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SSC Palmberg Schwerin Volleyball-Saison abgebrochen: Schwerin ist Meister der Herzen

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17:39 13.03.2020
Dürfen sich wie Meisterinnen fühlen: Die Spielerinnen vom SSC Palmberg Schwerin, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs in der Volleyball-Bundesliga auf dem ersten Tabellenplatz standen. Quelle: Cornelius Kettler
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Schwerin

Donnerstagabend in der Trainingshalle des SSC Palmberg Schwerin: die Mannschaft trainiert. Alle sind heiß, bereiten sich hochmotiviert auf das Topspiel der Bundesliga gegen Allianz MTV Stuttgart vor. Gegen 21 Uhr betritt Teammanager Peter Niepagen die Halle. Er teilt Cheftrainer Felix Koslowski mit, dass er das Training beenden kann. Die Bundesliga-Saison ist abgebrochen.

„Das war ein Schock. Ich habe erst gar nicht begriffen, was er meint, als er sagte, wir könnten aufhören. Alle waren voll auf die Vorbereitung des Spiels gegen Stuttgart fokussiert. Wir wollten die Vorrunde unbedingt beenden, als Erster. Die Entscheidung mussten alle erst mal verdauen“, berichtet Koslowski.

„Es ist total schade, dass es so zu Ende gegangen ist. Wir hätten gern die Vorrunde beendet und die Play-offs gespielt. Jetzt fühlt es sich irgendwie nicht fertig an“, meint Kapitänin Denise Hanke. „Wir hatten am Donnerstag ein Training wie es sein muss vor einen Spitzenspiel.“ Menschlich habe sie Verständnis für die Entscheidung, sportlich und emotional sei sie eine Katastrophe.

Am späten Nachmittag hatte noch vieles darauf hingedeutet, dass der SSC am Sonnabend spielen werde. Vertreter der Frauen-Bundesligisten hatten sich in einer Telefonkonferenz dafür ausgesprochen, den letzten Spieltag am Wochen­ende ohne Fans auszutragen und danach dem Ersten der Hauptrunde die Meisterschale zu überreichen. Nur mit einem 3:0- oder 3:1-Sieg hätten die Stuttgarterinnen die Schwerinerinnen vom Spitzenplatz verdrängen können. Wohl auch deshalb stimmten die Schwäbinnen gegen den Vorschlag.

„Wir haben eine Ausnahmesituation in Deutschland, deshalb hätte ich darauf verzichtet, einen Meister zu küren“, sagt Geschäftsführer ­Aurel ­Irion den „Stuttgarter Nachrichten“.

Auch wenn Koslowski und Hanke der Gedanke wenig behagt, dürfen sich Spielerinnen und Betreuer des SSC Palmberg als Meister der Herzen fühlen. „Bei mir will sich das Gefühl nicht einstellen. Für mich wären die Play-offs einfach wichtig gewesen. Sie gehören dazu und wären sicher sehr spannend geworden“, sagt die 30-Jährige. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zuspielerin, die eine großartige Saison gespielt hat, ihre Karriere fortsetzen wird, ist durch den Saisonabbruch eher gestiegen. „Ich weiß noch nicht genau, wie es weitergeht, aber so fühlt es sich nicht gut an.“

Das Ende der Bundesliga-Spielzeit bedeutet nicht, dass die Spielerinnen Schwerin sofort verlassen werden. Der Klub hat sich sportlich für das Halbfinale im zweithöchsten europäischen Wettbewerb, dem CEV-Cup, qualifiziert. Allerdings geht kaum jemand davon aus, dass es zu weiteren Spielen kommen wird.

Wirtschaftlich trifft das vorzeitige Saisonende alle Bundesligisten. „Der Abbruch der Saison trifft viele Vereine hart, weil besonders die Play-offs die Phase der Saison ist, in der erwartungsgemäß die meisten Zuschauereinnahmen generiert werden“, sagte VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung. Die Volleyball-Bundesliga werde sich auf politischer Ebene dafür einsetzen, „dass ihre Teams – die alle Wirtschaftsunternehmen sind – Chancen auf Ausgleichszahlungen erhalten, wie sie in anderen Wirtschaftszweigen möglich oder angedacht sind.“

„Wie sich das SSC-Management verhalten hat, ist großartig“, lobt Hanke. Den Spielerinnen des SSC, die aus Deutschland, den USA, Ungarn, Kroatien und den Niederlanden kommen, sei es vom amtierenden Geschäftsführer Michael Evers freigestellt worden, abzureisen, wenn sie es für notwendig erachten. Zudem werden die Spielerinnen bis zum turnusgemäßen Saisonende bezahlt.

„Das ist anständig, professionell und nicht selbstverständlich“, sagt Hanke. Die Mannschaft wolle erst mal zusammenbleiben und die weitere Entwicklung abwarten. Am Sonnabend ist ein Teamabend, Sonntag ein Treffen mit Sponsoren geplant.

Erstmals in der Bundesliga-Historie wird es in der Saison 2019/20 bei Männern und Frauen keine offiziellen Meister geben. Zudem muss kein Team aus der 1. Liga absteigen. Über die Vergabe der Startplätze in der Champions League und den anderen europäischen Cup-Wettbewerben soll nun gemeinsam mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) entschieden werden. Vieles deutet darauf hin, das der SSC Palmberg in der Königsklasse antreten wird.

Von Christian Lüsch

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