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Fit und Gesund (OZ-Serie) Oft helfen einfühlsame Worte
Thema F Fit und Gesund (OZ-Serie) Oft helfen einfühlsame Worte
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00:00 31.03.2017
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Wolgast

Patienten aufnehmen, Medikamente und Essen reichen, Kranke waschen, ihnen zuhören und sie zu Untersuchungen begleiten . . . Seit 36 Jahren arbeitet Birgit Schergel im Kreiskrankenhaus Wolgast (Vorpommern-Greifswald). Die Krankenschwester kümmert sich auf der Station „Innere Medizin“ um bis zu 30 Patienten.

„Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, mit all meiner Kraft für die Kranken da zu sein“, sagt die 51-Jährige. „Ich möchte, dass sie sich hier wohlfühlen, und versuche, ihnen die Angst zu nehmen.“ Auch die Angehörigen betreut sie: „Viele von ihnen sind sehr besorgt – oft helfen dann beruhigende und einfühlsame Worte.“

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1981 begann Birgit Schergel , gebürtige Wolgasterin, ihre Ausbildung in der Klinik. „Eigentlich wollte ich Stewardess werden, aber das war in der DDR nicht so einfach. Und ich bin froh, dass es so gekommen ist und könnte mir heute nichts Schöneres vorstellen.“

Am liebsten arbeitet sie in der Frühschicht. „Ich bin zwar keine, die gerne früh aufsteht“, verrät sie. „Aber es ist schön, den Nachmittag für die Familie zu haben.“ Die Nachtschicht hingegen macht ihr zu schaffen. „Nachts ist man oft die einzige Schwester auf der Station“, sagt sie. „Die nächtlichen Zugänge steigen. Wer nachts eingeliefert wird, dem geht es meist sehr schlecht.“ Auch sonst habe sich der Job im Vergleich zu früher stark verändert. „Der bürokratische Aufwand steigt. Wir müssen viel mehr dokumentieren“, klagt Schergel. „Außerdem ist das Personal reduziert worden, und der Arbeitsaufwand steigt.“

Die Krankenschwester wünscht sich mehr Zeit für ihre Patienten. „Manchmal frage ich mich abends, ob ich alles gegeben habe“, meint sie. „Gerade bei den Älteren hätte ich gern mehr Zeit für Gespräche.“

Intensiv kümmert sich die Schwester unter anderem um Edeltraud Grewe (79), die seit vier Wochen auf der Station liegt. „Ich hatte Wasser in der Lunge und große Schmerzen“, sagt die in Benz auf Usedom lebende Frau. „Es geht mir aber wieder besser. Schwester Birgit hat immer ein gutes Wort für mich. Sie könnte meine Enkelin sein.“ Birgit Schergel, 28 Jahre jünger als die Patientin, lacht. „Ich freue mich, wenn die Kranken unsere Arbeit so wertschätzen“, sagt sie, während sie den Blutdruck bei Edeltraud Grewe misst. „Es ist schön, wenn man in den Arm genommen wird. Besonders wenn ältere Leute meine Hand nehmen und sich bedanken, rührt mich das.“ Birgit Schergel lächelt die Patientin an. „Puls und Blutdruck sind gut, und Fieber haben Sie nicht“, beruhigt sie die Seniorin.

Im Laufe der Jahre hat die Krankenhausangestellte auch traurige Situationen erlebt. „Da war beispielsweise eine Frau, die genauso alt war wie ich, mit Krebs im Endstadium hier“, erinnert sie sich.

„Eines Abends wollte sie, dass ich mich zu ihr setze und ihre Hand halte. Wenig später ist sie dann leider verstorben.“ Damals hatte Birgit Schergel gerade ihren Urlaub geplant. „Ich habe mich auf die Tour gefreut und für diese Patientin ging die Reise ganz woandershin – das ging mir nahe.“ Soetwas beschäftigt sie auch daheim.

Jemand, der seine Arbeit ebenfalls mit nach Hause nimmt, ist Uwe Wiese. Allerdings sind seine Probleme anderer Art. „Meine Frau sagt, dass ich immer ein neues Projekt brauche“, verdeutlicht der 57-Jährige. „Ich bastele und repariere für mein Leben gern.“ 1987 fing der Wolgaster als Elektriker im Krankenhaus an – als Nachfolger seines Vaters. Acht Jahre später wurde er hier Technischer Leiter.

Wiese trifft man oft in den Kellerräumen an – dem Herz des Hauses. Hinter dicken Brandschutztüren befinden sich dort unter anderem Stromverteiler, Heizungsanlagen und die Wasseraufbereitung. Im Computer-Raum können die Techniker alles überwachen.

„Tagsüber ist immer jemand hier. Nachts hat einer Bereitschaft. Störungsmeldungen gehen sofort über Handy ein.“ Sollte der Strom ausfallen, springt nach zehn Sekunden das Notstrom-Aggregat an.

„Dieses überbrückt 40 Stunden. Die Anlage testet sich einmal im Monat selbst und wird regelmäßig gewartet“, sagt der Experte. Er ergänzt: „OP-Saal und Intensivstation werden gesondert behandelt.

Dort gibt es eine Batterie, die im Notfall sofort einspringt.“

Rund 15 000 Kubikmeter Wasser sowie 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom seien im vergangenen Jahr verbraucht worden. „Der Stromverbrauch bleibt konstant. Zwar sind unsere Lampen energiesparender geworden, es kommt aber immer mehr Technik hinzu“, betont Wiese. „Diese erleichtert die Arbeit. Früher musste im Operationssaal noch das Fenster geöffnet werden. Heute gibt es dafür Kälte- und Lüftungsmaschinen.“

Der Wolgaster sieht weitere Vorteile gegenüber den Jahren, als er hier begann. „Seinerzeit hatten wir noch Kohlekessel. Die waren häufiger defekt und mussten zur Reparatur . Doch so ein Kessel wiegt sechs Zentner. Da haben ich und meine Kollegen beim Transport ganz schön geschwitzt.“

Im Keller lagern zudem Sauerstoff-, CO2- und Argon-Flaschen. „Argon ist ein Edelgas, das bei Operationen benötigt wird“, sagt der vierfache Großvater. „Wenn eine Flasche leer ist, bekommen wir sofort eine Meldung. Allerdings eilt es dann nicht. Es sind immer zwei Reserveflaschen angeschlossen.“

Auch für kleinere Reparaturen ist der Techniker zuständig. Während des Rundgangs durch das Haus klingelt fast ununterbrochen sein Mobiltelefon. „Alle Stationen können Aufträge auslösen – mal ist ein Lichtschalter defekt, mal zeigt der Spülautomat Fehler an, mal ist eine Toilette verstopft. Oder ein Schrank muss aufgebaut werden.“

Katharina Ahlers

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