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OZ-Kunstbörse Maler und Bildhauer Henning Spitzer: Formen zum Tanzen bringen
Thema K OZ-Kunstbörse Maler und Bildhauer Henning Spitzer: Formen zum Tanzen bringen
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08:44 25.09.2018
Henning Spitzer in seinem Güstrower Atelier. Er bekennt sich mit seinem Werk zu seinem Künstler-Vater Jürgen Weber. Quelle: FOTOS/REPROS: THOMAS HÄNTZSCHEL UND FRANK HORMANN/NORDLICHT
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Güstrow

Moulinette“ heißt dieser typische Schwung im Tango, bei dem die Partner ihre Becken aneinander reiben – und wohl auch ihre Seelen. Henning Spitzer hat das in einer gleichnamigen Bronzeplastik gestaltet, und die erinnert sehr an ähnliche Arbeiten des Rostocker Malers und Bildhauers Jürgen Weber.

Links: Moulinette (2014), Bronze 2/5, 29 cm hoch, Erstes Gebot 1200 Euro; Rechts: Hockende (2014), Bronze 1/5, 38 cm hoch, Erstes Gebot 1400 Euro

Tanz ist sein Thema

Zufall ist das nicht, man findet kaum einen zweiten Künstler in MV, der sich so entschieden zu seinem Lehrer bekennt. „Jürgen Weber ist für mich irgendwo der Vater, er hat mir so was wie einen Sinn gezeigt. Ich konnte nicht sagen, was es war. Aber er hat es in mir geweckt“, sagt der in Rostock-Lichtenhagen aufgewachsene Henning Spitzer, der seit 2010 Jahren mit Frau und vier Kindern in Güstrow lebt und dort im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus den einstigen Schulraum als Atelier nutzt. Im Fall des Tanzes sei das aber doch anders, lacht Spitzer: Tanz sei schon lange sein Thema, das Sinnlichkeit, Ausdruck und Lebendigkeit zusammenbringt, sagt der leidenschaftliche Tänzer. Mit der Erweckung zur Kunst fing das für Spitzer eher allmählich an. In der 5. Klasse wurde er „hingeschickt“, sagt er, vom Zeichenlehrer zum Malkurs von Waldemar Krämer am Rostocker Konservatorium.

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Malen und Zeichnen machten ihm Spaß, er machte Fortschritte und ging zum Studium an die Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm. Vier Jahre später absolvierte er sie als Formgestalter und arbeitete als Designer im Technologiezentrum Warnemünde. Eine spannende Arbeit, sagt Spitzer und erinnert sich an ein Projekt zur Leberdialyse, für das er Gerätedesign, Zubehör und grafische Gestaltung mit entwickelte. „Schon während des Studiums hatte ich diesen Jürgen Weber für mich entdeckt.“ Er ging regelmäßig zu ihm zum Zeichnen, habe das dann immer intensiver betrieben.

Momente im Strich erfassen

Die Untersuchung der menschlichen Figur im reflektierenden Zeichnen, beschreibt er diese Zeit und dass er heute ungefähr wisse, dass diese Lust stark von innen, vom Körper her komme: „Dass es also zu mir gehört und ich darin plötzlich eine Aufgabe sah.“ Dabei sei es ihm nie um die Nachbildung der Figur in einem imitativen Sinn gegangen, sondern: „ihr einen Klang zu entlocken.“ Etwa: „Die Energie aufzunehmen, die in einem Körper steckt.“ Daher die Vorliebe für ausdrucksstarke Haltungen, der Tanz als Thema.

Spitzer versuchte das in Zeichnungen zu reflektieren, vitale, schnelle Striche, intuitiv hinworfen, um die Dynamiken eines magischen Moments zu erfassen. Stapelweise Blätter macht er, viele verwirft er wieder. Und entdeckt in der Musik, die er als Sänger im Güstrower Domchor erlebt, Parallelen zur bildnerischen Arbeit: „Im Rhythmus, der mich auch beim Zeichnen interessiert, mit Ausdrucksstärke und Struktur, und im Legato, das die Strukturen fließend zusammenfügt.“ Bald weitete der Künstler seine Suche nach Lebendigkeit auf die Plastik aus. Er nennt Thomas Jastram und Michael Mohns als Anreger, schließt ein Aufbaustudium Bildhauerei bei Professor Bernd Göbel an der Burg Giebichenstein in Halle an – und modelliert. Seit acht Jahren nun Güstrow. Als Bildhauer in der Barlachstadt: Und die Ausstrahlung des berühmten Meisters beginnt zu wirken.

„Das ist ein Lebensideal, was ich hier so lebe.“

Nicht in Spitzers Stil, da bleibt er bei seinen lebhaften expressiv-klüftigen, durchlässig wirkenden Oberflächen. Aber als Sujet: Er sammelt Barlach-Fotos, liest dessen Werke und Briefe, kommt dem Meister näher. Und formt ihn in Plastiken.

All das zusammen – das offene Atelier, in dem zuweilen Frau Anja oder Jürgen Weber ein wenig mitarbeiten, das Zeichnen, Formen, Singen, Tanzen – Spitzer scheint glücklich: „Das ist ein Lebensideal, was ich hier so lebe.“ Vielleicht kann der Betrachter seiner Werke etwas davon spüren.

Zur Person

Henning Spitzer wurde 1971 in Greiz geboren. Er wuchs in Lichtenhagen auf. Als Schüler begann er in der Malklasse des Rostocker Konservatoriums bei Waldemar Krämer. 1991 bis 1995 Studium in Heiligendamm, FH-Diplom Produktdesign, danach freiberufllich als Designer. 1993 bis 2001 Aktzeichnen bei Jürgen Weber.
Beginnende Auseinandersetzung mit Figürlich-Plastischem, u.a. beraten durch die Bildhauer Thomas Jastram und Michael Mohns. 2001 bis 2003 Bildhauerklasse bei Prof. Bernd Göbel auf Burg Giebichenstein in Halle. Rückkehr nach Rostock und erneute Zusammenarbeit mit Jürgen Weber. 2010 Umzug nach Güstrow.

Wiesenstrauß (2013), Öl auf Leinwand 100 x 70 cm, Erstes Gebot 650 Euro
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