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bahnrad-WM: Lea Sophie Friedrich macht ihr (Welt)Meisterstück

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21:03 01.03.2020
Lea Sophie Friedrich feiert mit der deutschen fahne ihren zweiten WM-Titel bei der bahnrad-WM in Berlin.
Lea Sophie Friedrich feiert mit der deutschen fahne ihren zweiten WM-Titel bei der bahnrad-WM in Berlin. Quelle: Foto: Maja Hitij/Getty Images
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Berlin

Nicht einmal von Außenminister Heiko Maas ließ sich Lea Sophie Friedrich ablenken. „Ich wusste, dass es ein Politiker war. Aber das muss man ausblenden, man kann sich da nicht verrückt machen lassen und einen Smalltalk anfangen. Da muss man sich auf den Wettkampf konzentrieren“, sagte die 20-Jährige zu der Begegnung am Sonnabend kurz vor ihrem Triumph über die 500-Meter-Distanz bei der Bahnrad-WM in Berlin.

Historisches hat Friedrich geschafft: Mit 20 Jahren und 53 Tagen ist sie die jüngste Weltmeisterin über diese Distanz. Sogar Rekord-Weltmeisterin Anna Meares war bei ihrem ersten 500-Meter-Erfolg 2004 ein paar Monate älter. Für die Mecklenburgerin aus Dassow war es in Berlin bereits der zweite WM-Titel, nachdem sie beim goldenen Auftakt im Teamsprint in der Qualifikation zum Einsatz gekommen war.

„Ich kann es nicht beschreiben. Geil, noch ein Gold. Das ist so unfassbar krass, und dann noch vor Olympia. Ich bin so stolz, dass wir das rocken konnten“, sagte Friedrich auch mit Blick auf ihre so überragende Teamkollegin Emma Hinze. „Wir haben hart trainiert“, fügte sie hinzu. „Einen Grund für unsere Stärke kann man nicht sagen. Wir sind einfach so schnell. Aber es ist alles knapp. Die Konkurrenz ist megastark, die fahren alle krasse Zeiten.“

Doch Friedrich fuhr noch schneller. In 33,121 Sekunden ließ sie der Mexikanerin Jessica Salazar Valles (33,154) und der Italienerin Miriam Vece (33,171) keine Chance. Mit 20 Jahren und 53 Tagen ist sie damit die jüngste Weltmeisterin über diese Distanz. „Wir wussten, dass sie stark ist. Das hat sie schon bei den Weltcups bewiesen. Das ist nicht ganz unverdient. Dass sie Weltmeisterin wird und dann in Berlin, ist das i-Tüpfelchen“, sagte Bundestrainer Detlef Uibel und war voll des Lobes: „Lea kann es nicht erwarten. Die muss ich immer bremsen.“ Dass für die Mecklenburgerin im Einzelsprint im Viertelfinale Endstation war und sie als Fünfte nicht in den Medaillenkampf eingreifen konnte, ist für Uibel ganz normal: „Lea ist noch sehr jung und braucht jeden Lauf, um Sicherheit zu erlangen. Technisch-taktisch hat sie noch Reserven. In den K.o.-Duellen hat sie nichts direkt falsch gemacht, aber da geht es um Nuancen, bei denen man ihre Unerfahrenheit durchaus sieht. Da sieht man, dass Emma Hinze ein Jahr Vorsprung hat. “

Ihre Vorgängerin Kristina Vogel freut sich bereits auf die nächsten Jahre, wenn sich Friedrich und Hinze duellieren. „Das wird spannend“, sagte die zweimalige Olympiasiegerin. Vogel, die seit ihrem schlimmen Trainingsunfall 2018 querschnittsgelähmt ist, hält große Stücke auf Friedrich. „Sie hat diesen Winter die Ausbildung bei der Bundespolizei gemacht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dies sehr viel an den Nerven und der Leistung zehrt. Für das Gesamte ist die Ausbildung extrem wichtig, für diese WM war es hinderlich“, sagte die einstige Sprint-Königin und ergänzte: „Als ich fertig war, ist bei mir eine Art Bombe geplatzt. Das wird bei Lea auch passieren.“

Und dann ist da noch Pauline Gra­bosch, die im Teamsprint brillierte und über 500 Meter Platz vier belegte. So bekommt Auswahlcoach Uibel für Olympia in diesem Jahr in Tokio ein Luxusproblem. „Der Bundestrainer hat eine schwere Entscheidung zu treffen mit uns drei. Es können ja nur zwei starten. Aber ich denke, ich habe gute Chancen“, sagte Friedrich.

Emma Hinze stemmte gestern vor lauter Freude ihre Rennmaschine in die Luft und schüttelte ungläubig den Kopf. Die erst 22 Jahre alte Sprinterin hat sich in einem Finale furioso zur Bahnrad-Königin von Berlin gekrönt und das historische WM-Triple von Kristina Vogel aus dem Jahr 2014 wiederholt. Hinze holte sich am Sonntag unter großem Jubel im Kampfsprint Keirin ihren dritten Weltmeister-Titel, nachdem sie zuvor schon Gold mit der Mannschaft und im Sprint gewonnen hatte. Damit katapultierte sich Hinze auch in die Rolle der Topfavoritin für die Olympischen Spiele in Tokio.

„Wie im Traum“ wähnte sie sich nach ihren Gala-Vorstellungen. „Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich brauche noch ein paar Tage, um das zu realisieren. Die WM so abzuschließen, ist supercool“, kommentierte Hinze, die bei der gesamten WM alle ihre Läufe souverän gewonnen hatte – so auch gestern im Keirin-Finale vor Hyejin Lee aus Südkorea und der Australierin Stephanie Morton.

„Grandios, überragend“, schwärmte Bundestrainer Detlef Uibel über seine neue Vorzeigefahrerin und zog symbolisch den Hut. Auch Vogel war voll des Lobes: „Sie ist ein supergroßes Talent. Ich hoffe, es ist der Beginn einer wunderschönen Karriere.“ Vogel gewann einst elf Titel, Hinze steht nun bei drei.

Frauen-Power war angesagt im deutschen Lager. Sieben der acht Medaillen bei den Heim-Titelkämpfen gingen auf das Konto von Hinze und Co. Den einzigen Podestplatz bei den Männern erkämpften sich am Schlusstag Roger Kluge und Theo Reinhardt mit Bronze im Madison.

Von Stefan Tabeling, Ralf Jarkowski und Frank Schober