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Handball Mit Bernd Radig zum Sieg
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00:01 26.01.2018
Bernd Radig zeigt ein Foto der letzten von ihm trainierten Frauenhandballmannschaft in Sassnitz. Quelle: Foto: Christine Zillmer
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Sassnitz

Aus dem Kader von Bernd Radig (74) sind so einige Sportasse hervorgegangen. Der ehemalige Übungsleiter des Empor Sassnitz trainierte 54 Jahre seines Lebens Mädchenmannschaften in Sassnitz und erlangte große Erfolge. „Meine Kinder waren Spitzenspielerinnen. Bei einer Deutschen Handballmeisterschaft wurden wir Drittplatzierte und dreimal holten wir vor der Wende den vierten Platz landesweit in der DDR.“ Heute trainiert Bernd Radig ein- bis zweimal in der Woche in einer lockeren Runde in der Dwasiedener Sporthalle in Sassnitz mit ehemaligen Mannschaftsmitgliedern. „Punktspiele haben wir seit 2014 nicht mehr, dazu reicht die Zeit nicht, aber wir sind immer noch mit Spaß bei der Sache“, erzählte der Sassnitzer.

Bernd Radig wurde 1943 in Greifswald geboren. In seiner Kindheit und Jugend spielte er Fußball. Bereits als 14-Jähriger wurde Radig DDR-Meister im Tor der Greifswalder Fußballmannschaft. Als Volleyballer kam er bis in die Oberliga. Radig schwärmt in diesem Zusammenhang von seinem damaligen Sportlehrer in der Schule: „Ich habe diesen Mann als Jugendlicher sehr bewundert. So wollte ich auch sein, dachte ich damals.“ Aus der Erinnerung erzählt Bernd Radig, dass sich sein Sportlehrer immer für seine Schüler einsetzte und sie förderte.

Kurzum entschied sich Radig zu einem Studium im Lehramt für Sport. „Ich musste wählen, was ich zum ersten Fach dazu studiere und entschied mich für Geschichte“, erinnert er sich. „Das Fach hat mich zwar immer interessiert, aber ich muss auch zugeben, dass da gerade ein Studienplatz frei war. Das Wichtigste war mir eben der Sport.“

Nach dem Studium teilte der Staat die ausgebildeten Lehrer dort ein, wo sie gebraucht wurden. „Ich hatte die Wahl – entweder im Wismarer Land oder auf Rügen zu arbeiten. Auf der Insel schien mir Sassnitz im Gegensatz zu meiner Wahlmöglichkeit Rambin vorteilhafter.“ Also heiratete Radig schnell noch seine Studienkollegin Margot und zog mit ihr auf die Insel.

Diesen Schritt hat der Sportler nie bereut. „Unsere Begrüßung 1965 im Rathaus der Stadt war zwar etwas frostig, aber wir haben uns trotzdem gut eingelebt.“ Die Mitarbeiter der Verwaltung mussten dem frisch vermählten Paar damals mitteilen, dass die Mieter der für sie vorgesehenen Zwei-Raum- Wohnung „leider noch nicht verstorben“ seien. In der Radvan-Straße erhielten die Eheleute vorübergehend eine Ein-Raum-Wohnung, erst später wurde es größer.

Als Sport- und Geschichtslehrer erlange Bernd Radig schnell Vertrauen bei seinen Schülern. Und davon gab es eine ganze Menge: Zu Spitzenzeiten besuchten über 1000 Kinder die ehemalige Oberschule III in Sassnitz. Der Sportunterricht fand teilweise mit 50 bis 60 Schülern statt. „Das hat funktioniert. Wenn ich was gesagt habe, dann haben die Kinder auch gehört.“ Radigs sportliches Talent wurde schließlich auch vom Verein Empor Sassnitz bemerkt und bald trainierte er eine „herrenlose“ Mädchenmannschaft. „Der Trainer ist weggezogen“, sagt er über diese Zeit. „Einige Leute vom Empor kamen auf mich zu und fragten, ob ich diese Mannschaft übernehmen könnte. Ich sagte zu.“ Nach nur zwei Jahren spielten die 12- und 13-jährigen Mädchen Ausscheidungsspiele gegen Rostock und Magdeburg.

„Was für ein Erfolg, wir gewannen und qualifizierten uns für die Deutsche Handballmeisterschaft in Berlin“, erzählt Radig. „Unsere Mädchen sind damals knapp am zweiten Platz vorbeigeschlittert. Ich habe den Ball noch kommen sehen, wie er in unser Tor trudelte. Wir haben geweint aber trotzdem den dritten Platz gemacht.“ Laut Radig wäre mehr drin gewesen. „Die gegnerischen Mannschaften unterschätzen die Mädchen aus Sassnitz. Die Spielerinnen aus Rostock und Magdeburg hatten hochwertige Trikots und Ballkisten mit Handbällen für jede Einzelne.“ In Radigs Mannschaft gab es nur vier Lederbälle, die für die Spiele genutzt wurden. „Das hat gereicht“, lächelt er.

Bernd Radig war bis 2003 im Schuldienst und bis 2014 als Trainer aktiv. Etwas mehr Zeit konnte er seit dem für seine Familie aufbringen. „Ohne meine Frau hätte ich mein Pensum von Schulunterricht, Trainerleben und meine eigene Sportlerkarriere nie gemeistert.“

Heute sind Radig besonders seine Enkel wichtig. „Die Jungs meines Sohnes Dirk und die Mädchen meiner Tochter Grit sind tolle Menschen“, sagt er stolz. „Ich finde, es muss viel mehr für die jungen Menschen und Kinder getan werden – auch in Sassnitz. Was nützt es denn, wenn wir Arbeit haben für die Eltern, die Kinder aber nicht wissen, was sie tun sollen.“

Radig engagiert sich weiterhin beim SV Empor Sassnitz und steht dem Vorstand mit Rat und Tat zur Seite. Im März wird dann erstmal ordentlich gefeiert: Bernd Radig wird 75.

Christine Zillmer

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