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Golf Millionenspiel unter Gentlemen
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00:00 03.06.2017
Gespräch unter Champions in St. Leon-Rot (Baden-Württemberg): US-Profi Tiger Woods (41/links) hob den Golfsport in den vergangenen Jahren weltweit auf ein vorher nicht gekanntes Popularitäts- Level. Das begeistert auch Ex-Tennisstar Boris Becker (49), der ebenfalls gern golft.
Gespräch unter Champions in St. Leon-Rot (Baden-Württemberg): US-Profi Tiger Woods (41/links) hob den Golfsport in den vergangenen Jahren weltweit auf ein vorher nicht gekanntes Popularitäts- Level. Das begeistert auch Ex-Tennisstar Boris Becker (49), der ebenfalls gern golft. Quelle: Fotos: Dpa
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Rostock

Im englischen Wentworth kreidet sich der Südafrikaner Ernie Els dieser Tage beim Top-Turnier der European Tour zwei Strafschläge wegen einer möglichen Regelwidrigkeit an, die niemand bemerkt und er selbst lediglich vermutet hat. Zwei Wochen zuvor gewinnt der 21-jährige Si Woo Kim aus Südkorea das Pendant der amerikanischen PGA Tour und kassiert 1,89 Millionen Dollar Prämie für 278 Schläge, das sind rund 6800 Dollar pro Schlag.

Besser lassen sich die Gegensätze im Golfsport kaum verdeutlichen. Auf höchster Ebene wird jedes Wochenende das Geld mit der Schubkarre verteilt, und mitten in dem Millionenspiel zeigt jemand Ehrlichkeit und Anstand, selbst zu eigenem Schaden.

Golf ist halt ein Spiel voller Ambivalenzen: Es galt und gilt als Sport der Gentlemen, verdankt sein heutiges Dasein für weltweit knapp 60 Millionen regelmäßige Spieler indes jenen rauen Burschen, die im Schottland des 19. Jahrhunderts damit ihr Geld verdienten. Beim Schwung wird eine statische Haltung in größtmögliche Dynamik versetzt. Es geht darum, die „Murmel“ möglichst weit zu dreschen, doch wenn mit der Lebenszeit auch die Schläge kürzer werden, ist Golf immer noch ein anerkanntes wie vergnügliches Therapeutikum für Kopf und Körper. Ein Kompendium an Regeln versucht alle Unwägbarkeiten dieses Geländespiels zu erfassen, das jeder gemäß dem „Spirit of the Game“ zuvorderst selbst anwenden sollte. Andererseits oder genau deshalb wird nirgendwo so geschummelt wie beim Hobbygolf. Bälle werden heimlich in eine bessere Lage gekickt, schlechte Schläge fallen beim Bier nach der Runde einfach unter den Tresen.

Somit ist Golf gleichermaßen ein Charaktertest. Schon der Philosoph Platon befand: „Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.“ In den USA werden Aspiranten fürs höhere Management auf dem Platz examiniert: Wie geht das Ego mit gelungenen Schlägen und Triumphen um, wie mit Missgeschick und Frustration. Viele deuten Golf gar als Spiegel des Lebens – wegen der ständigen Herausforderungen durch Parcours und äußere Einflüsse, eigene Tagesform und mentale Befindlichkeit. Vor knapp hundert Jahren formulierte der legendäre US-Golfer Bobby Jones den simplen Leitsatz: „Spiel den Ball, wie er liegt.“

