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Fit und Gesund (OZ-Serie) Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema „Allergien“
Thema F Fit und Gesund (OZ-Serie) Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema „Allergien“
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06:00 23.03.2017
Viele Leserfragen gab es beim gestrigen OZ-Telefon-Forum zum Thema „Allergien – was tun?“
Viele Leserfragen gab es beim gestrigen OZ-Telefon-Forum zum Thema „Allergien – was tun?“ Quelle: Arno Burgi
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Rostock

Fast jedes vierte Schulkind in MV ist Allergiker. In den vergangenen zehn Jahre nahm im Nordosten vor allem die Allergiehäufigkeit außerhalb der Ballungsräume zu. Das erklärt das Gesundheitswissenschaftliche Institut der AOK Nordost. Die häufigste Erkrankung ist Neurodermitis, gefolgt vom sogenannten Heuschnupfen. Viele Leserfragen gab es beim OZ-Telefon-Forum am Mittwoch zum Thema „Allergien – was tun?“

Im vergangenen Jahr trat bei mir eine Sonnenallergie auf, nachdem ich in der Ostsee baden war. Worin liegen die Ursachen?

Das hat weniger mit dem Baden in der Ostsee zu tun, als mit Ihrem ersten Sonnenbad nach dem Winter. Wahrscheinlich liegt bei Ihnen eine sogenannte polymorphe Lichtdermatose vor. Das heißt, Sie entwickeln auf Ihrer blassen „Winterhaut“ mit der ersten Frühjahrssonne einen juckenden Ausschlag. Durch Sonnengewöhnung bessert sich diese übrigens im Laufe des Sommers.

Was kann man gegen Sonnenallergien tun?

Bei erhöhter Sonnenempfindlichkeit liegt nicht ein einzelnes Krankheitsbild vor. Sie kann verschiedene Ursachen haben. Einige Menschen reagieren mit einem juckenden Ausschlag auf Sonnenlicht. Oft liegen diesen Beschwerden innere Ursachen zugrunde. Dazu gehören Erkrankungen des Immunsystems und die Einnahme von Medikamenten. Deshalb ist es wichtig, dass man innerliche Ursachen ausschließt, da diese neben einem konsequenten Lichtschutz (Lichtschutzfaktor 50 plus) einer gesonderten Behandlung bedürfen.

Ich leide an einer Fruchtzucker- und an einer Milchzucker-Unverträglichkeit. Was kann ich tun?

Hier ist es zunächst wichtig, dass es sich um keine Allergie im eigentlichen Sinne handelt, sondern um einen Enzymdefekt für die Verdauung von diesen Zuckerarten. Das bedeutet, dass Sie sich von einem Internisten beraten lassen sollten. Hier werden spezielle Diät-Pläne erstellt und gegebenenfalls auch Enzyme gegeben, die bei der besseren Aufspaltung der Zucker helfen soll.

Besteht bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeit die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung?

Es gibt experimentelle Ansätze, die aber im klinischen Alltag noch nicht einsatzfähig sind.

Seit mehreren Monaten habe ich eine verstopfe Nase. Kann dies auch eine andere Ursache haben als eine Allergie?

Jawohl. Es gibt anatomische Veränderungen des Nasengerüstes, die zu einer behinderten Nasenatmung führen. Hier helfen natürlich keine antiallergische Behandlungen, sondern die weitere Abklärung durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt.

Macht es Sinn, spezielle allergologische Testverfahren, beispielsweise den Test gegen saisonale Allergene (Pollen), nach Jahren zu wiederholen?

In speziellen Fällen ist eine Wiederholung von allergologischen Testverfahren sinnvoll, da sich die Auswahl der Testsubstanzen in den Testverfahren über die Jahre verändert (zum Beispiel sind u. a. neu im Standard Platane und Brennnessel) oder verbessert hat.

Ich habe Heuschnupfenprobleme im Frühjahr. Was kann ich dagegen tun?

Bei Ihnen liegt also eine Frühblüher-Pollenallergie vor mit allergischem Fließschnupfen und juckenden Augen. Dafür empfiehlt sich zunächst eine symptomatische Behandlung, d.h. die Einnahme eines Antihistaminikums. Eine Tablette zur Nacht. Sollte dies nicht ausreichend sein, können antihistaminhaltige oder steroidhaltige Nasensprays oder Augentropfen verwendet werden. Damit aber kein allergisches Asthma entsteht, sollte bei stärkeren Beschwerden auch über eine Hyposensibilisierungsbehandlung also der einzigen ursächlichen Behandlung des Heuschnupfens nachgedacht werden.

Ich wohne im ländlichen Bereich und habe jetzt einen Heuschnupfen bekommen. Ich dachte immer, die Landbevölkerung sei davor geschützt.

In der Tat schienen früher Allergien bei der Landbevölkerung seltener zu sein. Neuere Untersuchungen belegen jedoch, dass Allergien auch im ländlichen Bereich zunehmen. Gründe dafür könnten eine zunehmende Umweltbelastung durch Schadstoffe sein, die auch den ländlichen Bereich nicht verschonen. Das heißt, dass die derzeit rund 20 000 bekannten Allergene aggressiver werden. Zum anderen scheint auch die städtische Lebensweise auf dem Lande zuzunehmen. Dass heißt, weniger Tierkontakt, weniger kinderreiche Familie und der verstärkte Gebrauch von Desinfektionsmitteln.

