminplanung, Scouting, Trainings- und Spielanalyse abzudecken. Programmierer und Fußballtrainer Ronny Wangelin hat dafür mit ProSports.Zone eine neue Lösung entwickelt. Die Software bündelt alle erdenklichen Datenbänke in einem Programm – eine Revolution für Trainer, Stützpunktkoordinatoren und Nationalcoaches.

„Die beiden Landesfußballtrainer Thomas Klemm und Lennart Claussen haben nach einer Lösung gesucht und mich darauf angesprochen“, erzählt Wangelin von den Anfängen. Claussen hatte der Trainer der D 1-Junioren des TSV 1860 Stralsund beim Lehrgang zur B-Lizenz kennengelernt. „Zwischen Tür und Angel hat er mich gefragt, ob ich sowas nicht programmieren kann, weil er gehört hatte, dass ich das könne“, berichtet Wangelin.

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Eigenbedarf weiterentwickelt

Zuvor hatte er sich bereits eine einfache Variante der Trainings- und Spieleranalyse für sich selbst programmiert. „Wir wollen weg von Bauchgefühl und Zettel bei den Trainern“, nennt er das Ziel von ProSports.Zone. Dabei ist die Angebotspalette der entwickelten Plattform in den letzten 18 Monaten durch Anfragen immer weiter gewachsen und spezialisiert worden.

Jeder Spieler bekommt ein eigenes Profil. Hier können die Daten aus jedem Training und jedem Spiel hinterlegt werden, hinzu kommen Trainingssteuerung und Videos. „Die Nachfrage, von den Insellösungen wegzukommen, scheint sehr groß zu sein. Wir haben immer nur auf Anfragen die weiteren Dinge hinzugefügt.“ So können auch Körper- und Fitnesswerte gespeichert und deren Entwicklung verfolgt werden.

Anhand fester Kriterien wie Offensiv- und Defensivverhalten, Motivation oder Technik bekommt jeder Fußballer eine Gesamtnote. So soll das subjektive Empfinden der Trainer weniger ins Gewicht fallen und die Sichtung und Entwicklung von Talenten besser gesteuert werden. Aufgrund des hohen Aufwands bei der Erfassung steckt Wangelin das Einsatzgebiet ab: „Das ist eher etwas für Nachwuchsleistungszentren und Auswahlmannschaften. Es ergibt nur Sinn, wenn man im Verein ein klares Leistungskonzept verfolgt.“ Eine klare Analyse mit den Spielern sieht er sogar noch spezialisierter: „Erstmal ist es ein primäres Trainer-Tool. Erst bei Profis kann man damit den Fußballern statistisch und mit Videos aufzeigen, wo sie Schwachstellen haben.“

Hohe Nachfrage nach Produkt

Obwohl das Programm noch in den Kinderschuhen steckt, ist es bei den ersten Vereinen und Verbänden bereits im Einsatz. Gerade in den Auswahlteams finden alle Möglichkeiten von ProSports.Zone ihren Einsatz. So können sich Auswahltrainer die Daten ihrer Spieler aus den Vereinen und untergeordneten Verbänden aufrufen. „Die Trainer sehen ihre Akteure ja immer nur in Einzelspielen, wenn sie denn überhaupt zu allen ihren Talenten fahren können. Da haben sie immer nur das Einzelbild und Talente können schnell übersehen oder aussortiert werden, wenn sie einen schlechten Tag erwischen,“ erklärt der 44-Jährige die Problematik.

Dem wollen Wangelin und seine Partner mit ProSports.Zone entgegenwirken. Nach Freigabe der Trainings- und Spieldaten müssen die Verantwortlichen nur noch das entsprechende Profil in ihre Mannschaft ziehen und können die Leistungen aus jeder Einheit im Heimatverein verfolgen. Bei Maßnahmen wie Trainingslagern oder Turnieren werden automatisch alle entscheidenden Personen von Vereinstrainer über die Eltern bis hin zu den Lehrern automatisch benachrichtigt. Eine enorme Erleichterung der Abläufe.

Obwohl die offizielle Einführung erst für das kommende Jahr geplant ist, planen Wangelin und seine Gesellschafter bereits die nächsten Schritte. In Zusammenarbeit mit einem Verlag für Trainingsgestaltung sollen Trainer dann gezielt Übungen für ihre Einheiten suchen und in ihren Plan einfügen können. Dabei soll sogar die Belastungssteuerung eines jeden Spielers einbezogen werden. „Wir wollen uns schon im Frühjahr internationalisieren, dann wird es die Seite auch auf Englisch geben“, blickt Wangelin voraus.

Interesse aus Handballkreisen

Obwohl der selbstständige Programmierer im Fußball verwurzelt ist, sieht er die Möglichkeiten seines Programms in anderen Sportarten: „Wir haben bereits die ersten Anfragen von Handballern erhalten. Wenn möglich, wollen wir das Programm bis zum Sommer anpassen. So viel müssen wir dafür gar nicht ändern.“

Von Niklas Kunkel