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Einfach GESUND – die OZ-Serie Glioblastom: Behandlung und neue Möglichkeiten der Therapie
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Glioblastom: Behandlung und neue Möglichkeiten der Therapie in Rostock

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11:31 22.05.2021
Prof. Dr. med. Guido Hildebrandt (l.), Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universitätsmedizin Rostock, und PD Dr.Florian Geßler, Abteilung Neurochirurgie der Universitätsmedizin Rostock.
Prof. Dr. med. Guido Hildebrandt (l.), Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universitätsmedizin Rostock, und PD Dr.Florian Geßler, Abteilung Neurochirurgie der Universitätsmedizin Rostock. Quelle: Unimedizin Rostock
Rostock

Meist liegen zwischen dem Auftreten der ersten Symptome wie Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen und der Diagnose nur ein paar Wochen oder Monate. Das schnelle Wachstum des Tumors erfordert ein ebenso schnelles und entschiedenes Handeln bei seiner Bekämpfung, um die unkontrollierte Teilung der Tumorzellen einzudämmen. Operation, Strahlen- und Chemotherapie sowie die nachfolgende Behandlung – alles dies geschieht innerhalb kurzer Zeit.

Für die Patientinnen und Patienten, aber auch für ihre Familien, gilt es, den Überblick über die Behandlung und die verschiedenen Therapiemöglichkeiten zu behalten. Gleichzeitig müssen sie die Herausforderung völlig neuer Lebensumstände und -perspektiven meistern. In der Uniklinik Rostock finden dazu interdisziplinäre Patientenbesprechungen statt, in denen Fachärzte wie der Strahlentherapeut Prof. Guido Hildebrandt und der Neurochirurg PD Dr. Florian Geßler eine für den Patienten bestmögliche Behandlung planen.

Selten, aber aggressiv

Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt Gehirn­tumoren nach Merkmalen der Gewebestruktur und molekulargenetischen Besonderheiten in vier Grade ein. Während der Tumorgrad I einen langsam wachsenden, gutartigen Tumor bezeichnet, handelt es sich bei einem Tumor des Grades IV in der Regel um einen schnell wachsenden, besonders bösartigen Tumor. Glioblastome fallen in die Kategorie IV, nicht zuletzt wegen ihrer hohen Zellteilungsrate und weil sie sich ohne scharfe Abgrenzung in das umgebende Gewebe ausbreiten. Wegen des aggressiven Tumorwachstums ist eine möglichst rasche Diagnose entscheidend. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt, wo genau der Tumor sich befindet, wie gut er sich operativ entfernen lässt und wie weit er sich erkennbar in das umgebende Gewebe ausgebreitet hat.

Hirntumor: Gibt es Warnzeichen?

Bei Symptomen wie Schwindel oder Kopfschmerzen befürchten manche gleich das Schlimmste: Könnte ein Hirntumor dahinterstecken? In den meisten Fällen nicht, primäre Hirntumore zählen zu den eher seltenen Krebserkrankungen. Aufhorchen sollten Betroffene, wenn es zu diesen Symptomen kommt: epileptische Anfälle aus völliger Gesundheit heraus, immer wiederkehrende, starke Kopfschmerzen und auch Lähmungen, Gefühls­störungen ­sowie Seh-, Sprach- und Gedächtnisstörungen. Diese Beschwerden können auf einen Hirntumor hindeuten und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Bei der Operation kommt es darauf an, den Tumor weitestgehend zu entfernen. Diese Eingriffe sind oft sehr zeit- und personalintensiv. Die Untersuchung des entfernten Tumorgewebes sichert die Diagnose, liefert weitere Anhaltspunkte über die Merkmale des Tumors und gibt damit Hinweise auf die Prognose und das weitere Vorgehen.

Nach der Operation folgt eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie, um ein weiteres Tumorwachstum einzudämmen. Die Chemotherapie wird als Erhaltungstherapie über das Ende der Strahlentherapie hinaus fortgeführt.

TTFields verlangsamt die Tumorzellteilung

Eine weitere Behandlungsmethode sind Tumor Treating Fields – kurz TTFields. Dabei erzeugt ein tragbares Gerät elektrische Wechselfelder, die die Tumorzellteilung verlangsamen oder stoppen können. In der Regel wird die Behandlung im Anschluss an die Operation, Strahlen- und Chemotherapie zusammen mit der Erhaltungschemotherapie eingesetzt. Sie kann von den Patienten ambulant zu Hause durchgeführt werden.

Neben neu diagnostizierten sowie wiederkehrenden Glioblastomen liegt auch für die Therapie des malignen Pleuramesothelioms, eine Form von Lungenfellkrebs, eine abgeschlossene Studie vor. Aktuell erforscht Novocure u.a. die Wirksamkeit in den Indikationen Hirnmetastasen, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC), Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs (Phase-3-Studien), Leberkrebs und Magenkrebs (Phase-2-Studien).

In den Leistungskatalog der GKV aufgenommen

2020 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, beim neu diagnostizierten Glioblastom TTFields als Erstlinientherapie zusätzlich zur bisherigen Standardbehandlung in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Die Entscheidung ermöglicht Patientinnen und Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom im Rahmen ihrer gesetzlichen Krankenversicherung den Zugang zur potenziell lebensverlängernden Therapie mit Tumor Treating Fields.

Kontakt:

Interdisziplinäres chirurgisches ­Patientenmanagement – ICP

zpm.cuk@med.uni-rostock.de, Tel. 0381 494 6220

Von JU / AD