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Fit und Gesund (OZ-Serie) Selbstheilungskräfte aktivieren!
Thema F Fit und Gesund (OZ-Serie) Selbstheilungskräfte aktivieren!
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00:00 28.03.2017
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Rostock

Als Dr. Stephanie Reiter vor gut zehn Jahren begann, im Klinikum Rostock-Südstadt Krebspatienten mit Naturheilverfahren zu behandeln, waren das Einzelfälle.

Schritt für Schritt baute sie diesen Bereich aus, der mehr und mehr nachgefragt wird.

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Bislang, so sagt sie, ist das Rostocker Krankenhaus das einzige in Mecklenburg-Vorpommern, in dem in der Onkologie Schulmedizin und Naturheilkunde Hand in Hand arbeiten. Doch sie hofft sehr, dass sich das ändert.

Als junge Assistenzärztin fing die in Boizenburg an der Elbe aufgewachsene Frau schon 1994 in der Südstadt an. Im Rahmen ihrer Facharztausbildung wechselte die Allgemeinmedizinerin für eine Weile in eine Praxis, bildete sich weiter in Akupunktur, Neural- und Chirotherapie und eignete sich auch die klassischen Naturheilverfahren an. Ihr Spezialgebiet ist die anthroposophische Medizin. Deren Grundlagen entwickelte der österreichische Philosoph Rudolf Steiner (1861-1925). Es handelt sich um eine europäische Variante der ganzheitlichen Medizin.

Als Stephanie Reiter nach ihrer Facharztausbildung ins Klinikum zurückkehrte, wünschte sie sich im Einstellungsgespräch mit Chefärztin Dr. Beate Krammer-Steiner, dass sie diese zusätzlichen Fähigkeiten auch anwenden dürfe. Noch heute ist sie froh, dass man ihr diese Möglichkeit gab.

„Was ich mache, ist keine alternative Medizin, sondern eine Ergänzung, eine begleitende Behandlung zu bewährten schulmedizinischen Methoden“, erklärt sie. Gerade in der Onkologie wurden in jüngster Zeit viele gute Therapien entwickelt, die aber oft erhebliche Nebenwirkungen haben. Diese zu lindern und damit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, sieht sie als eine Hauptaufgabe an.

Auf der Onkologischen Station bietet sie den Patienten zahlreiche naturheilkundliche Therapien an: Dazu gehören Leber- und Nierenwickel, Salben- und Öl-Auflagen, rhythmische Einreibungen, Akupunktur und spezielle Infusionen, die das Immunsystem stärken. Die Patienten erhalten mehr als 30 Behandlungseinheiten. Diese führen Kollegen verschiedenster Fachrichtungen aus, darunter Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten, Ernährungsexperten sowie Musik- und Kunsttherapeuten.

„Es geht darum, Körper, Geist und Seele stets als eine Einheit zu betrachten. Wir versuchen, die Selbstheilungskräfte des Patienten zu aktivieren und regen den Patienten an, selbst aktiv seinen Krankheitsverlauf beziehungsweise Genesungsprozess zu unterstützen“, verdeutlicht die Fachärztin.

Ein Ansatz von vielen ist dabei die sogenannte Ordnungstherapie. Dr. Stephanie Reiter ist überzeugt: „Unordnung macht krank. Wir versuchen herauszufinden, an welcher Stelle der Patient in Unordnung geraten ist und unterstützen ihn dabei, Dysbalancen wieder auszugleichen.“ Manchmal helfe es schon, einen festen Rhythmus in den Tagesablauf zu bringen, immer zur gleichen Zeit aufzustehen, zu essen und schlafen zu gehen.

In Zusammenarbeit mit Krankenschwester und Heilpraktikerin Sylvia Gropp berät und schult sie sowohl Patienten als auch deren Angehörige. Denn oftmals sind schon vermeintlich einfache äußere Anwendungen sehr hilfreich.

In einer Sprechstunde informiert die Oberärztin über ergänzende Krebstherapien, wie die altbewährte, von Steiner entwickelte Misteltherapie. Lange galt diese als kaum erforscht, doch jüngste Studien haben nun die lebensverlängernde und Lebensqualität verbessernde Wirkkraft dieser natürlichen Heilmethode bestätigt.

Ein Pharma-Unternehmen hat diese Methode gerade erst in sein Repertoire aufgenommen. „Damit setzt ein Konzern ein wichtiges Zeichen“, ist die Fachfrau sicher.

Um die Vorteile sowohl der klassischen Schulmedizin als auch der Naturheilkunde besser zu nutzen, hofft sie langfristig auf eine deutlich bessere Verzahnung der beiden. Ihr Wunsch: „Es müsste mehr Naturheilkundler in den Kliniken geben. Und es sollte zur Normalität gehören, dass sie dort gemeinsam mit den Fachärzten zum Wohle der Patienten arbeiten.“

Katja Bülow