Ich habe seit längerem Rötungen und Juckreiz der Augenlider. Was kann das sein und was kann ich dagegen tun?

Aus allergologischer Sicht kann es grundsätzlich hier drei Ursachen geben. Zum einen kann eine innere Neigung zu Lidekzemen bestehen, im Sinne einer Minimalvariante der Neurodermitis. Zum zweiten kann eine echte Kontaktallergie vorliegen, z. Bsp. auf Kosmetika oder Pflegecremes. Und zum dritten und das ist die häufigste Ursache, kann einfach eine Hautreizung vorliegen, z. Bsp. durch trockene Raumluft, Klimaanlagen, Zugluft, Winterwetter. Die Behandlungsempfehlung lautet demnach, alles was die Hautreizen kann zu meiden. Es sollte eine rückfettende duftstoff- und konservierungsstofffreie Hautpflege betrieben werden. Und falls das nicht ausreichend ist, kann die Lidentzündung durch die kurzzeitige Anwendung von steroidhaltige Cremes unterdrückt werden.

Mein zwei Jahre alter Sohn hat Neurodermitis. Er leidet unter schlimmen Juckreiz und schläft kaum eine Nacht durch. Dies belastet unsere ganze Familie. Was können wir tun?

Entscheidend für den gesamten weiteren Verlauf der Erkrankung ist, dass man es sich bewusst macht, dass es sich um eine Hautkrankheit handelt, die aktuell nicht heilbar ist, aber durch gezielte Maßnahmen behandelbar ist. Hierzu gehört eine intensive Pflege der Haut und in Phasen der akuten Verschlechterung sind eventuell Cortisonpräparate nötig, um dem Kind eine Linderung des Juckreizes zu verschaffen. Dies ist deshalb so wichtig, dass das Kind Schlaf findet, um sein Leben mit der notwendigen Konzentration zu bewältigen. Ein Kind, was durchschläft, bringt für die gesamte Familie mehr Lebensqualität.

Würden Sie in diesem Zusammenhang zu einem Klinikaufenthalt raten?

Ja unbedingt. Denn in der Hautklinik erfolgen eine vielschichtige Diagnostik und Behandlung. Zugleich können die Eltern Maßnahmen erlernen, um mit dieser Krankheit im Alltag zu Hause besser umgehen zu können. Das stärkt im Ergebnis die Lebensqualität der gesamten Familie.

Mein Sohn (13) leidet an Neurodermitis. Unsere Tochter (3) hat Stellen an der Haut. Ist Neurodermitis erblich?

Ja. Die Veranlagung für Erkrankungen wie Neurodermitis, Pollenallergien und Asthma liegt auch in unseren Genen. Deshalb kommt es zur familiären Häufung. Allerdings existieren noch viele weitere Ursachen, zum Beispiel Umweltfaktoren. Deshalb muss man diese Probleme analysieren, um durch gezielte Meidungsstrategien Beschwerden zu reduzieren.

Kann ich durch Veränderung der Ernährung die Neurodermitis heilen?

Man kann sie nicht heilen, aber durch geeignete Ernährung eine Linderung hervorrufen. Konkret heißt das, bestimmte Allergene und Nahrungsbestandteile zu meiden, die zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen. Dies betrifft häufig Milch- und Nussprodukte.

Bei mir wurde im Pflastertest auf dem Rücken eine Kontaktallergie auf Perubalsam nachgewiesen. Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass Sie in Zukunft und dauerhaft den Hautkontakt mit der Substanz Perubalsam konsequent meiden müssen. Bei Perubalsam handelt es sich um ein öliges Harz. Es wird als Duftstoff u. a. in verschiedenen Pflegecremes eingesetzt. Sie müssen deshalb immer das Kleingedruckte, also die Inhaltsstoffe Ihrer Kosmetika beachten. Hier darf diese Substanz nicht enthalten sein. Sollten Sie erneut Kontakt mit Perubalsam haben, werden Sie etwa in zwei Tagen ein juckendes Ekzem an der Kontaktstelle entwickeln.

Würden Sie bei einer Neurodermitis zu einer Brot- und Wasser-Diät raten?

Nein, weil Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei der Neurodermitis eine eher seltene Rolle spielen.

Mich plagen Lidekzeme. Haben diese eine allergologische Ursache?

Ja. Lidekzeme treten zum Beispiel bei einer Hausstaubmilbenallergie auf. Eine allergologische Abklärung ist also sinnvoll, da dann Schutzmaßnahmen und spezielle Therapien gegen die Hausstaubmilbenallergie möglich sind.

Ich habe seit längerem Juckreiz am After. Kann das an einer Histaminallergie liegen?

Grundsätzlich gibt es keine Histaminallergie. Denn es handelt bei Histamin um einen Botenstoff, der die sogenannten Sofortallergien, die sich innerhalb weniger Minuten entwickeln können, auslöst. Dazu gehören Heuschnupfen, Asthma und Nesselsucht. Ihr Juckreiz am After wird jedoch nicht durch Histamin ausgelöst. Es ist zu vermuten, dass die Beschwerden durch Reizungen der Analhaut durch Stuhl oder Hämorrhoiden entstehen. Auch die Verwendung von Toilettenpapier mit Duftstoffen könnte eine Kontaktallergie hervorrufen, die ähnliche Beschwerden bereitet. Hier empfiehlt sich die Reinigung durch Wasser und das Verwenden weichen Toilettenpapiers.

Volker Penne