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OZ-Kunstbörse Broder Burow aus Kaarz: Kunstwerke aus Naturmaterial
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13:21 27.09.2019
Border Burow in seiner Werkstatt in Kaarz Quelle: Thomas Häntzschel / nordlicht
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Kaarz

Diese Arbeiten leben. Schichten von wolkenförmigen Ringen aus Holz hat Broder Burow zusammengeleimt, aber nicht einfach hintereinander, sondern Stück für Stück versetzt, so dass ein Gebilde mit weichen Formen entstand, das sich durch den Raum zu bewegen scheint, wie die Wirklichkeit gewordene Schöpfung eines fantasievollen Computergrafikers.

Oberflächen, Schichten sind Themen von Broder Burow. Neuerdings bearbeitet er Multiplex-Sperrholz-Platten mit Kettensäge oder Trennschleifer, legt die verschiedenen Ebenen des Materials frei, so dass sich Landschaften ergeben, kleine Berge und Täler. Von fern sehen diese Arbeiten aus wie Zeichnungen, von nahem wie Reliefs, Miniaturwelten, weich geschwungen oder scharfkantig.

Symbiose aus Kunst und Handwerk

Bei Broder Burow gehen Kunst und Handwerk zusammen. Wobei die handwerklich versiert vorgenommenen Veränderungen und Eingriffe im Lauf der Jahre immer mehr das Zweckmäßige hinter sich gelassen haben. Die Arbeiten sind abstrakte Arbeiten im Raum, die Umgebung bestimmend oder gar verändernd.

Arbeiten von Broder Burow

Das sah früher anders aus. Broder Burow wurde 1949 geboren. Er wuchs in Lindholm, Nordfriesland auf. Die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark war in kultureller Hinsicht fließend. Burow besuchte eine deutsch-dänische Schule. Seine Nationalität allerdings ist deutsch.

„In Richtung Kunst hatte ich damals keine Ambitionen“

Nach der Schule entschloss er sich, in der heimatlichen Region zu bleiben. Er lernte den Beruf des Tischlers. „In Richtung Kunst hatte ich damals keine Ambitionen“, erinnert er sich. „Sonst hätte ich gleich Kunst studiert.“ Burow wolle mit Holz arbeiten. „Ich habe immer viel geschnitzt und gebastelt.“ Allerdings war der reine Tischlerberuf dann doch nicht genug. In den 1980er Jahren leistete Burow seinen Ersatzdienst und absolvierte am Bodensee eine Ausbildung zum Heilerzieher.

Allerdings zog es ihn danach wieder zurück zum Holz. Burow ließ sich zum Drechsler ausbilden, um mit den erworbenen und lange eingeübten Fertigkeiten als Kunsthandwerker zu arbeiten. Damals fertigte Burow vor allem Gefäße. Er besitzt nicht mehr viele Objekte aus dieser Zeit. Seine Dosen und Schalen waren begehrt. Kein Wunder: Eine kleine dunkelbraune Holzdose, die er in seinem Haus in Kaarz aufbewahrt, ist ein wunderbar glattes, geradezu organisches Stück mit zartem Deckel, mit hauchzartem, dunklerem Holz ausgekleidet. Deckel und Gefäß schmiegen sich ganz natürlich aneinander.

Arbeiten entfalten über die Jahre eigene Dynamik

So beweglich seine Objekte erscheinen, so agil ist auch der Mensch Broder Burow. Anfang der 1990er Jahre hängte er sein perfektionistisches Kunsthandwerk an den Nagel. Damals lebte er in Hannover und begann, sich mit freier Kunst zu beschäftigen. Schmeichelnde oder kantige Formen, zusammengesetztes Material entfalteten seitdem immer mehr ihr Eigenleben. Wobei die Werke von Broder Burow über die Jahre eine ganz eigene Dynamik entfalteten. „Ich mache immer da weiter, wo ich aufgehört habe“, sagt er. Ein Werk baut aufs vorherige auf, Stillstand gibt es nicht, jede Form, jede Idee wird weiterentwickelt.

In Hannover lernte Broder Burow – sein Vorname bedeutet auf Friesisch „Bruder“ – die aus Kroatien stammende Künstlerin Ruzica Zajec kennen, die mit ihren lichten Glasskulpturen einen geradezu konstruktivistischen Gegenpart zu den naturverbundenen Arbeiten Burows bildet. Als Paar wollten sich die beiden niederlassen. Friesland schied aus („Im Sommer ist es schön, aber im Winter ist es trist!“), sie entschieden sich für den kleinen Ort Kaarz bei Sternberg. Mecklenburg lag nahe, denn Burows Vorfahren kommen offenbar aus der Gegend. Eigentlich war Mecklenburg der Beginn von Burows Karriere ausschließlich als Künstler.

Künstlerpaar aus Kaarz

Die Kunstszene des Landes nahm das Paar freundlich auf, Burow wurde Mitglied im Künstlerbund. Ausstellungen folgten, für die der Friese seine eigenwilligen Skulpturen entwarf, klein und filigran, oft auch raumfüllend. Bald organisierten Ruzica Zajec und er eigene Ausstellungsprojekte: Den Schlosspark von Kaarz machten sie zur Freilicht-Galerie. Jeden Sommer laden sie befreundete Künstlerinnen und Künstler ein, um temporäre Kunstwerke zwischen Bäume und Büsche zu bauen. „Mich interessiert die Form. Mein Ziel ist es, in jedem Werk eine bestimmten Ausdruck über die Form zu gestalten“, sagt Burow.

Zur Person

Broder Burow wurde 1949 in Lindholm in Nordfriesland, Schleswig-Holstein geboren. In den 60er Jahren absolvierte er eine Ausbildung zum Tischler, in den 70ern zum Drechsler und arbeitete dann viele Jahre in eigener Werkstatt. Burow lebt und arbeitet in Kaarz, Mecklenburg-Vorpommern.

Seine Werke waren bereits in zahlreichen Ausstellungen in ganz Deutschland, in den USA und in Kroatien zu sehen. Außerdem befinden sich seine Werke in mehreren wichtigen Sammlungen. Zuletzt kaufte das Land Mecklenburg-Vorpommern mehrere Arbeiten von Broder Burow an.

Allerdings geht es dabei nicht um ganz konkrete Situationen. Seine Werke bleiben abstrakt. „Aber die Umgebung und das, was um mich herum passiert, spielt natürlich mit hinein.“ In Bezug auf den Bedeutungsspielraum seiner Arbeiten möchte er sich nicht festlegen. „Die Betrachter sollen selber sehen und ihre Fantasie arbeiten lassen.“

Es stimmt nicht ganz, dass Broder Burow das rein zweckgerichtete Handwerk hinter sich gelassen hat. Auf dem Hof neben dem langgestreckten Backsteinhaus steht ein Trailer mit einem kleinen Boot aus glänzend lackiertem Holz. Broder Burow hat es selber gebaut, ein kleiner Segler, mit dem Ruzica Zajec und er auf Gewässern in der Nähe unterwegs sind.

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