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Fussball regional Wenn Spielberichte Kultstatus erreichen
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13:56 24.12.2018
Tino Bellin, Clemens Helm und Chris Tanschus (v.l.) schreiben die spitzfindigen Fußballberichte des Velgaster SV. Quelle: FOTO: Horst Schreiber
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Velgast

Gandalf der Weiße, William Wallace oder Jesus – wenn es darum geht, der treuen Velgaster Fangemeinde die kommende Partie des VSV schmackhaft zu machen, schlüpft Trainer Harald Kuhn mitunter in die verschiedensten Rollen. Da werden auch schon mal Anekdoten des Übungsleiters mit den Eigenheiten eines weisen Zauberers aus der Filmreihe Herr der Ringe, eines mutiges Kriegers aus Brave­heart oder der Gefolgschaft um den jüdischen Wanderprediger verbunden. Die Spielankündigungen und -berichte, die der Kreisoberligist auf Facebook veröffentlicht, genießen mittlerweile Kultstatus – weit über den lokalen Fußball hinaus.

Verantwortlich dafür sind Tino Bellin, Chris Tanschus und Clemens Helm. Letzterer unterzeichnet die Posts stets mit „Euer Helm“. „Irgendwer muss den Ärger ja abbekommen“, lacht der Velgaster. Seit vier Jahren überlegt sich das Trio nach jedem Donnerstagstraining Motto und Inhalt für den anstehenden Wochenendfight. „Wir wollten keine langweiligen Zwei-Seiten-Berichte schreiben. Also haben wir überlegt: Was machen wir?“, erzählt Tanschus. Herausgekommen sind die wohl sarkastischsten Fußballtexte im Land.

Zentrales Thema neben der Liebe zum Bier, das bei den Velgaster Freizeitkickern einfach zum Sport dazugehört, sind die sportlichen Heldentaten und besten Sprüche des Trainers. „Es bietet sich einfach an, Harry (Harald Kuhn/Anm.d. Red.) zu parodieren, weil ihn jeder in MV kennt. Aber wir veräppeln auch Spieler, die hier gar nicht mehr spielen“, erzählt Bellin. Stets sitzen Spieler, Funktionäre und Fans nach Heimspielen bis spät in die Nacht am gelb-blau gestrichenen Stammtisch der Vereinskneipe an der „Pfeffi-Hochburg“ Rudolph-Harbig-Stadion und werten die Spielgeschehnisse aus. Manchmal „versacken“ auch die Gegner bei den gastfreundlichen Velgastern. Dabei entstehen schon die nächsten Ideen für die Facebook-Berichte.

Und die kommen bestens an: Fast 900 Fans hat der VSV bereits auf der Social-Media-Plattform. Als Helm 2014 die Betreuung der Seite übernommen hatte, waren es gerade einmal 200. „Unser Ziel ist es, mehr Likes zu bekommen als 1860 Stralsund“, berichtet Tanschus. Dann wäre der VSV der beliebteste Fußballverein im Landkreis. Dafür fehlen aber noch etwas mehr als 400 Follower.

Feedback bekommen die Macher von allen Seiten. „Überall wird man angesprochen: ,Das ist ja geil, wer schreibt das?’ Manchmal rufen mich Leute sogar an und fragen: ,Du, Harry, wo bleibt euer Vorbericht?’“, verrät Kuhn, der schon 33 Jahre beim VSV ist. Als Highlights bezeichnen Helm, Tanschus und Bellin die vierteljährlichen Fotomontagen. Die, auf denen Trainer Kuhn und andere Akteure in ihre glorifizierten Rollen schlüpfen. Einen Lieblingsbeitrag haben die Drei auch: „Das Brave­heart-Thema“, antworten sie nach kurzem Überlegen im Chor. „Das fühlen wir am meisten. Das ist unser Leben – für den Spaß am Fußball zu kämpfen.“ In dem Post vom 9. November 2017 wird die filmisch inszenierte Schlacht zwischen England und Schottland auf das Fußball-Derby gegen die SG Empor Richtenberg – dem bevorzugten „Feindbild“ der Velgaster – projiziert und für „Spaß und Freiheit am Amateurfußball“ eingestanden (siehe Bild unten).

„Der Spaß an den Berichten steht im Vordergrund. Manche gehen natürlich auf den blanken Haken“, bestätigt der Trainer. „Wir freuen uns über getroffene Hunde“, ergänzt Bellin grinsend. Dass die eingebauten Nickligkeiten mit Humor und Selbstironie des „Betroffenen“ hingenommen werden müssen, ist nicht überall angekommen. „Wir sind nicht unter der Gürtellinie, weil man uns mit viel Sarkasmus lesen muss“, betont Tanschus. „Was wäre eine neue Saison in Velgast ohne neue Trikots ? Richtig – eine Richtenberger Saison“, heißt es beispielsweise in einem Post.

Landwirtschaftsmesse, Country-Musik-Konzert, der Supermarkt nebenan – es gibt kaum ein Thema, das die Velgaster nicht aufs Korn nehmen. „Außer Politik. Die hat im Sport nichts zu suchen“, findet Bellin. Das führt bereits zu Nachahmern: Rivale SV Niepars und die SG Wöpkendorf versuchen sich an ähnlich spitzzüngigen Texten. Für Helm, Tanschus und Bellin ist das die größte Bestätigung ihrer kreativen Arbeit.

Horst Schreiber

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