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Leichtathletik Weltklasse-Werfer peilt die 90 Meter an
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13:12 20.03.2019
Speerwerfer Julian Weber trainiert jetzt beim 1. LAV Rostock. Quelle: FOTO: DANNY GOHLKE
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Rostock

Dass ein Weltklasse-Leichtathlet den Weg nach Rostock findet, so etwas hat es es beim 1. LAV noch nicht gegeben. Speerwerfer Julian Weber hat sich für diesen Weg entschieden. Die aktuelle Nummer acht in der Welt verließ seine Geburtsstadt Mainz und „die geliebte Heimat“, um in Rostock bei Frauen-Bundestrainer Mark Frank zu trainieren.

„Es war schon längere Zeit klar, dass ich mal was anderes sehen wollte“, erklärt der 24 Jahre alte Sportsoldat. In Mainz wurde er bisher von Teilzeit-Coach Stephan Kallenberg trainiert, der im Hauptberuf eine Anwaltskanzlei leitet. Beim 1. LAV wird der Olympia-Kader nun, wie vom Deutschen Leichtathletik-Verband gewünscht, von einem hauptamtlichen Trainer betreut. „Dieser Gedanke war der Auslöser, aber nicht der Hauptgrund für den Wechsel“, sagt der 1,90-Meter-Recke. „Für Rostock sprachen viele Faktoren: die örtlichen Bedingungen, die Trainingskonstellation, die Möglichkeit eines Studiums - und nicht zuletzt Mark Frank, mit dem ich in Trainingslagern schon das Zimmer geteilt habe“, begründet Weber. Einen Wechsel zu Männer-Bundestrainer Boris Obergföll nach Offenburg verwarf er: „Rostock war die beste Option.“

Bis zu seinem JEM-Titel 2013 hat er gleichzeitig Handball gespielt

An der Ostseeküste will der Junioren-Europameister von 2013, der damals neben der Leichtathletik auch noch erfolgreich Handball gespielt hat, nun seine Speerwurf-Qualität auf ein neues Level bringen. Seine Bestweite steht bei 88,29 Metern (2016). Damit wäre er in den meisten Ländern der Welt die Nummer eins. Nur in Deutschland wird er von drei 90-Meter-Assen auf Rang vier verdrängt. Vor ihm thronen Olympiasieger und Europameister Thomas Röhler (27/Jena), Weltmeister Johannes Vetter (25/Offenburg) und der aktuelle deutsche Meister Andreas Hofmann (27/Mannheim).

„Deswegen sind wir ja Weltspitze, weil wir so viele starke Leute haben“, weiß Julian Weber. Der Jüngste in diesem Quartett fühlt sich durch die Konkurrenz voll herausgefordert: „Ich habe immer den Antrieb, die Leute zu schlagen, die vor mir sind.“

Dieser Ehrgeiz wurde zuletzt allerdings von Verletzungen gebremst. 2017, als der Olympia-Neunte von Rio nach eigener Einschätzung „megagut drauf“ war und den Winterwurf-Europacup gewann, riss er sich das Innenband im rechten Ellenbogen. Eine Sehne musste transplantiert werden. Als er nach neun Monaten wieder fit war, schoss ihm im Trainingslager im April 2018 beim Niesen ein stechender Schmerz durch Rücken und Bein. Diagnose: Bandscheibenvorfall. Dass er danach praktisch aus der Reha heraus im ersten Wettkampf den Weltcup in London mit einer 82er-Weite gewann, spricht für Webers großes Talent und Potenzial. Ende vergangenen Jahres legte er sich schließlich noch mal freiwillig unters Messer, um schon länger währende Probleme in seinem linken Fuß beheben zu lassen. „Ich wollte so nach Rostock kommen, dass alles perfekt laufen kann“, begründet der Olympiakader den Eingriff.

Seinem Verein USC Mainz bleibt er zwar weiterhin treu. Aber vom Wechsel nach Rostock erhofft sich der Speerwerfer, der die ersten Tage im Haus seines Trainers wohnte und inzwischen seine eigene Wohnung hat, „neue Impulse, um den nächsten Schritt zu machen“. Heißt: Er nimmt die 90-Meter-Marke ins Visier. „Das ist für jeden Speerwerfer ein Traum“, sagt Julian Weber mit leuchtenden Augen: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die 90 Meter werfen kann, es ist auf jeden Fall möglich.“

LAV-Klubchef Skopnik: Unser Verein hat Strahlkraft

Sein neuer Coach ist zwar ebenfalls optimistisch, hält sich aber mit Kampfansagen zurück. „Zaubern kann keiner, wir fangen vorsichtig an“, erklärt Mark Frank. „Das Ziel ist jetzt erst einmal, Julian topfit zu kriegen. Er muss gesund bleiben, das ist die wichtigste Rahmenbedingung, um weit zu werfen. Potenzial bringt er sehr viel mit. Technisch werden wir nur kleine Stellschrauben drehen. Wenn er länger beschwerdefrei bleibt, kommen die 90 Meter sowieso irgendwann“, ist der 41-Jährige überzeugt.

Für den 1. LAV Rostock, wo mit der Junioren-WM-Vierten Julia Ulbricht (18) und Trainersohn Eric Frank (17) weitere Speerwurf-Talente heranreifen, hat der Weber-Wechsel nicht nur einen sportlichen Effekt. „Es spricht für uns als Verein, wenn wir hier Bedingungen haben, unter denen sich Athleten weiterentwickeln können“, erklärt Klubchef Ralf Skopnik und ergänzt: „Wir wollen unsere Strahlkraft weiter heben und künftig noch mehr Athleten hier herbekommen.“

Kai Rehberg

Christiane Schmalbruch sammelt international Medaillen und Rekorde. Sie zu zählen, hat die junggebliebene Seniorin aus Lambrechtshagen (Landkreis Rostock) schon vor Jahren aufgegeben.

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