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Sportmix Die Rückkehr der Stralsunder Handballer
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02:27 24.04.2014
Er hatte in dieser Saison mit dem Stralsunder HV oft Grund zum Jubeln: Linksaußen Erik Eggebrecht, hier im Derby gegen Usedom. Quelle: Hannes Ewert
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Stralsund

Norbert Henke sitzt an seinem Schreibtisch. Auf dem Laptop läuft Handball. Henke, Trainer und Geschäftsführer des Stralsunder HV, schaut sich den kommenden Gegner an:

den LHC Cottbus. Die Lausitzer sind am Sonnabend ab 18.00 Uhr in der Vogelsanghalle zu Gast. 1050 Zuschauer werden dabei sein. Ausverkauft — wie zu besten Erst- oder Zweitliga-Zeiten. Es geht um den Aufstieg. Der SHV kann den Sprung in die 3. Liga vorzeitig perfekt machen.

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Fünf Jahre nach der Insolvenz und dem Absturz in die vierte Liga ist es die Gelegenheit, „um in Handball-Deutschland wieder etwas mehr präsent und damit für die Sponsoren interessant zu sein“, sagt Henke, der bereits von 1987 bis 2005 als Trainer in Stralsund tätig war und den Verein von der fünften bis in die Bundesliga führte. Der gebürtige Stralsunder arbeitete danach bei den Zweitligisten Post Schwerin (2005-2010) und HC Empor Rostock (2011/2012) und war zwischenzeitlich auch als Immobilienmakler tätig, ehe er im vergangenen Sommer zum SHV zurückkehrte.

Es galt nur ein Ziel: Rückkehr in die dritte Liga. „Noch ein Jahr in der Oberliga würden wir nicht überstehen“, weiß Henke, dem ein 200 000-Euro-Etat zur Verfügung stand. Sparen war angesagt. Das Büro in der Barther Straße ist kostengünstig, lässt aber Publikumsverkehr nur begrenzt zu. Eintrittskarten werden über das OZ- Servicecenter verkauft. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft pokerte Henke bis zum Schluss. Den zweitligaerfahrenen Kroaten Marijan Basic holte er erst nach Saisonbeginn. Zweiter Ausländer im Team ist der Pole Aleksander Kokoszka. Die Aufstiegs-Mannschaft bleibt weitestgehend zusammen und soll nur punktuell verstärkt werden — „so gut und so preiswert wie möglich“, wie Henke betont. Gesucht werden ein Torhüter als Ersatz für den aus beruflichen und familiären Gründen scheidenden Maik Hintze und ein torgefährlicher Linkshänder.

Perspektivisch brauche der Verein Spieler aus den eigenen Reihen, sagt der 57-Jährige, der mehrmals wöchentlich zwischen seinem Wohnort Schwerin und seiner Geburtsstadt pendelt. Co-Trainer Danny Anclais und Kapitän Markus Dau gehen in die Schulen, um Kinder für Handball zu begeistern. Nach mehrjähriger Pause konnte der 522 Mitglieder zählende SHV diese Saison wieder eine A-Jugend ins Rennen schicken.

Nach der Pleite habe der Verein lange mit dem Image leben müssen, „dass wir das Geld sowieso nur verbrennen“, erzählt Henke, dem es gelang, verloren gegangenes Vertrauen wiederaufzubauen. „Wir werden zum 30. 6. eine schwarze Null schreiben“, sagt Henke.

„Seit Norberts Rückkehr ist der Trend positiv“, sagt Christian Büttner, Vorsitzender des 2003 gegründeten Fanclubs „De Stralsunner“ (41 Mitglieder). Henkes Vision ist klar: Er will den Verein zurück in die zweite Liga führen. „Das ist ein Anspruch, den man für Stralsund haben sollte“, sagt der 57-Jährige. Dann setzt er sein Videostudium fort.

SHV spielte zweimal in der 1. Bundesliga
Der Stralsunder Handball-Verein wurde am 29. Mai 1996 gegründet. 160 Mitglieder des TSV 1860 Stralsund (bis Juli 1990 BSG Motor) schlossen sich dem neu gegründeten Verein an. Zwei Jahre später feierte der SHV den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
2003 wurde der Traum von der Bundesliga wahr. Doch ein Punkt fehlte, um den Relegationsplatz zu erreichen. Vier Protagonisten von einst sind heute wieder für den SHV aktiv: Norbert Henke, Danny Anclais (damals Spieler, heute Co-Trainer), Kapitän Markus Dau und Physiotherapeut Jörg Schulz.
2008 folgte das zweite Wunder vom Sund — Aufstieg in die Bundesliga (mit Trainer Holger Schneider und den heutigen SHV-Spielern Martin Brandt und Benjamin Hinz). Doch der SHV war sportlich nicht konkurrenzfähig, erhielt zudem keine Lizenz, musste Insolvenz anmelden und stürzte am Ende in die vierte Liga ab.
522 Mitglieder, darunter 431 Jugendliche, zählt der SHV. 18 Mannschaften nehmen am Spielbetrieb teil — von der F-Jugend bis zu den Senioren. Zudem wurden die „Handballzwerge“ für die Drei- bis Fünfjährigen ins Leben gerufen.



Stefan Ehlers