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Sportmix Segel-Familie mit Liebe zu Olympia: drei Winkels, eine Leidenschaft
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Segel-Familie mit Liebe zu Olympia: drei Winkels, eine Leidenschaft

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16:46 20.04.2021
Anastasiya und ihr Ehemann Malte Winkel bei der WM 2018 in Aarhus.
Anastasiya und ihr Ehemann Malte Winkel bei der WM 2018 in Aarhus. Quelle: Felix Diemer/DSV/dpa
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Hamburg/Kiel/Schwerin

Ein Winkel kommt im olympischen 470er-Segelsport selten allein: Malte Winkel, seine Schwester Birte und seine Frau Anastasiya sind eine Familie und jeder für sich erfolgreich in Wind und Wellen. Mal gegeneinander und bald miteinander. Den Traum von Olympia hat sich in diesem Jahr aber erst einmal nur eine erfüllt: Anastasiya Winkel.

Nach corona-bedingten Regatta-Ausfällen entschied bei den deutschen 470er-Seglern alleine die Weltmeisterschaft im März vor Vilamoura in Portugal über die Vergabe der Olympia-Plätze. Die deutschen Männer - darunter auch Malte Winkel (27/Schweriner Yachtclub) mit Matti Cipra (28/Plauer WSV) - verpassten den olympischen Nationen-Startplatz für Tokio.

Bei den deutschen Frauen kam es zum Familien-Duell um das Japan-Ticket: Im WM-Finale der Top Ten traf Vorschoterin Anastasiya Winkel (27) im Boot von Steuerfrau Luise Wanser (23/beide /Norddeutscher Regattaverein) auf die nach langer Rückenverletzung wiedergenesene Schwägerin Birte Winkel (23/SYC) im Boot von Steuerfrau Theres Dahnke (22/Plau). Das Rennen um die Reise nach Tokio entschieden am 13. März Luise Wanser/Anastasiya Winkel mit einem Punkt Vorsprung für sich. Sie wurden WM-Neunte vor ihren nationalen Konkurrentinnen.

„So etwas passiert nur einmal im Leben. Meine Schwester oder meine Frau – für mich war es nie eine Frage, wer verliert. Da war nur die schöne Vorstellung, dass jemand aus meiner Familie zu Olympischen Spielen fährt“, sagt Malte Winkel über den Tag der Entscheidung, den er auf dem Wasser miterlebte.

Die gebürtige Ukrainerin Anastasiya und der in Henstedt-Ulzburg geborene Malte Winkel verliebten sich bei der Junioren-EM 2014. Da hatte die Sportwissenschafts-Studentin Anastasiya Krasko schon eine Achterbahnfahrt durch das ukrainische Leistungssportsystem hinter sich. Nach eineinhalb Jahren Fernbeziehung zog das Paar in Kiel zusammen - anfangs in einer WG mit Birte.

Am 26. August 2017 heirateten Malte und Anastasiya Winkel im Schweriner Yacht-Club. Den Antrag hatte er ihr beim Training in Kiel mit einem eigenen Gedicht auf einer 470er-Jolle gemacht. Anastasiya segelte zunächst mit Steuerfrau Fabienne Oster und wurde vom Deutschen Segler-Verband (DSV) unterstützt, bis sich das Duo Ende 2019 trennte.

Anfang 2020 kamen die talentierte Steuerfrau Luise Wanser und die erfahrene Anastasiya Winkel ins Gespräch. Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele beschlossen sie eine gemeinsame Last-Minute-Kampagne. Ein Jahr ackerten sie ohne Kaderplatz in Eigenregie mit Unterstützung ihres Hamburger Clubs Norddeutscher Regatta Verein (NRV) und mit einem italienischen Privattrainer für den Olympia-Traum.

„Mein erster Coach hat mir Willen beigebracht“, antwortet Anastasiya auf die Frage nach ihrem Erfolgsrezept. Luise Wanser, die als Kind in Paris lebte und das Regattasegeln nach dem Umzug auf der Hamburger Alster lernte, weiß: „Ohne Corona wären die Spiele längst vorbei und wir wären nicht dabei. Jetzt wollen wir um eine Medaille kämpfen.“ Die letzte Hürde für diese Mission hat Anastasiya Winkel am 18. März mit dem Erhalt der deutschen Einbürgerungsurkunde genommen.

Nach einem hoffentlich erfolgreichen Sommermärchen ist die Segel-Geschichte der Familie Winkel aber noch nicht vorbei. Die 470er Männer und 470er Frauen sind in Tokio vorerst zum letzten Mal Teil des olympischen Programms. Von 2024 an werden Mixed-Teams um olympische Medaillen in dieser Bootsklasse segeln.

Das ist die Chance für das Ehepaar Winkel, den Olympia-Traum noch einmal gemeinsam anzugehen. „Wir werden es ausprobieren“, sagt Malte Winkel, „aber jetzt muss sich Nastja erst auf ihre Chance konzentrieren.“ Der Hobby-Koch und Lehramt-Master-Student (Mathematik und Sport) hat seiner Frau dafür eine besondere Motivation gegeben: „Wenn sie eine Olympia-Medaille gewinnt, darf sie aussuchen, wohin wir in die Ferien fahren. Ich habe schon mal Campingurlaub in Norwegen angesagt. Das findet sie grässlich…“

Von Tatjana Pokorny