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OZ-Kunstbörse Malerin Kathrin Harder: Energische Formen füllen die Fläche
Thema K OZ-Kunstbörse Malerin Kathrin Harder: Energische Formen füllen die Fläche
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13:19 27.09.2019
Kathrin Harder in ihrem Atelier in Eichwalde Quelle: Thomas Häntzschel
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Rostock/Eichwalde

Mit kühnem Schwung bewegt sich die dunkle Form von rechts nach links durch die Bildfläche. Dreht einen halben Bogen und verebbt dann auf dem Weg zurück. Ein Pflanzentrieb, der vom Licht angelockt in die Gegend wächst? Oder der Fangarm eines größeren, nicht sichtbaren Ungeheuers?

Eine Vielzahl von Assoziationen kann das einfache, gleichwohl komplexe Bild von Kathrin Harder auslösen. Obwohl es abstrakt bleibt, entsteht der Eindruck, etwas Lebendigem beim Wachsen zuzusehen, eine natürliche Form zu beobachten.

Inspiriert von der gewachsenen Form

Das ist durchaus im Sinne von Kathrin Harder. Die Künstlerin, die in Graal-Müritz bei Rostock aufwuchs und in Greifswald Kunst studierte, war in früheren Jahren oft und gern in der Natur unterwegs, um zu malen und zu zeichnen. Als Pleinair-Künstlerin ließ sie sich von der gewachsenen Form inspirieren, bewegte sich dann aber mehr und mehr weg von der konkreten Landschaft.

Arbeiten von Kathrin Harder

Sie wuchs hinein in eine ebenso eigenständige wie eigenartige Welt, die sie selber erschuf. Vor hellem oder dunklem Hintergrund entfalten sich da Armeen von kleinen Strichen, Stück für Stück mit Ölsticks aufs Papier gebracht, die Fläche in unüberschaubarer Menge füllend, konzentriert an einem Ort, während andere Teile des Malgrundes unbedeckt bleiben. „Ich arbeite bewusst mit Leerstellen“, sagt Kathrin Harder. „Ihnen kommt die gleiche Bedeutung zu wie den gezeichneten Stellen, das ist nicht nur ein frei gebliebener Rest.“

Spiel mit Gegensätzen

Dieses Spiel mit den Gegensätzen verfolgt Kathrin Harder auf eine bewunderungswürdige Weise, die mit der Zeit immer mehr Freunde findet. Im vergangenen Jahr überzeugte sie die Jury des Rostocker Kunstpreises. Zunächst setzten sich die Werke gegen die der rund 80 Mitbewerber durch, und auch in der Endrunde der Finalisten bekamen sie die meisten Sympathien. Die Jury sprach der 1969 geborenen Künstlerin den mit 10 000 Euro dotierten Preis zu.

Dabei war Kathrin Harders Weg in die Kunst kein geradliniger. Mit 16 Jahren verließ sie die Schule, um in Schwerin eine Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren. Das anschließende Studium der Germanistik und Kunst trat sie eigentlich auch als künftige Pädagogin an. Während des Studiums absorbierte sie die Kunst dann aber vollständig, so dass Kathrin Harder von Greifswald nach Berlin und nach Dresden ging, um Meisterschülerin bei Max Uhlig zu werden. Nach dem Studium begann sie ein Leben als freie Künstlerin. Heute kehrt sie regelmäßig an die Uni Rostock zurück – als Dozentin.

„Ich bin eine Grenzgängerin“

Was sind diese Bilder überhaupt – Malerei oder Zeichnung? „Das ist schwer zu entscheiden“, sagt Kathrin Harder, die mit Mann und Tochter in Eichwalde im Süden von Berlin lebt und in ihrem Atelier regelmäßig Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. „Ich bin eine Grenzgängerin.“ Tatsächlich komme sie von der Zeichnung, aber Elemente der Malerei, mit dem Pinsel gemalte Flächen, finden sich ebenso in ihren Bildern wie die stark zeichnerischen Elemente. Doch Genre-Grenzen sind nicht das Thema von Kathrin Harder.

Ein Wort, das sie häufig nutzt, ist: Energie. Am Anfang ihrer Arbeit steht immer eine Kraft, ein Elan, ein Wille, die Fläche zu gestalten. So sind es Stimmungen oder Zustände, aus denen bestimmte Formen erwachsen und sich ausbreiten. Einen Plan für die jeweiligen Arbeiten gibt es nicht, vielmehr orientieren sich neue Werke eher an vorherigen, nehmen deren Schwung auf oder grenzen sich von ihnen ab. Früher zeichnete Kathrin Harder viel mit Kohle, aber weil diese so sensibel und vergänglich ist, wechselte sie zu Ölkreiden oder den Ölsticks.

Zur Person

Kathrin Harder wurde 1969 in Rostock geboren, absolvierte von 1993 bis 1996 ein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und danach ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Sie war Meisterschülerin bei Max Uhlig. Harder lebt und arbeitet in Eichwalde bei Berlin. Sie bekam mehrere Preise und Förderungen, wie das Hegenbarth-Stipendium (1999), den Kunstpreis „Spektrale“ (2004) und den Brandenburgischen Kunstpreis (2008). Sie ist in vielen Ausstellungen vertreten.

2018 bekam Harderden mit 10 000 Euro dotierten Rostocker Kunstpreis, der mit dem Ankauf eines Werkes durch die Kunsthalle verbunden war.

Aktuell arbeitet die Künstlerin in Serien. Die neue, aus der auch die Arbeiten der Kunstbörse stammen, heißt schlicht: „108“. Zahlensymbolik spielt eine große Rolle bei Kathrin Harder. Die drei Zahlen 1-0-8 haben jeweils besondere Bedeutungen im Buddhismus, erklärt sie, wobei 1 und 0 als Anfang und Ende oder Vor und Zurück am allermeisten ihrer Art zu arbeiten entsprechen.

Nachvollziehbar, wenn in ihren Bildern zahllose kleine Striche nebeneinander oder gegeneinander stehen, zusammen ein großes Ganzes ergeben, das wiederum im Kontrast zu den schlichten, einfarbigen oder gänzlich freigelassenen Flächen steht. Meditation und Yoga, Konzentration und Reflexion. Der „Fangarm“ schließlich, auf bläulich schimmerndem Grund, deutet nicht zufällig die Form einer „8“ an, Zeichen für Unendlichkeit. Auch passend zu diesen energiereichen, filigranen Kunstwerken.

Die Serie ist übrigens auf insgesamt 108 Arbeiten angelegt. Ob es tatsächlich dazu kommt, weiß Kathrin Harder heute noch nicht. Aber etwas Ungewissheit ist ja auch Bestandteil der Kunst.

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