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Boxen Hauen und Stechen im Boxverband
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00:00 16.02.2016
Er war sieben Jahre lang als Box-Landestrainer tätig: Christian Morales (35), hier bei einem Besuch in Rostock. Quelle: Stefan Ehlers
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Rostock

Die Sportler nehmen Kurs auf Rio, der Ausbau des Stützpunktes ist beschlossen, die Mitgliederzahlen steigen ständig — auf den erste Blick herrscht eitel Sonnenschein in der Box-Hochburg Schwerin. Doch hinter den Kulissen gab es ein Hauen und Stechen. Landestrainer Christian Morales verlor nach sieben Jahren seinen Job. Jugendwart Ralf Grabow trat zurück.

Morales stolperte über eine Nebentätigkeit. Er ist Mitgesellschafter der in Hamburg ansässigen Agentur „m-Fights Consulting“ — zusammen mit seinem Cousin Raiko Morales. Die Firma hat Veranstaltungen wie die APB-Kämpfe von Weltmeister Artem Harutyunyan mitorganisiert und steht Sportlern beratend zur Seite. Dabei geht es nicht nur um Verhandlungen von Gagen. „Die Idee der Firma ist, die Sportler außerhalb des Trainings- und Wettkampfbetriebes so zu unterstützen, dass sie sich voll auf den Sport konzentrieren können. Wir haben beispielsweise Peter Kadiru beim Ausfüllen der Bafög-Anträge geholfen“, erzählt der 35-jährige Morales.

Das Engagement für die Boxer sei bislang komplett provisionsfrei und vom Deutschen Boxsport-Verband legitimiert gewesen, versichert der geschasste Coach. Im Landesverband wurde Morales‘

nebenberufliche Tätigkeit als unzulässig bewertet. „Er hatte zwei Seelen in seiner Brust und dadurch viel Unruhe reingebracht. Teamarbeit bedeutet, dass man sich ein- und unterordnen muss. Dagegen hat er rebelliert“, sagt Ralf Ruhnau, Präsident des Boxverbandes MV. Der Landessportbund (LSB) als Morales‘ Arbeitgeber wurde eingeschaltet. „Wir wurden aufgefordert, arbeitsrechtliche Schritte einzuleiten“, bestätigt LSB-Geschäftsführer Torsten Haverland.

Morales wurde mit Verweis auf das gestörte Vertrauensverhältnis freigestellt. Der Trainer zog vors Arbeitsgericht — mit Erfolg. Die außerordentliche Kündigung wurde zurückgenommen. Beide Parteien einigten sich auf eine einvernehmliche Trennung. Morales erhielt eine Abfindung.

„Natürlich bin ich extrem traurig und enttäuscht. Für mich war wichtig, dass die Jungs vorankommen und optimal betreut werden. Mein Ziel war, jemanden zu Olympia zu bringen. Das haben wir mit Artem (Harutyunyan/d. Red.) geschafft“, sagt Morales, der von einem „gestörten Arbeitsklima“ innerhalb des Trainerteams spricht.

Vor allem mit Sebastian Zbik und Andy Schiemann habe es immer wieder Reibungspunkte in der Auffassung von Training und der Betreuung von Sportlern gegeben. „Sicherlich gab es Differenzen, aber das gehört im Trainergeschäft dazu“, sagt der frühere Profi-Weltmeister Zbik. „Wir haben aber zusammen gefrühstückt und uns unterhalten.“

Chefcoach Michael Timm (Morales: „Timmi ist für mich der beste Trainer in Deutschland“) spricht nicht von Spannungen, sondern von einem „Konkurrenzkampf unter Trainern“ — und der sei wichtig, betont der 53 Jahre alte Schweriner. Wie die OZ erfuhr, sprachen sich alle drei Trainer gegen eine Weiterbeschäftigung von Morales aus, dessen fachliche Qualitäten unbestritten sind. „Er hat gute Sachen gemacht und gute Leute geholt“, sagt Ruhnau.

Als Araik Marutjans Wechsel ins Profilager fast schon beschlossene Sache war, habe er ihn überzeugt, am Bundesstützpunkt zu bleiben, sagt Morales, der die Brüder Artem und Robert Harutyunyan, Albon Pervizaj, Peter Kadiru und Florian Schulz nach Schwerin holte. „Ich find‘s schade, dass er weg ist. Er ist ein sehr guter Trainer“, meint der Greifswalder Vize-Europameister Schulz.

Die Trennung von Morales war für Ralf Grabow (50) einer der Gründe, sein Amt als Jugendwart des Landesverbandes niederzulegen. „Christian ist ein Freund von mir. Ich wurde in meinem Tätigkeitsfeld beschnitten. Zudem gab es Dinge im Verband, die ich aus moralischen Gründen nicht mittragen konnte“, sagt Grabow. Details nannte der Stralsunder, der ebenfalls für „m-Fights Consulting“ beratend tätig ist, nicht. Das Amt des Jugendwartes übernimmt kommissarisch Dieter Breitenbach, Vizepräsident Sport.

Die Landestrainer-Stelle im Boxverband wird indes frühestens ab April neu besetzt. Als Kandidaten werden der Stralsunder Ralf Bünger und der WM-Dritte von 2003, Martin Dreßen, gehandelt.

Für Christian Morales geht es indes Schlag auf Schlag weiter. Der gebürtige Rostocker wird Sportdirektor des Hamburger Boxverbandes.

Dem unschönen Abschied aus Schwerin gewinnt Morales auch etwas Positives ab. „Das Kapitel hat mich weitergebracht.“ Er hofft, dass an seiner früheren Wirkungsstätte „alles gut wird und die Jungs Ruhe haben“.



Stefan Ehlers

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