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Mecklenburger Enduro-Ass Björn Feldt will nicht mehr bei großen Events starten

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16:21 17.11.2020
Björn Feldt Quelle: Foto: Steffen Oldörp
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Roduchelsdorf

Mecklenburg-Vorpommerns bester Endurofahrer tritt künftig kürzer. „Ich will nicht ganz aufhören, aber bei den Deutschen Meisterschaften werde ich nicht mehr mitfahren“, sagt Björn Feldt. Die Entscheidung hat der Fahrer des MC Grevesmühlen schon vor einiger Zeit getroffen. „Ich bin keine 20 mehr, der Körper braucht deutlich mehr Zeit zum Regenerieren. Ich habe für den Sport viel Zeit geopfert, meine Familie hat deshalb auf vieles verzichten müssen“, erklärt der 32-Jährige.

Vor allem seine Frau Ulrike und Tochter Romy (8) dürfte das freuen. Auch wenn sie noch ein wenig skeptisch sind. „So richtig glauben kann ich das noch nicht“, schmunzelt Ulrike Feldt. „Doch“, betont Björn Feldt, der das Motorrad aber nicht ganz beiseitestellen will. „Ich werde noch ein bisschen Motocross fahren. Vielleicht auch noch mal an einer Landesmeisterschaft teilnehmen und ab und an auch noch bei Enduroläufen dabei sein. Aber ich werde nicht mehr so oft und so lange an den Wochenenden unterwegs sein wie bisher“, sagt Feldt, der in Roduchelstorf wohnt, der Heimat seiner Frau, zwischen Rehna und Schönberg.

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In den vergangenen Jahren sah der Alltag von Björn Feldt in der Saisonvorbereitung meist so aus: Morgens um halb fünf klingelte der Wecker. Von Roduchelstorf ging es ins 25 Kilometer entfernte Lübeck. Dort arbeitet Feldt als Qualitätsprüfer. Sein Chef unterstützt den Hobbyfahrer seit Jahren, ist ebenfalls motorsportbegeistert. Um 15 Uhr war Feierabend. Dann ging es für Björn Feldt zum Training. Das hieß hauptsächlich Laufen, Radfahren und Krafttraining. Am Wochenende standen dann – je nach Wetterlage – noch bis zu zwei Einheiten mit dem Motorrad auf dem Programm.

Mit dieser eisernen Disziplin hat es Feldt zum besten Endurofahrer des Landes geschafft. Dort ist er elfmaliger Landesmeister – nur der Wismarer Jens Hinrichs ist mit 14 Titeln noch erfolgreicher.

Besonders gern erinnert sich Björn Feldt an seine drei Six-Days-Teilnahmen – den Enduro-Weltmeisterschaften. Im Vorjahr landete er mit dem Team Deutschland auf Rang sieben. Vor sieben Jahren präsentierte er sich auf Sardinien in Topform. Nach sechs strapaziosen Tagen war er Fünfter im Feld der 109 Fahrer der Klasse C3. In der Championatswertung (alle Klassen) belegte der Mecklenburger Platz 15 unter insgesamt 414 Akteuren.

Vor zwei Jahren startete Feldt bei den Six-Days in Chile – zusammen mit den deutschen Enduro-Stars Davide von Zitzewitz (Karlshof), Robert Riedel (Woltersdorf) und Edward Hübner (Penig). Für den Roduchelstorfer die bis dato größte Herausforderung. Fünf Tage lang saß er bis zu acht Stunden auf dem Motorrad, musste verschiedene Sonderprüfungen absolvieren. Für den Hobbyfahrer eine Extrembelastung. Am sechsten Tag stand für Feldt und die anderen Zweirad-Asse noch ein Motocrossrennen im Programm. Zusammen mit den deutschen Topstars belegte Feldt Rang zehn. Ein weiterer Höhepunkt in der Karriere des Nordwestmecklenburgers. Kurz zur hatte er seinen bis dato größten Triumph gefeiert: den deutsche Vizemeistertitel in der Klasse E3.

In diesem Jahr wiederholte Björn Feldt diesen Erfolg hinter Seriensieger Dennis Schröter. In der Wertung aller Klassen fuhr Feldt auf Rang sechs – das heißt, er ist zurzeit Deutschlands sechstbester Endurofahrer. „Darauf bin ich schon stolz“, sagt der 32-Jährige, der 2015 und 2016 als Dritter ebenfalls seine Klasse unterstrich. 2019 wurde Feldt zudem mit Woltersdorf Enduro-Mannschaftsmeister.

In seiner Karriere gab es jedoch nicht nur Höhen. 2005 stürzte Björn Feldt auf seiner Heimstrecke in ­Upahl bei einem Motocrossrennen schwer, brach sich den siebten Halswirbel, musste neun Monate pausieren. Sechs Jahre später, 2011, rückte der Endurosport immer mehr in den Fokus des mehrfachen Motocross-Landesmeisters. Um eine A-Lizenz zu bekommen und an den deutschen Meisterschaften teilnehmen zu können, musste Feldt zunächst bei Pokalläufen mitfahren. Das gelang ihm so gut, dass er ab 2012 gegen die besten Fahrer Deutschlands antrat. Die Premierensaison verlief sehr vielversprechend. Der Neuling feierte in Burg bei Magdeburg seinen ersten Tagessieg. „Genau eine Woche nach der Geburt meiner Tochter“, erinnert sich Feldt, der mit fünf Jahren erstmals auf einem Motorrad saß.

Jetzt will der Familienvater kürzertreten. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, meinen Trainerschein zu machen und meine Erfahrungen an junge Fahrer weiterzugeben“, sagt Feldt. Schon jetzt versorgt er Nachwuchsfahrern des MC Rehna mit wertvollen Tipps, trainiert mit Jonas Prochnau (14) und Lennox Bergau (4) zwei hoffnungsvolle Talente.

Von Steffen Oldörp