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Fussball regional Trotz Termin-Ärger: Stralsunder Wildcats springen an Zweitligaspitze
Sportbuzzer Fußball Fussball regional Trotz Termin-Ärger: Stralsunder Wildcats springen an Zweitligaspitze
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17:16 02.12.2019
Die Ersatzspielerinnen der Stralsunder Wildcats bejubeln einen Punkt gegen RPB Berlin und zeigen die Richtung an, in die es für die Volleyballerinnen derzeit geht: nach oben Quelle: Foto: FarbSpielFotografie/André Gschweng
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Berlin

„Mission Tabellenführung erledigt“ titelten die Stralsunder Volleyballerinnen am Sonntag auf ihren Social-Media-Kanälen. Nach zwei vor allem in den Crunchtimes überragenden 3:0-Siegen bei RPB (25:20, 25:10, 25:18) und VCO Berlin (26:24, 25:21, 25:22) grüßen die Wildcats erstmals seit November 2017 von der Spitze der 2. Bundesliga Nord. Eine tolle Momentaufnahme, die beim ehrgeizigen Trainer aber noch keine Euphorie weckt. „Es ist angenehm zu wissen, dass wir bei einer eventuellen Schwächephase nicht komplett abstürzen. Zudem ärgern wir mit jeder weiteren Woche da oben die anderen Spitzenteams“, lautete das doch eher nüchterne Fazit von André Thiel angesichts der komfortablen Situation seines Teams. Die Wildcats haben bei zwei weniger absolvierten Partien einen Punkt Vorsprung vor Verfolger BBSC Berlin (19) und vier Zähler Abstand auf den Dritten, Skurios Volleys Borken (ein Spiel mehr).

Spielverzögerung bringtTrainer in Rage

Thiel wurmten auch Stunden nach dem erfolgreichen Wochenende noch die Ansetzungen des Doppelspieltages. Die Partie gegen RPB Berlin am Sonnabend verzögerte sich um mehr als eine Stunde, da das vorher auf dem Feld ausgetragene Zweitligaspiel der Männer mit fünf Sätzen 2:13 Stunden dauerte. Schon die Terminierung der Spiele um 17 Uhr (Männer) und 19 Uhr (Frauen) war selbst bei einem schnellen 3:0-Spiel utopisch, da den Teams in der Aufwärmphase eine Stunde auf dem Spielfeld zustehen.

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„Das ist eine Farce!“, ärgerte sich Thiel und holte aus: „Obwohl die Startzeit von vornherein unrealistisch war, mussten wir ja für einen möglichen Beginn um 19 Uhr bereit sein. Wir standen also ab 16.30 Uhr in der Halle, haben uns warm gemacht und gewartet. Diese Situation hatten ja beide Teams. Aber ich verstehe die Genehmigung der Ansetzung nicht.“

Vertreter der Volleyball-Bundesliga waren für eine Stellungnahme zum Ansetzungsplan nicht zu erreichen. Der 1. VC Stralsund hat bereits einen Bericht ihrer Sichtweise an den Verband geschickt. Ursprünglich war das Spiel gegen RPB um 18 Uhr in der heimischen Sporthalle im Bezirk Lichtenberg angesetzt – ohne Verzögerung durch vorherige Spiele. Doch die Halle ist derzeit nicht bespielbar, sodass die Partie ins Sportforum nach Hohenschönhausen verlegt worden war, in der auch die VCO-Teams spielen.

Die grobe Verzögerung erschien den Stralsundern vor allem mit Blick auf das Spiel am Sonntag gegen VCO Berlin um 13 Uhr inakzeptabel. Die Wildcats waren erst Sonnabendnacht gegen halb zwölf in ihrem Hotel. „Das ist mit leistungsorientiertem Sport eigentlich nicht zu vereinbaren. Da herrschten am Sonntag keine fairen Bedingungen mehr“, kritisierte Thiel. „Gott sei dank hat sich das nicht gerecht.“

Sechs Sätze, sechs Punkte

So rechnete der Übungsleiter seinen Volleyballerinnen die beiden Siege im Schnelldurchlauf noch höher an. Gegen RPB erarbeiteten sich die Stralsunderinnen in einem knappen ersten Durchgang vier Satzbälle, von denen der erste verwandelt wurde. Ab Mitte des zweiten Satzes schien die Gegenwehr gebrochen. Die Wildcats zogen von 9:4 auf 21:9 davon. Auch im finalen Satz erspielte sich die Thiel-Truppe schnell eine komfortable Führung (10:4, 16:10). „Das haben wir überragend gemacht“, lobte der Trainer. Trotz kurzer Regenerationszeit vor Augen und guten Spielphasen schonte Thiel seine Spielerinnen nicht, wechselte nur sporadisch. „Es lief sehr gut. Und wir wollten vermeiden, uns am Sonnabend unnötig ein Bein zu stellen“, erklärte Thiel, der am Sonntag gegen den VCO mehr rotierte.

Denn die Belastung vom Vortag habe er seiner Mannschaft angemerkt. „Es war klar, dass wir etwas langsamer waren.“ Die etwas müden Wildcats mussten sich ganz schön strecken, um den vierten 3:0-Sieg im achten Spiel einzufahren. Im ersten Satz wehrten sie zwei Berliner Satzbälle ab. Im zweiten Durchgang verspielten sie beinahe eine zwischenzeitliche 19:15-Führung. Und im dritten Abschnitt drehten sie mit einer Energieleistung einen 19:22-Rückstand zum Satz- und Spielgewinn. „Vom Ergebnis total top – eine überragende Ausbeute, vom Spielerischen eher naja“, kommentierte Thiel das Spiel.

Kurze Pause vor Premiere

Gestern durften die Wildcats durchschnaufen, sie sollten lediglich Büro- oder Hörsaal-Alltag aus den Gliedern bekommen. Ab heute Abend geht es mit neuer Power in das anstehende Spiel gegen BSV Ostbevern. Die Stralsunderinnen treffen zum ersten Mal überhaupt auf den Aufsteiger.

Wer den neuen Spitzenreiter, der das beste Satzverhältnis aller Frauen-Zweitligisten aufweist, am Sonnabend live erleben möchte, kann sich am Mittwoch zwischen 17 und 19 Uhr in der Diesterweghalle, telefonisch (0176/74204888) oder per E-Mail an karten@stralsunder-wildcats.de Karten für das Heimspiel am Sonnabend sichern.

Von Horst Schreiber