Das ist ohnehin Gesetz. Man hat es vor lauter Regulierungswut allerdings etwas aus den Augen verloren. 1744 wurden die ersten anerkannten Golfregeln schriftlich fixiert, 13 an der Zahl. Theoretisch würden die meisten davon bis heute reichen. Aber damals ging es noch nicht um Geld, sondern um silberne Ehrenzeichen – und um die Ehre. Dann entdeckten die britischen Herren von Stand das Wettpotenzial des Golfspiels. Zur Verstärkung holten sie Schlägerbastler und Platzpfleger ins Team, allesamt Künstler am Ball, oder ließen diese frühen „Golfprofessionals“ direkt in Schaukämpfen aufeinander los. Die Börsen waren horrend. Young Tom Morris, in den 1870er Jahren der Genius seiner Zeit, galt mindestens als wohlhabend. Dennoch blieben die Profis quasi Parias; sie waren Exoten, Gladiatoren. Bis Arnold Palmer kam. In den 1960er Jahren avancierte der hochverehrte, kürzlich verstorbene „King“ zum Idol und begeisterte die Amerikaner mit spektakulärer Spielweise. Nicht zuletzt dank des Fernsehens, das seit 1954 Turniere live übertrug und in Palmer, dem Everybodys Darling, ein ideales Testimonial fand. Gleichzeitig war er seit 1958 der erste professionell gemanagte Berufsspieler, warb für Schläger, Zigaretten oder Ketchup , wurde zum Katalysator der Golf-Kommerzialisierung.

Vergleichbare Impulse lieferte nur Tiger Woods. Der Aufstieg des Afroamerikaners ab 1996 zum Megastar pulverisierte die dogmatische Haltung der US-Golfinstanzen gegenüber ethnischen Minderheiten.

Gleichzeitig ließen Woods und der Hype um ihn Sponsorenzahlungen und TV-Quoten explodieren, mithin die Spielereinkünfte aus Preisgeldern sowie Ausrüstungs- und Werbehonoraren. Der Protagonist verdiente kräftig mit, zu Spitzenzeiten bis zu 80 Millionen Dollar per anno. Trotz anhaltender gesundheitlicher Krise wird der 41-Jährige mit einem Gesamtvermögen von etwa 740 Millionen Dollar noch immer als reichster Sportler der Welt taxiert.

In keiner Individualsportart kursiert so viel Zaster wie im Profigolf. Woods führt beim Karriere-Preisgeld mit 110 Millionen Dollar, selbst der 150. dieser Liste ist noch zehnfacher Millionär.

Heutzutage werden auf der US-Tour für 50 Turniere 342,1 Millionen Dollar ausgeschüttet. Dazu kommen Abermillionen, die in Beiwerk, Organisation und Wohltätigkeit fließen. Auf der European Tour sind es 205,6 Millionen Dollar bei 48 Turnieren.

Die Ladies können von solchen Summen allenfalls träumen. Auf der LPGA Tour, bestdotierte Damenliga und Arbeitsplatz der deutschen Proetten Sandra Gal und Caroline Masson, sind bei 34 Saisonturnieren gerade mal 67,35 Millionen Dollar ausgelobt.

Ernie Els wurde übrigens 51. in Wentworth. 28 700 Dollar gab es dafür. Die beiden Strafschläge kosteten ihn bloß 5600 Dollar, so weit hinten im Preisgeld sind die Sprünge vergleichsweise klein.

Ryder Cup und Majors – die wichtigsten Turniere

Größtes Teamturnier im Golf ist der Ryder Cup – ein Duell zwischen Europa und den USA, das alle zwei Jahre mit jeweils zwölf Spielern ausgetragen wird. Es geht nicht um Preisgeld, sondern um die Ehre und einen kleinen Goldpokal, gestiftet 1927 vom englischen Kaufmann Samuel Ryder. Die USA gewannen seit 1995 drei Mal, zuletzt 2016. Der Ryder-Cup gilt nach Einschaltquoten als größtes Sport-Event hinter Fußball-WM, Olympia und Super Bowl.

Die wichtigsten Einzel-Wettbewerbe im Golf sind die Majors: das Masters (April) in Augusta/USA, dazu mit wechselnden Schauplätzen die US Open (Juni) und die PGA Championship (August) in den USA sowie die British Open (Juli). Der Gewinn aller vier in einer Saison heißt Grand Slam, ist allerdings unerreicht. Fünf Spieler schafften bislang den Karriere-Grand- Slam, darunter Rekordsieger Jack Nicklaus (18 Majors) und Tiger Woods (14).

Michael F. Basche

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