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Olympia-Traum von Springreiter André Thieme hat sich erfüllt

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16:48 04.07.2021
André Thieme hat mit seiner Stute Chakaria schon viele große Springen gewinnen.
André Thieme hat mit seiner Stute Chakaria schon viele große Springen gewinnen. Quelle: Jutta Wego
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Rostock

André Thieme ist am Ziel seiner Wünsche: Der Springreiter aus Plau am See wurde für die Olympischen Sommerspiele in Tokio nominiert – als erster Reiter aus den östlichen Bundesländern. „Mein großer Traum war es immer, bei Olympia zu reiten“, sagte der 46-jährige Mecklenburger, „jetzt bin ich glücklich, dass ich mir diesen Lebenstraum erfüllen kann“.

Neben Thieme wurde in der letzten Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit Christian Kukuk (Riesenbeck) und seinem Pferd Mumbai ein weiterer Olympia-Neuling berufen. Wie erwartet gehört auch der in Belgien lebende Deußer (Kirberg) mit Killer Queen als Weltranglisten-Erster zur Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker. Als Ersatzmann für die Einzel-Wettbewerbe wurde Maurice Tebbel nominiert. Der Reiter aus Emsbüren mit seinem Pferd Don Diarado ist aber für den Nationenpreis gesetzt. Die Wettkämpfe im Springen finden in Tokio vom 3. bis 7. August statt. Zuerst fällt die Entscheidung über die Einzelmedaillen, erst danach folgt die Mannschaftsentscheidung, der Nationenpreis.

Thiemes Aufstieg in die deutsche Springreiter-Elite, die seit Jahrzehnten auch das Weltniveau mitbestimmt, hat einen Namen: Chakaria. Mit der Stute machte der Mecklenburger den entscheidenden Schritt nach oben. „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ein Superstar-Pferd. Und es ist einfach so viel einfacher mit so einem Pferd“, sagte Thieme unlängst in der ARD-Sportschau und schwärmte: „Sie ist schnell, gesund, eine Kämpferin, vorsichtig und umsichtig - ich weiß nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Sie ist einfach ein erstaunliches Pferd.“

Dass die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurden, sei für ihn „das größte Glück“ gewesen, sagt Thieme, der noch nie an einer EM oder WM teilgenommen hat. „2020 wäre für Chakaria zu früh gewesen. So konnte sie noch ein Jahr reifen und Erfahrungen sammeln. Jetzt steht sie in der Blüte ihrer Laufbahn.“ Ihr Können hat Chakaria auch auf seiner traditionellen Winter-Tour nach Florida/USA eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ende März gewann Thieme mit seinem Erfolgspferd neben anderen Konkurrenzen ein schweres Eine-Million-Dollar-Springen in Ocala.

Gute Pferde hatte der dreimalige Sieger des deutschen Derbys in Hamburg schon immer, zum Beispiel Contanga und Conthendrix. „Sie waren besser als andere. Aber wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass Chakaria noch einmal auf einem anderen Level ist“, sagt Thieme, der für die elfjährige Stute schon nach ihrem ersten sportlichen Auftritt mehrere Anfragen bekommen hatte. Doch er ließ sich nicht locken, behielt Chakaria. „Sie geht auch über Fünf-Sterne-Niveau mit Leichtigkeit und hat absolutes Superstar-Potenzial.“

Das hat offensichtlich auch Bundestrainer Otto Becker erkannt. Er informierte den Mecklenburger am Sonnabend telefonisch über seine Olympia-Nominierung. „Er ist ein guter, positiver Typ, der weiß, was er will“, sagt Becker. Thieme habe zwar noch kein Championat geritten, sei aber ein erfahrener Reiter. „Wir wissen, dass man ihn mitnehmen kann. Der steht seinen Mann.“

Für Thieme ist es schon ein Meilenstein, den Sprung ins deutsche Aufgebot geschafft zu haben. „In diese Top Drei zu kommen, ist fast unmöglich. Dass wir in diesem Jahr mit so einem Ausnahmepferd gesegnet sind und zur richtigen Zeit die richtigen Springen gewonnen haben, hat sich jetzt so hochgesteigert, dass wir dort reingekommen sind“, sagte er im NDR-Fernsehen.

Vor dem Abflug nach Japan gehen alle Pferde vom 16. bis 24. Juli auf dem Gelände des Bundesstützpunktes Warendorf (bei Münster) in Quarantäne. Bei der olympischen Einzelentscheidung zwei Wochen später sieht sich André Thieme trotz der mächtigen internationalen Konkurrenz nicht chancenlos. „Wenn man es in einer so starken Reitnation in die Mannschaft schafft, dann ist zumindest eine Medaillenchance da – das ist so.“ Ob er neben Maurice Tebbel auch im Nationenpreis eingesetzt wird, entscheidet sich vor Ort.

Von Kai Rehberg