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Fussball regional SV Gransebieth: Ein Dorfklub wehrt sich beharrlich gegen den Niedergang
Sportbuzzer Fußball Fussball regional SV Gransebieth: Ein Dorfklub wehrt sich beharrlich gegen den Niedergang
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16:56 03.12.2019
„Flutlicht“, Rasen, Geländer und Trainerkabine des SV Gransebieth sind Jahrzehnte alt. Quelle: fotos (5): Horst Schreiber
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Gransebieth

Jedes Wochenende raufen sich irgendwie elf Gransebiether Kicker zusammen, um sich den Gegnern in der Kreisliga Süd in Vorpommern-Rügen zu stellen. Dabei hätten die insgesamt 15 Fußballer – mehr Akteure umfasst der Kader des SV 1950 derzeit nicht – viele Gründe, das Handtuch zu werfen. Denn beim Dorfklub juckt es überall – sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell. Seit fünf Jahren taumelt der SV Gransebieth durch die Niederungen der untersten Spielklasse Deutschlands.

Seit 2014 stand der Klub nicht über dem drittletzten Tabellenplatz, nie gelangen mehr als 21 Tore in einer Saison. Die sportliche Bilanz: 91:447 Tore in den vergangenen fünf Saisons. In dieser Spielzeit mussten die Gransebiether zehn Spiele lang auf den ersten Treffer warten.

Gebäude und Plätze abrissreif

Nicht nur spielerisch ist der Glanz alter Tage, in denen der Klub aus der 600-Seelen-Gemeinde den Verbleib in der vierthöchsten DDR-Liga packte, längst verflogen. Der Putz am Vereinsheim bröckelt nicht mehr ab, denn es gibt ihn kaum noch an den Wänden. Und der Hauptplatz ist im Sommer ein Bienen-Eldorado aus wildwachsenden Blumen und Sträuchern. Auf dem Nebenplatz, auf dem der SVG trainiert und spielt, wechseln sich zumindest ab und zu braune Erdstreifen mit grünen Rasenfetzen ab. Ruht der Trainings- und Spielbetrieb, erscheint das Vereinsgelände wie vor Ewigkeiten verwaist.

Und doch gibt der eingeschworene Gransebiether Haufen nicht auf. Viel mehr, er erwacht zu neuem Leben. „Das ist eine strukturschwache Region. Wir sind das letzte Licht, das leuchtet“, beschreibt Eric Kerkow die Situation. Der SV 1950 ist in einen rund 190 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Grimmen, Tribsees und Nossendorf, das weitläufiger ist als die größte Stadt von MV, der einzige Sportverein. „Deshalb wollen wir das hier aufrecht erhalten“, meint Kerkow.

Neues Personal weckt neue Hoffnung

Dazu soll es nun vorangehen, es herrscht Aufbruchsstimmung. „Der jetzt-muss-was-passieren-Moment war schon lange da. Aber wir sind nicht aus dem Knick gekommen. Mit den Personalzusagen ist die Hoffnung zurück“, sagt Präsident Andreas Neetz. Eine handvoll Kicker aus der Region haben versichert, sich dem SVG in der anstehenden inter- oder der kommenden Sommerpause anzuschließen.

Die angekündigte Verstärkung hat das Feuer in Gransebieth neu entfacht. „Wir brauchen einen vernünftigen Platz. Wir müssen den Spielern ordentliche Bedingungen bereitstellen“, meint Kerkow. Der Hauptplatz soll wieder in Schuss gebracht werden. Erste Maßnahme: Ein Schutzzaun gegen die Maulwürfe. Die bereiten den Dorffußballern nämlich große sorgen. Der derzeitige Spielplatz wird regelmäßig von ortsansässigen Bauern geschleppt, manchmal kommt neuer Mutterboden drauf. „Aber das reicht hinten und vorne nicht. Vor zwei Jahren war der Platz relativ eben, jetzt sind wieder große Wellen drin“, erklärt Neetz.

Ein gerader Platz hat Priorität

Deshalb hat der Kampf gegen die Maulwürfe Priorität. Zudem bräuchten die Straßenlaternen, die als Beleuchtung um dem Platz stehen, neue Glühbirnen. Ganz zu schweigen von einem kompletten Make-over des Vereins- und Umkleidegebäudes. Für alle anfallenden Reparaturen fehlt jedoch das Geld beim Verein, der nicht ganz 30 Mitglieder hat. Allein der Maulwurfszaun verschlingt einen hohen vierstelligen Betrag. Erste Einladungen an Sponsoren hat der Vorstand bereits ausgesprochen. Auch die Gemeindevertretung zeigt sich seit dem Bürgermeisterwechsel wieder interessiert am Aufleben des SV Gransebieth.

Der Verein hofft nun auf finanzielle Hilfe, um das erste Vorhaben umsetzen zu können. Diese Hoffnung hält die krisenerprobte Mannschaft am Leben. Andere Verein hätten womöglich längst die Reißleine gezogen und ihr Team abgemeldet. „Ein Jahr Pause? Kannste vergessen! Die Spieler gehen woanders hin und kommen nicht wieder. Einmal abmelden und der Ofen ist endgültig aus“, weiß Präsident Neetz. Das Durchhaltevermögen wird honoriert. „Die Gegner sagen: Gut, dass ihr noch da seid. Respekt, dass ihr weitermacht“, erzählt Neetz, der notgedrungen selbst die Töppen schnürt.

Seine Visionen für die Zukunft des SV 1950 sind bescheiden. „Mal gewinnen wäre schön“, lacht Neetz und denkt noch einmal nach: „Eine Jugendmannschaft aufbauen. Aber davon sind wir meilenweit entfernt.“ Doch mit der Gransebiether Beharrlichkeit und externer Hilfe könnte auch das irgendwann Wirklichkeit werden.

Das Aktionsbündnis #GABFAF setzt sich für den Amateurfußball ein. Wer die Idee

unterstützen möchte, kann sich auf gabfaf.de/supporter eintragen. Vereine können sich auf gabfaf.de/vereinskasse um Zuschüsse bewerben.

Von Horst Schreiber

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