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Sportmix Das Mahnmal der Marita Koch wird 30
Sportbuzzer Sportmix Das Mahnmal der Marita Koch wird 30
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00:22 05.10.2015
So freute sich Marita Koch am 6. Oktober 1985 in Canberra über ihren Traum-Weltrekord von 47,60 Sekunden. Quelle: Dpa, Imago
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Rostock

Marita Koch, weiße Hose, blaues Hemd, schlägt die Hände zusammen. Einmal. Zweimal. Sie schüttelt ungläubig mit dem Kopf, die braunen Locken wippen. 47,60 Sekunden. Über 400 Meter. Weltrekord. Einer für die Ewigkeit. Die wackligen Bilder vom 6. Oktober 1985 in Canberra werden jetzt 30 Jahre alt — und erzählen von einer anderen Zeit.

Dieser Weltrekord ist längst zu einem Mahnmal der Leichtathletik geworden. Unerreichbar und immer wieder mit dem systematischen Doping in der DDR in Zusammenhang gebracht.

„Viele meinen, etwas über mich aus irgendwelchen komischen Unterlagen zu wissen. Die belegen überhaupt nicht, was man wirklich gemacht hat“, sagte Koch, die seit ihrer Hochzeit mit ihrem damaligen Trainer Wolfgang Meier Meier-Koch heißt, einmal. Angeblich belegen Dokumente, dass Meier-Koch hohe Mengen des Anabolikums Oral-Turinabol zur Leistungssteigerung verabreicht bekommen hat. Doch in den in Bad Saarow — dem ehemaligen Zentrum der DDR- Sportmedizin — gefundenen Plänen musste jeder DDR-Spitzentrainer die ihm vorgegebenen Mengen an „unterstützenden Mitteln“ eintragen. Nicht jeder hat sie auch verabreicht, wie bespielsweise Wolfgang Meier.

Kein Wunder, dass Marita Meier-Koch, die insgesamt 17 Weltrekorde aufstellte, bestreitet, die unerlaubten Mittel geschluckt zu haben. Dieheute 58-Jährige spricht nur noch äußerst ungern über dieses Thema. Sie sei „immer clean“ gewesen, sagte die Olympiasiegerin von Moskau 1980, dreimalige Weltmeisterin und sechsmalige Europameisterin einmal. Als Medizinstudentin und mündige Athletin habe sie ja gewusst, „welche Nebenwirkungen auftreten können, wenn man die Mittel nimmt. Man hat versucht, sich dem zu entziehen, wie man konnte.“

47,60 Sekunden — diese Zeit lässt die aktuellen Sprinterinnen immer noch erschaudern. Es ist nach den 1:53,28 Minuten von Jarmila Kratochvilova (1983/Tschechoslowakei) über 800 m der zweitälteste Weltrekord der Leichtathletik-Geschichte. Nur neun Frauen sind je die 400 Meter in weniger als 49 Sekunden gelaufen. Meier-Koch schaffte das gleich fünfzehn Mal.

25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Meier-Koch im Osten noch immer eine Heldin, im Westen kennt sie kaum noch jemand. Sie stört sich am scheinheiligen Umgang mit dem Thema Doping. Nur der DDR-Sport werde in „die Schmuddelecke gestellt“, sagte sie bei ihrer Aufnahme in die Hall Of Fame des Weltverbandes IAAF vor einem Jahr. Und: „Gesellschaftlich tut es dem Sport nicht gut, dass man im Rückblick mit dem Finger auf die DDR zeigt und selbst versucht, vieles unter den Teppich zu kehren.“

„Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich nicht mehr zeigen konnte, dass ich sicher noch länger hätte vorn mitlaufen können — mit 48er und 47er Zeiten und mit doppelt und dreimal so viel Kontrollen“, sagte Meier-Koch, die ihre Karriere nach der EM 1986 abrupt beendete.



K. Stühm/b. Ehlers