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OZ-Kunstbörse Maler Henry Walinda: „Kunst ist wie eine Flaschenpost“
Thema K OZ-Kunstbörse Maler Henry Walinda: „Kunst ist wie eine Flaschenpost“
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13:24 27.09.2019
Der Maler Henry Walinda (62) lebt und arbeitet in seinem Haus in Lischow zwischen Wismar und Neubukow. Zur Kunst kam der gelernte Baumaschinist über Umwege.
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Lischow

Eine kleine Anekdote steht für das, was das Selbstverständnis des Künstlers insgesamt ausmacht. „Manchmal fragt mich jemand: Kannst du eigentlich von deiner Kunst leben?“, berichtet der Künstler. „Dann sage ich: Ohne Kunst kann ich jedenfalls nicht leben.“ Das ist ein Ausdruck dafür, wie stark die Kunst dem Schaffenden ein Bedürfnis sein kann, wie eng und doch harmonisch sich dann Leben und Schaffen miteinander verzahnen.

Henry Walinda lebt heute mit seiner Frau im kleinen Dörfchen Lischow, nördlich der Bundesstraße 105, etwas abseits zwischen Neubukow und Wismar. Unten im Haus betreibt Walindas Frau eine Arztpraxis, sie wohnen hier natürlich auch, unter dem Dach verfügt der Künstler über ein großes Atelier.

Arbeiten von Henry Walinda

Dort ist viel Platz, da widmet sich Henry Walinda seinen Arbeiten, die manchmal ganz intuitiv entstehen. Sie tragen assoziationsreiche Titel, wie „Hier kommt die Braut“ oder „Eisvogelpaar“. Die tiefere Bedeutung im zuweilen Rätselhaften kann der Betrachter selber erspüren, manchmal muss es der Künstler auch, der sich bei der Arbeit auch von klassischer Musik inspirieren lässt.

Auf Umwegen zur Kunst

Zur Malerei kam Henry Walinda über einige Umwege, obwohl das tiefere Bedürfnis schon immer da war. Er hat schon immer gemalt und gezeichnet. Bereits als Walinda in Grevesmühlen, wo er aufwuchs, den Beruf eines Baumaschinisten erlernte und das Leben zunächst eine andere Wendung zu nehmen schien, war das so: Die Kunst begleitete Henry Walinda.

Auch später in seinem etwas verschlungenen Lebenslauf, als er zum Beispiel sechs Jahre als Krankenpfleger in der Psychiatrie in Berlin-Buch arbeitete, später auch in der Berliner Charité. Diese Stationen gehörten durchaus zur Schule des Lebens dazu, was sich später im Werk widerspiegeln sollte, ob bewusst oder unbewusst, vielleicht schlug es sich auch völlig abstrakt nieder.

Das Künstlerische lief also zunächst neben der täglichen Arbeit her. Werke von Henry Walinda wurden bereits im Jahr 1988 in Berlin ausgestellt, aber so richtig ernst wurde es mit der Kunst erst nach der Wende von 1989/90. Henry Walinda studierte in Leipzig von 1993 bis 1996 an der Universität Leipzig und dem Institut für Kunstpädagogik Malerei bei Gero Künzel und Grafik bei Hans Rosmannit. Es folgten zahlreiche Ausstellungen, unter anderem Leipzig, Fulda, Meinungen, auch im indischen Benares, wo Henry Walinda 2002 eine Dozentur an der University of Fine Arts innehatte.

2006: Der Weg zurück nach Mecklenburg

Nach einer Lebensetappe in Würzburg, wo Henry Walinda ebenfalls seine Werke ausstellte, dann die Rückkehr in den Norden. Seit 2006 liegt der Lebensmittelpunkt von Henry Walinda in Lischow, das Dörfchen liegt auf halbem Wege zwischen Bundesstraße und Ostseeküste. Das geräumige Haus wurde übrigens von seinen neuen Eigentümern in jahrelanger Arbeit saniert, da steckt richtig Arbeit drin.

Die relative Abgeschiedenheit des Hauses scheint ein Teil des Lebenskonzepts von Henry Walinda zu sein. Seine Werke sieht der Künstler in einer metaphorischen Weise wie eine Flaschenpost, um in Kontakt mit der Außenwelt zu treten. „Und auch um verstanden zu werden“, sagt Henry Walinda, „also um Gleichgesinnte zu erreichen.“

Zur Person

Henry Walinda wurde 1957 im sächsischen Wilkau-Haßlau geboren und wuchs in Grevesmühlen auf. Er erlernte den Beruf eines Baumaschinisten. In den 1980er Jahren lebte Henry Walinda in Berlin und arbeitete dort unter anderem als Krankenpfleger. Erste Ausstellungen hatte er 1988 in der Berliner Friedenskirche. 1993 bis 1996 studierte Henry Walinda in Leipzig Grafik, danach bis 2007 Malerei bei Gero Künzel. Es folgten zahlreiche weitere Ausstellungen, unter anderem in Fulda, Nürnberg und Würzburg. Heute lebt Henry Walinda im mecklenburgischen Lischow.

Diese Form der Kommunikation hat sich offenbar bewährt, die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt gelingt gut, weiß der Künstler inzwischen. Denn ein Austausch über die Kunst ist schnell geschaffen, so die Wahrnehmung von Henry Walinda. „Die Kunst scheint da ein guter Filter zu sein“, sagt er erfreut und etwas listig zugleich. Gerade auf Ausstellungen merkt der Künstler, dass die Chemie zu stimmen scheint, „da sind einfach die richtigen Leute da“, im besten Fall ergeben sich daraus sogar haltbare Freundschaften.

Kunst, die manchmal spontan entsteht

Dabei ist seine Motivik gar nicht so einfach, aber die Vieldeutbarkeit hilft, um ins Gespräch zu kommen, die „Flaschenpost“ ans Ziel zu bringen. Das Abstrakte und Halbabstrakte liegt Henry Walinda, er arbeitet mit Ei-Tempera oder mit Öl, die er auf die Leinwand bringt – was folgt, ist oft ein spontaner Schaffensvorgang, in dem sich alles später fügt, selbst für den Künstler manchmal überraschend.

Es ist nun ein recht umfangreiches Werk entstanden, das bereits auf einer Vielzahl von Ausstellungen zu sehen war. Erwähnenswert sind auch die Arbeiten, die Henry Walinda unter dem Titel „Malerei trifft Poesie“ als visuelle Begleitung zu Gedichten des schwedischen Literaturnobelpreisträgers Tomas Tranströmer (1931-2015) schuf. Die Malerei ist nicht genug, nebenbei verschafft sich Henry Walinda einen kreativen Ausgleich, der ebenfalls künstlerischer Natur ist, als Schlagzeuger in einer Hobbyband nämlich.

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