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Fussball regional Stephan Malorny sauer: Sind nicht der Ausbildungsverein für Doberan!
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Wechselstrteit zwischen FC Förderkader und Doberaner FC

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12:17 11.05.2020
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Rostock/Bad Doberan

Es herrscht Krach auf dem ohnehin schon wilden Transfermarkt in MV! Fußball-Verbandsligist FC Förderkader René Schneider wirft im Zuge der Wechsel zweier Spieler zum Doberaner FC dem Landesligisten Unsportlichkeit vor.

Der DFC hätte die Chance der Ungewissheit im Amateurfußball, die die Corona-Pause hervorgerufen hat, genutzt, um sich mit Spielern zu bereichern, lautet der Vorwurf, den der Förderkader erhebt. Konkret geht es um die Umschiffung der Ausbildungsentschädigung beziehungsweise das Ausnutzen der Saisonunterbrechung zum Aussitzen der sechsmonatigen Sperrfrist.

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„Nicht die Wechsel an sich, sondern der Fakt, die coronabedingte Spielpause zu nutzen, um die Spielordnung auszuhebeln, ist eine Schweinerei“, wettert Stephan Malorny, sportlicher Leiter und Männer-Trainer des Vereins.

Beim DFC ist sich Trainer Ronny Susa keiner Schuld bewusst „Wenn ich die aktuelle Situation zum Vorteil meines Vereins nutzen kann, muss man auch sehen, dass der Förderkader es verpasst hat, sie für sich zu nutzen. Ich kann Spieler ansprechen und zu einem Wechsel bewegen, wann ich möchte.“

Der Zwist hat eine Vorgeschichte: Der Doberaner FC hatte sich in den vergangenen Wochen um die Rostocker Florian Jahns und Kevin Gildemeister bemüht. Beim FC Förderkader hatte der DFC, laut Malorny, aber nicht angeklopft. „Ich hätte zumindest erwartet, dass sie uns kontaktieren.“

Der Förderkader verweigert seinen eigenen Talenten seit zwei Jahren grundsätzlich die Freigabe. Daher stellt der FCF Jahns und Gildemeister bislang nicht frei. „Zu oft haben sich andere Vereine an unserem sehr guten Nachwuchs bedient“, erinnert sich der Trainer.

So platzte beispielsweise der angedachte Regionalliga-Aufstieg der U19 nach dem Meistertitel 2017, weil unter anderem Oberliga-Klubs die Juniorenspieler lockten. „Von 16 Spielern aus dem 99er-Jahrgang habe ich noch einen“, klagt Malorny. Er gesteht aber auch: „Wir waren selbst schuld. Wir haben sie damals ablösefrei ziehen lassen. Unsere Spieler haben keine Verträge. Wir zahlen ihnen nichts. Das Geld stecken wir lieber in die Nachwuchsarbeit.“

Die Ausbildungsleistung will der FCF nun wertgeschätzt wissen. Ma­lorny forderte vom Doberaner FC eine Entschädigung für Jahns und Gildemeister, die bei einer Nicht-Freigabe eines Spielers fällig wird. „Wir sind nicht der Ausbildungsverein für den Doberaner FC! Der möchte nun von unserem Nachwuchs profitieren.“ Die Doberaner reagierten mit Unverständnis. Malorny erzählt, das sich DFC-Vize André Behrens am Telefon echauffiert habe. Die Rostocker wären verhandlungsbereit gewesen.

Die Doberaner zahlen aber „grundsätzlich keine Ablöse“ (Susa). Zudem hält der Doberaner dagegen: „Wir sind die Letzten, die einem Wechsel von unserem Verein zum FC Förderkader im Weg stehen. Das ist in der letzten Zeit auch schon oft genug passiert. Aber beim jüngeren Nachwuchs, der noch nicht so stark im Fokus steht.“

Kurz nach der Entschädigungsforderung flatterten am 20. und 21. April die Vereinsabmeldungen von Jahns und Gildemeister zum 1. April, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die Saison noch nicht für beendet erklärt worden war, in den Förderkader-Briefkasten. „Normalerweise würde insbesondere Kevin Gildemeister einen Teufel tun, sich jetzt abzumelden. Er ist unumstrittener Stammspielern – als einer der jüngsten im Team“, erklärt Malorny. Der Trainer ist sicher: „Der DFC hat die Spieler aufgefordert, sich jetzt abzumelden, damit sie im September wieder spielberechtigt sind."

Das letzte Pflichtspiel bestritt der Förderkader am 7. März. Dementsprechend hätte Gildemeister seine Sperre bereits am 7. September abgesessen und wäre für den DFC ohne Entschädigung einsatzbereit.

Ronny Susa widerspricht vehement: „Für mich stand fest, dass die Saison nicht beendet wird. Deswegen ist es für mich irrelevant, wann sie sich abmelden. Wir haben beiden Spielern die Möglichkeit gegeben, weiter beim FC Förderkader zu trainieren und die Saison zuende zu spielen, sollte sie fortgesetzt werde.“ Dabei weist er auch darauf hin, dass Florian Jahns in diesem Jahr noch kein einziges Spiel absolviert hat (stand in zwei von drei Partien im Kader) und es somit nicht auf den Zeitpunkt der Abmeldung ankommen würde.

Einer der Spieler, der aber nicht genannt werden will, zeigte Verständnis für die Forderung nach Entschädigung. Er hätte sich dennoch die Freigabe gewünscht. Susa hatte den beiden Spielern nach eigenen Angaben offen gelassen, ob sie die Saison beim FC Förderkader beenden wollen. Gildemeister und Jahns hatten sich nach der verwehrten Freigabe entschieden, nicht mehr für die Rostocker aufzulaufen, den Verein sofort zu verlassen.

Der Verband hat unabhängig vom Streit zwischen beiden Vereinen mittlerweile reagiert. Die jüngste Anpassung der Spielordnung vom 5. und 7. Mai sieht vor, dass die sechsmonatige Sperrfrist entsprechend des offiziellen Saisonendes verschoben wird. „Für die Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021 gilt, dass Zeiträume, in denen aufgrund der Covid-19-Pandemie kein Spielbetrieb durchgeführt wird, bei der Berechnung des 6-Monats-Zeitraums nicht berücksichtigt werden“, heißt es auf der Verbandswebsite.

Zwar regelt dieser Zusatz das Problem der Sperrfrist, für die Streitigkeiten auf dem Transfermarkt kam die Regelung aber zu spät. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, hadert Malorny.

Von Horst Schreiberund Niklas Kunkel

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