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Fit und Gesund (OZ-Serie) Künstliche Gelenke halten bis zu 20 Jahre
Thema F Fit und Gesund (OZ-Serie) Künstliche Gelenke halten bis zu 20 Jahre
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00:00 28.03.2017
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Wismar/Schwerin

Etwa fünf Millionen Bundesbürger leiden an einer Verschleißerkrankung der Gelenke, der sogenannten Arthrose. Am häufigsten betroffen sind Hände, Hüfte und Kniegelenk. Dr. Michael Biedermann, Chefarzt für Orthopädie bei den Helios Kliniken Schwerin, hat in einem Teleforum die Fragen von OZ-Lesern aus der Region Wismar und Grevesmühlen beantwortet. Hier ein Auszug.

Blick in den OP-Saal: Mehr als 2000 Operationen führen Dr. Michael Biedermann und sein Team jedes Jahr durch. Quelle: Fotos: Helios Kliniken/kerstin Schröder
Dr. Michael Biedermann, Chefarzt der Helios Kliniken in Schwerin.

Ich habe seit 13 Jahren eine künstliche Hüfte. Bisher hat sie sehr gut funktioniert. Doch seit einigen Wochen habe ich immer wieder Schmerzen. Woran kann das liegen?

Es könnte sein, dass sich die Prothese gelockert hat. Mit der Zeit können sich künstliche Gelenke in dem Bereich lösen, in dem sie befestigt wurden, weil sich Knochen um- und zurückbilden können. Mit einer Röntgen-Aufnahme lässt sich überprüfen, ob eine Lockerung vorliegt oder ob die Schmerzen doch eine andere Ursache haben. Sollte die Prothese nicht mehr richtig sitzen, kann sie ausgewechselt werden.

Ist eine Wechsel-Operation schwieriger?

Sie ist meist aufwendiger, weil nicht immer Standard-Prothesen verwendet werden. Wenn ein künstliches Gelenk ausgewechselt wird, muss das neue während der Operation dem aktuellen Knochen-Zustand angepasst werden. Manchmal müssen wir auch einen Knochendefekt auffüllen, damit das neue Gelenk wieder hält. Im Durchschnitt funktionieren künstliche Gelenke 15 bis 20 Jahre, manchmal auch länger.

Einem 60-Jährigen könnte ich also nicht versprechen, dass es die letzte Prothese in seinem Leben sein wird.

Wie wird ein künstliches Gelenk im Körper befestigt?

Es wird entweder im Knochen verklemmt, wenn es die Knochensubstanz ermöglicht. Oder das Gelenk wird mit einem speziellen Kunststoff „einzementiert“.

Wann ist eine Operation unumgänglich?

Operieren sollte man immer nur dann, wenn alle anderen Behandlungsmethoden erfolglos bleiben. Denn jede OP stellt ein gewisses Risiko dar. Deshalb rate ich auch von Operationen ab, wenn der Patient zwar einen Gelenk-Verschleiß, aber keine Schmerzen hat. Meine Überzeugung ist: Solange der Patient keine Schmerzen hat, muss er in der Regel nicht operiert werden. Gehen die Schmerzen aber trotz intensiver Behandlung nicht weg, kann eine OP nötig sein. Denn Schmerzmittel sollte man nicht über einen längeren Zeitraum in hohen Dosen einnehmen. Das kann zu vielen Nebenwirkungen führen.

Wie lange dauert die Operation?

Etwa eine Stunde lang. In Absprache mit dem Narkose-Arzt kann sich der Patient entscheiden, ob er eine Voll- oder eine Teilnarkose haben möchte. Bei letzterer handelt es sich um eine sogenannte Spinalanästhesie. Mit der lassen sich in kurzer Zeit große Körperbereiche betäuben, während der Patient bei vollem Bewusstsein bleibt. Auch können die Patienten einen Katheder mit kontinuierlicher Schmerzmittelgabe bekommen. Das heißt, wenn Sie wieder aufwachen, haben Sie keine Schmerzen.

Wie lange muss man nach der OP im Krankenhaus bleiben?

Etwa neun Tage lang. Früher waren es mal 21. Doch jetzt werden die Patienten frühzeitig mobilisiert, damit sie schnell wieder in Bewegung kommen.

Funktioniert ein künstliches Gelenk genauso gut wie ein natürliches?

Viele Patienten, die zu mir kommen, können sich kaum oder nur mit extremen Schmerzen bewegen. Nach der OP sind sie wieder rasch beweglich. Denn künstliche Gelenke funktionieren in der Regel hervorragend – sowohl in der Hüfte als auch im Knie und in der Schulter. Die Hüfte geht übrigens am häufigsten kaputt und vorwiegend bei Frauen. Am zweithäufigsten werden künstliche Knie-Gelenke eingesetzt, eher selten Schulter- Prothesen.

Kann man zu Ihnen in die Sprechstunde kommen?

Natürlich. Bitte mit telefonischer Voranmeldung auf Ein- oder Überweisung.

Viele Hüft-OPs

Der weltweite Umsatz mit künstlichen Gelenken beläuft sich auf etwa 44 Milliarden US-Dollar. Dabei beträgt der Marktanteil für Knie-Prothesen 49 Prozent und für Hüft-Prothesen 42 Prozent, während die übrigen Gelenke nur 9 Prozent ausmachen. Weltweit vertreiben fast 200 Unternehmen Endoprothesen, wobei die führenden zehn Unternehmen 94 Prozent des Marktes unter sich aufteilen.

Pioniere der Hüft-Endoprothetik in Deutschland waren in den 1960er Jahren Hans-Wilhelm Buchholz und Hans-Hermann Lubinus. Werden sowohl der Gelenkkopf als auch die Gelenkpfanne ersetzt, handelt es sich um eine Total-Endo-Prothese (TEP), wird nur der Kopf ersetzt, spricht man von Hemi-Endo-Prothese (HEP).

Notiert von Kerstin Schröder

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