Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Fussball regional Olympiaheld Meinhard Nehmer wird es auch mit 80 Jahren nicht langweilig
Sportbuzzer Fußball Fussball regional

Olympiasieger Meinhard Nehmer wird 80

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:12 11.01.2021
Bobpilot Meinhard Nehmer und Bernhard Germeshausen bei ihrem Olympiasieg 1976 in Innsbruck.
Bobpilot Meinhard Nehmer und Bernhard Germeshausen bei ihrem Olympiasieg 1976 in Innsbruck. Quelle: Imago
Anzeige
Varnkevitz

Kurz vor seinem 80. Geburtstag ist Boblegende Meinhard Nehmer noch einmal ein gefragter Mann. Rückblicke auf seine Karriere und Einschätzungen des Weltcup-Geschehens sind die Themen, zu denen er momentan immer wieder Fragen beantworten muss. Ansonsten führt der Olympiasieger von 1976 in Innsbruck (Österreich) und 1980 in Lake Placid (USA) ein ruhiges Leben in Varnkevitz im Norden der Insel Rügen. Langeweile kommt bei Meinhard Nehmer aber auch sonst nicht auf. „Ich habe viel Arbeit und immer etwas zu tun. Ich habe ein großes Grundstück und mache noch alles selber. Ansonsten fahre ich gerne an den Strand. Es ist nur traurig, dass man dabei alleine ist“, beschreibt Nehmer und blickt damit auch auf den Tod seiner Frau vor drei Jahren.

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind für ihn in der Abgeschiedenheit kein größeres Problem: „Ich genieße die Ruhe und gehe auch noch selber einkaufen.“ Durch seine Arbeit an Haus und Garten beschäftigt er sich inzwischen nur noch wenig mit dem aktuellen Geschehen im Bobsport. Zwar sieht Meinhard Nehmer sich hin und wieder Zusammenfassungen an, ansonsten beschreibt er das heutige Sportgeschehen als „eine andere Welt und ganz neue Generation“. So hat er keinen Kontakt zu den aktiven Fahrern. Einzig Rekord-Weltcup-Sieger Francesco Friedrich kennt er noch von dessen Anfängen als 16-Jähriger. Von 2000 bis 2006 war Nehmer auf seiner letzten Station für die Geschicke im deutschen Bobsport als Trainer verantwortlich.

Sein nur geringes Interesse liegt aber nicht nur an der neuen Generation, sondern auch an der Situation in der Weltspitze. Für ihn fehlt die Spannung im Weltcup, seit die Deutschen die Titel unter sich ausmachen. Die Konkurrenz aus anderen Ländern fehlt zusehends. Das liegt aus Nehmers Sicht neben der Tatsache, dass inzwischen für ihn gefühlt mehr als 50 Prozent der Rennen in Deutschland stattfinden auch noch an etwas anderem: „Erst jetzt haben die anderen Nationen mitbekommen, dass es nur systematisch und mit Disziplin geht.“

Als Trainer in den USA und Italien sorgte Nehmer in den 90er-Jahren selber dafür, dass es für die schon damals starken deutschen Bobfahrer nicht an Konkurrenz mangelte. „Ich denke, dass ich einen kleinen Anteil daran hatte, dass die dann auch erfolgreich waren“, sagt Meinhard Nehmer bescheiden. 1993 hatte er den US-Amerikaner Brian Shimer zum Weltcup-Sieg gebracht, die Italiener Günther Huber und Antonio Tartaglia gewannen unter seiner Regie unter anderem 1998 olympisches Gold in Nagano (Japan).

Dabei kam der dreifache Olympiasieger erst als 30-Jähriger als Quereinsteiger vom Speerwurf in die Weltspitze im Eiskanal. Eine solche Karriere, wie sie der gelernte Landmaschinen-Ingenieur und Wetterdiensttechniker hinlegte, wäre aus seiner Sicht heute nicht mehr möglich: „Das hat sich geändert. Heute wird in dem Alter keiner mehr einsteigen. Das ist auch in andern Sportarten so.“ Er sieht das Problem in der fehlenden Perspektive, wie es für Athleten nach ihrer aktiven Karriere weitergehen soll, wenn sie zuvor alles im Sport investiert haben. „Mit Bobfahren wird keiner reich“, sagt Nehmer. Er ist froh, dass er durch seine Ausbildung auch andere Dinge gesehen hat. Bis heute interessiert er sich für Holz- und Metallarbeiten und geht hin und wieder noch auf die Jagd. Rückblickend stellt er für sich aber fest: „Ich glaube, wir haben die schönste Zeit im Sport erlebt. Aber vielleicht sagen das alle im Nachhinein.“

Um an diese Zeiten zurückzudenken, trifft er sich einmal im Jahr mit den Weggefährten aus seiner aktiven Zeit. „Das ist immer sehr schön. Wenn wir uns sehen, ist dann aber auch erstmal wieder alles gesagt“, beschreibt der Rüganer mit seiner norddeutschen Art. Der Kontakt mit alten Mitstreitern und Freunden sowie das gute Verhältnis zu seinen drei Kindern lassen ihn mit bescheidenen Wünschen in die Zukunft blicken. „Ich hoffe, dass es so weitergeht – dass ich Haus und Garten selber in Ordnung halten kann. Ich muss im Alter zwar Abstriche machen, aber noch geht alles“, stellt Meinhard Nehmer zu seinem 80. Geburtstag fest und schmunzelt: „Nur besser wird´s nicht mehr.“

Von Niklas Kunkel