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OZ-Kunstbörse Grafiker Christoph Chciuk: Abstrakte Welten aus Papier
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13:14 27.09.2019
Künstler Christoph Chciuk in seinem Atelier in Rostock Quelle: Thomas Häntzschel
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Rostock

Die Arbeiten von Christoph Chciuk sind filigran und äußerst kleinteilig. Es sind abstrakte Welten, geformt aus Kreisen und Ellipsen, versehen mit verschachtelten Gebäuden und kunstvoll konstruierten Türmchen. Bevölkert sind sie von fantastischen Gebilden, die an Schnecken und Seepferdchen erinnern.

„Was dort drinsteckt, ist immer die Spinnerei von Städten, von Welten, von älteren Kulturen“, sagt Chciuk und lacht. „Das kann eine Figur mit Kopfschmuck sein, aber auch abstraktere Dinge wie Mikroorganismen, die anfangen zu wachsen, bis hin zum Menschen.“

Arbeiten von Christoph Chciuk

Bei seinem Versuch, künstlerisch eine Art Evolution darzustellen, bedient sich der 40-Jährige einer stets wiederkehrenden Ornamentik – also symbolisch aufgeladener, abstrakter Muster – und einer speziellen Technik: dem Papierschnitt.

„Ich kann mich über das Grafische definieren“

Einen Zugang zur Kunst fand Chciuk schon früh: „Das war eigentlich ein Kindheitswunsch“, sagt er. „Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Grafische liegt und dass ich mich darüber definieren kann.“ Angefangen habe er mit stark abstrahierten Füllerzeichnungen. „Als Teenager in den 90er hatte ich meine erste Ausstellung“, sagt er. „Damals wusste ich, dass ich Künstler werden will, aber nicht, welchen Weg ich dafür einschlagen muss.“

Nach der Schule sei er über Umwege schließlich doch wieder zur Kunst gekommen. Er besucht Kurse an der Kunstschule Rostock und studiert 2003 an der Rostocker Technischen Kunstschule (RTK) Grafikdesign mit Fachrichtung Illustration. „Dort habe ich das erste Mal Künstler kennengelernt, die den Beruf trotz aller Schwierigkeiten auch leben und die mich künstlerisch gefördert haben“, sagt Chciuk. Heute gehört der 40-Jährige selbst zu den Vorstandsmitgliedern des Kunstvereins zu Rostock und begleitet als Dozent an der Kunstschule Rostock Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf ihrem kreativen Weg.

Eigene Papierschnitttechnik entwickelt

„Nach dem Studium habe ich auch versucht, meine eigene künstlerische Ebene zu finden, meine Technik, meine Inhalte“, erinnert sich Chciuk. Über den Holzschnitt kam er zur grafischen Arbeitsweise. „Und dann habe ich eine Papierschnitttechnik entwickelt, die ich über Jahre verfeinert habe“, erzählt er. Dafür ist Chciuk inzwischen bekannt in Rostock.

Eine Zeit lang arbeitet er sehr farbig und widmet sich Tieren wie Vögeln und vor allem Käfern. Nach originalen Vorlagen fügt er Papierschnitte zu zoologischen Collagen zusammen. So entstanden zahlreiche Reihen. „An den Käfern hat mich fasziniert, dass sie so variationsreich sind“, sagt Chciuk. „Und es sind unglaubliche architektonische Meisterwerke.“

Schwebende Ornamentalkunst

Ein weiterer Bereich ist Chciuks schwebende Ornamentalkunst: farbige Cutterschnitte, die der Künstler zwischen zwei Glasscheiben fixiert und so eine Illusion von Räumlichkeit schafft. „Das Motiv könnte ein Mikroorganismus sein oder ein Fabelwesen. Letztlich ist es eine Fantasterei“, sagt er.

Chciuks Arbeiten sind fragmentarisch und offenen, sie lassen jede Menge Deutungsspielraum. „Das Gehirn sucht ja ständig nach bestimmten Mustern und will eine Sache vervollkommnen. Die Idee der klassischen Moderne und auch meine Intention ist es, dass der Betrachter das Bild zu Ende denkt“, so Chciuk.

Zur Person

Christoph Chciuk wurde 1978 in Rostock geboren und ist in der Hansestadt aufgewachsen. Nach Kursbesuchen in der Kunstschule Rostock studierte er 2003 an der Rostocker Technischen Kunstschule. Seit 2005 ist er Dozent an der Kunstschule Rostock, 2009 wurde er in den Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. Seit 2013 ist Chciuk Mitglied im Vorstand des Kunstvereins zu Rostock. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Rostock, seit 2018 gehört er zur Ateliergemeinschaft „Jung und Bock“ im „Studio 36“ in der Rostocker KTV.

Vor zwei Jahren hat der 40-Jährige auch die Malerei wieder für sich entdeckt, die er selbst als expressionistische Farbflächenmalerei bezeichnet. Doch selbst in der Malerei bleibt er der Grafik verhaftet. Er konstruiert Flächen und Linien, sucht nach Gegensatzpaaren oder Entsprechungen und letztlich nach grundlegenden Gesetzmäßigkeiten in der Gestaltung. „Auch wenn meine Malerei abstrakt ist, sie ist ebenfalls eine Auseinandersetzung mit der Natur“, sagt Chciuk.

„Ich möchte mit meinen Arbeiten Geschichten erzählen“

Seit 2007 arbeitet der Künstler freischaffend, nach einigen anderen Standorten hat er 2018 in der Ateliergemeinschaft „Jung und Bock“ mit dem Grafiker Robert Jung und dem Künstler Christoph Knitter im „Studio 36“ in der Rostocker KTV sein künstlerisches Zuhause gefunden.

Vieles hat Chciuk autodidaktisch erlernt. Inspiriert werde er unter anderem von Wassily Kandinsky, Paul Klee, den Landschaftsbildern von Gabriele Münter, aber auch von regionalen Künstlern wie Thomas Jastram und Malte Brekenfeld. „Der spinnt auch Welten und baut Städte“, sagt Chciuk über Letzteren. „Es geht um die Idee, mit Kunst auf der Fläche eine freie Welt zu bauen, eine Fantasie der Wirklichkeit“, sagt er. Denn egal, ob mehr oder weniger abstrakt: „Letztlich habe ich den Wunsch, mit meinen Arbeiten eine Geschichte zu erzählen.“

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