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Sportbuzzer Griffins müssen sich über Wasser halten
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Griffins: Saisonstart im September mit neuer Liga-Struktur?

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17:48 25.05.2020
Die GFL-II-Saison der American Football könnte im September mit einer geteilten Staffel in reduzierter Form starten. Die Rostock Griffins (r.) und die Lübeck Cougars dürften dann wieder aufeinander treffen. Quelle: Gunnar Rosenow
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Rostock

Für Jens Putzier und seine Rostock Griffins wären es vermutlich die aufregendsten Wochen der Football-Saison 2020 gewesen. Doch anstatt sich gegen den Rivalen Lübeck Cougars zu behaupten oder Mitte Juni das dritte Mal in der Vereinsgeschichte im traditionsreichen Ostseestadion aufzulaufen, müssen die American Footballer wegen der Corona-Krise weiterhin auf ihren ersten Einsatz in der GFL II warten.

Noch bis September sollen die braunen, eiförmigen Bälle verstaut bleiben. Ab dann plant der AFVD, der zuständige Football-Verband, eine Mini-Saison inklusive der Aufstiegsspiele bis Ende Oktober. „Vereine und Ligen, insbesondere die GFL, werden alles daran setzen, dass die Spielerinnen und Spieler, die spielen wollen, dies dieses Jahr auch können“, sagte Carsten Dalkowski vom AFVD über deren Homepage.

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Griffins-Klubchef Jens Putzier kann der Idee nicht allzu viel abgewinnen. „Ich habe das Gefühl, dass es darum geht, die Beitragszahlungen der Klubs an den Verband zu rechtfertigen. In dieser Form macht es aber wenig Sinn zu spielen. Lieber machen wir Testspiele innerhalb unseres Bundeslandes“, mahnt der Vorstandsvorsitzende.

Die eigentliche Staffel mit acht Teams könnte laut AFVD in zwei Gruppen zu je vier Mannschaften aufgeteilt werden, die dann in Hin- und Rückspielen aufeinander treffen. Absteiger soll es keine geben, aber die Meister können selbst entscheiden, ob sie aufsteigen wollen. Gegner für die Greifen wären dann die Berlin Adler, die Lübeck Cougars oder die Hamburg Huskies. Eine Entscheidung über dieses oder andere Spielplan-Modelle soll am Sonnabend bei einer Videokonferenz aller Erst- und Zweitligisten (32 Teams) gefällt werden.

Für die Ostseestädter hätte der AFVD-Vorschlag Konsequenzen. „Wir würden uns keine Importspieler aus dem Ausland dazuholen, sondern überwiegend mit unseren Eigengewächsen aus Rostock und der Umgebung spielen, sofern alle Positionen entsprechend besetzt sind. So könnten sie wichtige Spielzeit auf Top-Niveau erhalten“, blickt Putzier voraus.

Doch ob diese Lösung mit sechs Duellen im Herbst sinnvoll ist, hängt davon ab, ob das Leichtathletik-Stadion als Heimspielstätte überhaupt zur Verfügung steht und wie viele Fans tatsächlich zugelassen würden. „Wir brauchen mindestens 500 zahlende Unterstützer bei unseren Heimspielen, um die Partie kostendeckend zu veranstalten, aber auch um die nächste Auswärtsfahrt gestemmt zu bekommen“, zeigt Ex-Footballer Putzier auf. Einnahmen, an die die Griffins derzeit aber noch keine Gedanken verschwenden.

„Zunächst geht es darum, sich über Wasser zu halten“, betont Jens Putzier, dessen Verein sich wie viele andere Klubs im Land in finanzieller Schieflage befindet, von Zahlungsunfähigkeit aber noch nicht bedroht ist. „Wir konnten durch Beantragung von Kurzarbeitergeld, eigenen Aktionen wie zum Beispiel dem Ausverkauf des Fanshops oder dem Verkauf von Geistertickets für das geplante Spiel im Ostseestadion (13. Juni) Einbußen abmildern. Allerdings wissen wir schon jetzt, dass sich unser Etat um etwa 60 Prozent verringern wird“, rechnet Putzier vor.

Das liegt auch an einem verkleinerten Sponsorenpool. Einige Partner stiegen pandemiebedingt frühzeitig aus den Verträgen aus, andere machen es vom Spielbetrieb abhängig. „Wir haben volles Verständnis für die Situation. Dennoch hoffen wir natürlich, dass alle weiteren Partner ihre Zusagen einhalten können und unseren Griffins treu bleiben“, so Putzier.

Schon im April gründete er als Vertreter der Footballer gemeinsam mit namhaften Profi-Teams wie den Rostock Seawolves oder dem SSC Palmberg Schwerin das Bündnis Team Sport MV. Ziel der Initiative ist es, die (Spitzen-) Sportkultur im Land zu erhalten, Arbeitsplätze zu bewahren und die Nachwuchsarbeit erfolgreich fortzuführen.

Von René Warning