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Sportbuzzer Rad-Ass Lea Friedrich aus Dassow: Vom Krankenbett zu WM-Gold
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12:12 21.10.2021
Freuen sich über WM-Gold im Teamsprint: Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich (v.l.).
Freuen sich über WM-Gold im Teamsprint: Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich (v.l.). Quelle: Thibault Camus/dpa
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Roubaix

Diese Frau ist nicht zu stoppen. Lea Friedrich legte bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft in Roubaix (Frankreich) einen Traumstart hin und sicherte sich am Mittwochabend mit Emma Hinze und Pauline Grabosch zum Auftakt Gold im Teamsprint. „Das war mega überraschend, wir haben uns so riesig gefreut“, sagte die 21-jährige Mecklenburgerin am Morgen danach der OSTSEE-ZEITUNG. Auf dem Weg zum WM-Triumph stellte das deutsche Trio drei Weltrekorde auf – und das obwohl die Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt alles andere als optimal verlief.

„Ich war ein Woche im Bett, habe flachgelegen, war richtig krank“, sagt Lea Friedrich, die nach ihrer EM-Gala mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen in der Schweiz bei der WM in Nordfrankreich völlig unbeeindruckt weiter in der Erfolgsspur fährt. Was umso erstaunlicher ist, weil auch Emma Hinze vor den Titelkämpfen angeschlagen war.

„Es hat einfach funktioniert“

„Wir hatten den Teamsprint auch nie zusammen geübt. Wir haben uns die Konstellation ausgerechnet, wie es am schnellsten sein könnte, zum Glück hatten wir Recht. Es hat einfach funktioniert, als hätten wir es schon zehn Mal geübt“, strahlte Lea Friedrich. Im Teamsprint fahren neuerdings nicht mehr zwei, sondern drei Frauen. In der Besetzung Hinze, Friedrich und Grabosch war das Team vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erstmals unterwegs.

Ihr Coach war überglücklich. „An drei Weltrekorde war in den kühnsten Träumen nicht zu denken!“, schwärmte der scheidende Bundestrainer Detlef Uibel, der nach dem Triumph sein Handy zückte und pausenlos Fotos vom Siegertrio machte. Die Aussichten, dass gerade das Frauen-Team weitere Medaillen holt, sind gut. „Was gibt es Schöneres, als mit einem WM-Titel und drei Weltrekorden aufzuhören?“, fragte Uibel, nachdem Hinze, Friedrich und Grabosch die Bestmarke im Vélodrome dreimal nacheinander verbessert hatten.

Ritual mit Regenbogentrikots

Der goldene Auftakt war für das Trio dennoch kein Grund, sich im Teamhotel ein Gläschen Sekt zu gönnen. „Wir sind gar nicht so, dass wir anstoßen“, sagte Emma Hinze, und Lea Friedrich ergänzte: „Wir trinken eigentlich keinen Alkohol.“ Als Ritual wollte das dekorierte Trio stattdessen die Regenbogentrikots feierlich im Zimmer aufhängen.

„Schon beim ersten Weltrekord haben wir uns riesig gefreut. Dass wir ihn insgesamt drei Mal toppen konnten, ist Wahnsinn. Die Zeit von 46,0 Sekunden ist schon eine Ansage “, meinte Lea Friedrich am Donnerstag nach einer Nacht mit nur wenig Schlaf. „Ich bin sehr müde. Ich habe schlecht geschlafen, weil ich noch sehr aufgeregt war. So einen Weltmeistertitel zu gewinnen, das muss man erst mal verdauen.“ Sie fühle sich „noch nicht mega regeneriert, aber ich denke, ich kann jetzt positiv in die Quali reingehen und freue mich darauf“, sagt sie mit Blick auf den am Freitag anstehenden Sprint.

Hoffen auf weiteres Edelmetall

Die Freude an ihrem rasanten Sport, gepaart mit maximaler Lockerheit, ist in diesem Jahr das Erfolgsrezept der jungen Frau aus Dassow, die vor kurzem vom Stützpunkt Schwerin nach Cottbus gewechselt ist. Wenn ihre Gesundheit weiter mitspielt, muss die Teamsprint-Goldmedaille nicht ihr letztes Edelmetall in Roubaix bleiben. Allerdings müsse sie „wirklich aufpassen, dass ich es nicht übertreibe. Ich muss mich jeden Tag gesundheitlich kontrollieren lassen ob es geht oder nicht. Am Mittwoch ging es mir super, ich hatte keine Probleme mit Atemnot oder so“, erklärte Lea Friedrich, die neben dem Sprint auch am Sonntag im Keirin starten möchte. „Man wird sehen, was für mich noch drin ist. Ich habe einfach Spaß am Radfahren und freue mich auf jeden Wettkampf.“

Und davon stehen für die Ausnahmesprinterin auch nach der Weltmeisterschaft noch einige in ihrem Kalender. Für Lea Friedrich geht es dann weiter mit der neu ins Leben gerufenen UCI Track Champions League, die Anfang November auf Mallorca startet. Es folgen weitere Runden in Paris, London und Litauen. Die Serie endet Mitte Dezember in Tel Aviv.

Von Sönke Fröbe