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Hannah Anderssohn will auf eigene Faust zu den Spielen segeln

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16:16 27.01.2020
Hannah Anderssohn hat sich entschieden, ihre Karriere ohne Unterstützung des Deutschen Seglerverbandes fortzusetzen.
Hannah Anderssohn hat sich entschieden, ihre Karriere ohne Unterstützung des Deutschen Seglerverbandes fortzusetzen. Quelle: Pedro Martinez
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Rostock

Hannah Anderssohn hat eine Entscheidung getroffen. Die 20-Jährige verzichtet bei der Fortsetzung ihrer Karriere fortan auf die Unterstützung des Deutschen Seglerverbandes. Künftig will die Rostockerin auf eigene Faust kämpfen. Ein Entschluss, der ihr nicht leichtgefallen sei, wie sie sagt.

Die Seglerin hatte nach langer Verletzungspause im vergangenen Jahr ihr Comeback gegeben. Die Ergebnisse waren ordentlich. Die ehrgeizige junge Frau kämpfte sich zwar zurück, fühlte sich aber zunehmend schlechter. Irgendwann im Herbst kam sie an einen Punkt, an dem sie nicht weiterkonnte. „Ich hatte oft das Gefühl, segeln zu müssen und nichts allein entscheiden zu können. Alles lief nach Plänen und Vorgaben“, erzählt die Maschinenbaustudentin, die zwar noch ein Zimmer am Bundesstützpunkt der Segler in Kiel hat, dort aber nur noch sporadisch sein wird. Ihren Lebensmittelpunkt hat sie in ihre Heimatstadt nach Rostock verlegt.

Anderssohn suchte das Gespräch mit ihrer Trainerin Franziska Goltz und DSV-Sportchefin Nadine Stegenwalner. „Ich bin mit dem Thema offen umgegangen und habe versucht, meine Gründe zu erklären. Es war keine Entscheidung gegen den DSV, sondern eine, die sich für mich richtig anfühlt“, beteuert die junge Frau, die im Sommer 2017 Jugendweltmeisterin geworden und damals als „Golden Girl“ gefeiert worden war.

Dem sportlichen Höhenflug folgte der Absturz: Bei einem schweren Segelunfall vor Mallorca verletzt sich Hannah Anderssohn im Februar 2018 schwer am Knie. Diagnose: Außenband angerissen, Meniskus beschädigt, Unterschenkel angebrochen. Die konservative Behandlung bringt nicht den gewünschten Erfolg. Eine Operation folgt. Sie läuft nicht gut. Ende 2018 folgt eine weitere. Ärzte prophezeiten ihr das Karrierenende. Doch Anderssohn gibt nicht auf, beißt sich durch.

Bevor sie wieder richtig trainieren und bei Regatten starten kann, vergehen 18 Monate. Beim Comeback im Juni vergangenen Jahres segelt sie den Konkurrentinnen im Laser Radial davon. Sie gewinnt das erste Rennen – im Ziel kullern Freudentränen.

Doch der unbekümmerte Spaß am Segeln, den sie vor der Verletzung empfand und der sie antrieb, kehrt nicht zurück. Nach der U 21-EM 2019 nimmt sich die Seglerin eine Auszeit. „Um zu überlegen, was ich will und was ich brauche“, erinnert sie sich. Ihr Entschluss, einen neuen Weg zu gehen, reifte im November. Anderssohn reiste nach Mexiko. „Es war zunächst nicht als Trainingslager geplant. Ich wollte in mich hineinhören, meinen Emotionen folgen“, erinnert sie sich. Sie schloss sich der Gruppe um den italienischen Honorartrainer Giorgio Elena an. Mit neuem Coach und internationaler Trainingsgruppe kehrten Spaß und Motivation zurück – eine neue Erfahrung, die ihr gefalle und guttue, erzählt die Sportlerin vom Warnemünder Segelclub.

Zur Trainingsgruppe, die sich das Honorar für den Coach teilt, gehören unter anderem die Peruanerin Paloma Schmidt, die Mexikanerin Elena Oetling und Laura Voss. Die Südamerikanerin Schmidt ist schon dreimal bei Olympischen Spielen gestartet, Oetling hat das Tokio-Ticket bereits sicher. Mit der Deutschen Laura Voss hat sich ein Trainingsritual entwickelt: das Cappuccino-Race. Nach dem offiziellen Training segeln die beiden auf der Rückfahrt in den Hafen um die Wette. Der Sieger gibt einen aus. Anderssohn findet: „Eine coole Gruppe und starke Konkurrenz.“

Sie weiß: „Der deutsche Verband hat viel für mich getan. Ich will nicht undankbar sein. Aber ich glaube, es ist für mich jetzt das Beste, mich auf eigene Füße zu stellen.“ Beim Seglerverband in ihrem Heimatbundesland MV erntet sie Verständnis: „Eine leistungsstarke Seglerin, die segeln möchte, die lassen wir nicht fallen“, versichert Präsident Bodo Bartmann und verspricht „jede Unterstützung, die wir ihr geben können.“

Sponsoren, wie die Ostseesparkasse und der Glashäger Mineralbrunnen, engagieren sich weiter für Mecklenburg-Vorpommerns größtes Segeltalent, das in dieser Saison 15 000 Euro auftreiben muss, um den Coach, die Trainingslager und Wettkampfreisen zu finanzieren.

Anderssohn möchte die Hilfe ihrer Unterstützer gern mit Leistung zurückzahlen. Die Olympischen Spiele sind ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren hat. „Ich versuche, mich zu qualifizieren, ohne dabei zu verkrampfen“, beschreibt die Warnemünderin, die von Regatta zu Regatta schauen will, wie sie sich fühlt und wie es läuft. Anfang Februar fliegt sie nach Australien, wo Ende des Monats die Laser-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Die WM ist eine von drei Qualifikations-Regatten. Nur die in der Gesamtbilanz beste deutsche Seglerin bekommt die Chance, in Tokio an den Start zu gehen. „Wenn ich es in diesem Jahr nicht schaffen sollte, versuche ich es weiter“, verspricht Anderssohn. Für DSV-Sportdirektorin Stegenwalner ist es kein Problem, das Anderssohn ihren eigenen Weg geht. Sie versichert: „Die Tür für sie ist nicht zu.“

Von Christian Lüsch

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