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OZ-Kunstbörse Malerin und Grafikerin Anja Weyer: Kunst mit Langzeitwirkung
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13:39 27.09.2019
Anja Weyer in ihrer Ateliergalerie in Wismar Quelle: Thomas Häntzschel
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Wismar

Hier ist alles unter einem Dach: Vorn im Haus die Galerie, hinten raus das Atelier, die Wohnräume oben. In der Wismarer Altstadt hat Anja Weyer ein Refugium, das aber auch Kunstinteressierten zugänglich ist, zu den Galerieöffnungszeiten jedenfalls. Hier arbeitet die Künstlerin, bringt Acryl-Arbeiten auf das Blatt, widmet sich auch Linolschnitten. Das Haus ist ein Beispiel dafür, dass bei Anja Weyer alles zusammengehört. Oder sich irgendwann einfach fügt.

Rückblende: Eine wichtige Prägung kam früh und sie hatte eine Langzeitwirkung. Denn bereits als Kind wurde Anja Weyer eine künstlerische Förderung zuteil, die sich später auszahlen sollte, das war noch zu DDR-Zeiten. Sie wuchs in Wismar auf, ging hier nicht nur zur Schule, sondern bekam nach der Schule Unterricht im Fach Bildende Kunst bei Hans Mühlemann, das ist in Wismar ein bekannter Name. Ein gutes Beispiel für Begabtenförderung. „Das lief bei mir von der zweiten bis zwölten Klasse“, erinnert sich die Künstlerin.

Blick geschärft und Techniken erlernt

Damals wurden nicht nur die handwerklichen Grundlagen gelegt, auch der Blick wurde geschärft. Einmal in der Woche trafen sich die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen zum gemeinsamen Üben in der Musikschule von Wismar. Manchmal ging es auch zum Malen hinaus ins Freie, auch, um Naturstudien zu betreiben. Auch der Umgang mit den verschiedenen Techniken wurde gelehrt, Bleistift, Kreide oder Kohle.

Arbeiten von Anja Weyer

Es war eine prägende Erfahrung, die sich später auszahlen sollte. An den Lehrer Hans Mühlemann denken offenbar heute noch viele Wismarer Kinder in Dankbarkeit zurück. Auch Anja Weyer konnte diesen Impuls später wieder aufgreifen, als sie selbst Kurse gab und ihre Wissen und ihre Fertigkeiten an andere weitergeben wollte. Auch in dem wichtigen Punkt, eigene Kreativität zu entdecken, dem Hauptantrieb eines jeden Künstlers.

„Ich habe immer gemalt“

Die handwerklichen Grundlagen waren also gelegt, die künstlerische Sensibilität war ohnehin da. Zunächst schlug Anja Weyer aber einen anderen Weg ein. Es folgte ein Architekturstudium in Weimar, in dem das Zeichnen eine ganz andere Stellung hat, in einer untergeordneten, in einer dienenden Funktion.

Doch auch in der Welt der Architektur verlor Anja Weyer nie ihre Passion. „Ich habe immer gemalt in den Jahren“, sagt sie heute. Ihre Motive: Natur, Flora, Fauna und Menschen, so kann man es auch heute an ihren Bildern ablesen.

Die Arbeiten von Anja Weyer sind von einer großen Variabilität. Manchmal, so wie in ihren „Wellen“-Collagen, sind widersprüchliche Elemente gegeneinandergesetzt, vorn die Wildheit des Meeres und dahinter eine streng geordnete Welt als Malhintergrund. In diesem Fall sind es herausgetrennte Seiten aus einem alten Lexikon, die Anja Weyer als Grundlage für diese Werke verwendet hat.

Ist das Landschaftsmalerei?

Und das Wasser, genauer: das Meer, scheint eine besondere Faszination auf die Künstlerin auszuüben. „Das ist schon seit Millionen von Jahren so“, sagt sie nachdenklich und schaut auf die Brandung, die sie in ihrem Werk festgehalten hat. Die Ewigkeit schaut da ein bisschen aus dem Blatt.

Ist das Landschaftsmalerei? Irgendwie schon, das Meer ist ja auch eine Landschaft. Eine, die sich stets verändert und trotzdem gleich bleibt. Der Linolschnitt „Elke“ wiederum zeigt eine ganz andere künstlerische Sprache, die ist viel klarer und strukturierter, so verlangt es auch das verarbeitete Material. Und in diesem Motiv schwingt auch ein bisschen Trotzigkeit und Selbstbewusstsein mit, wie so oft, wenn sie Frauen porträtiert.

Lieblingsmotive: Natur, Flora, Fauna und Menschen

Der Lebenslauf von Anja Weyer verlief am Anfang ein bisschen abseits der Kunst. Denn die Architektur war zunächst die berufliche Basis, von 1993 bis 2001 arbeitete Anja Weyer in einem Architekturatelier in Wismar. Im Jahr 2002 kam dann der Schritt in die künstlerische Eigenständigkeit, das Atelier für Malerei und Grafik in Wismar entstand.

Zur Person

Anja Weyer wurde 1969 in Schwerin geboren und wuchs in Wismar auf. Nach dem Schulbesuch in Wismar studierte sie von 1989 bis 1994 Architektur. Von 1993 bis 2001 arbeitete sie in einem Architekturbüro in Wismar. Ab 2002 richtete Anja Weyer ihr Atelier für Malerei und Grafik in Wismar ein. Von 2015 bis 2018 war sie Dozentin für den Bereich Bildende Kunst im Kulturhof Itzehoe. Seit 2017 ist Anka Weyer Mitglied im BBK Hamburg. Anja Weyer war mit ihren Werken an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, unter anderem in Hamburg, Rostock, Itzehoe und Potsdam.

Es folgte ein Intermezzo, das sie in das schleswig-holsteinische Itzehoe verschlug, wo sie als Dozentin für den Bereich Bildende Kunst wirkte. Aber Anja Weyer blieb immer mit ihrer Kunst verbunden, arbeitete künstlerisch weiter. Ihre Darstellungen von Frauen zeigen einfach die Stärke, die ihnen innewohnt, zum Beispiel die „Venus im Wind“, die sie für sich neu erschaffen hat. Klar ist das Vorbild zu erkennen, Sandro Botticellis „Die Geburt der Venus“ hat sie für sich neu interpretiert, auch mit Humor.

Besucher der Galerie von Anja Weyer können sich ein Bild von den künstlerischen Ergebnissen machen, einige ihrer Arbeiten sind im zur Straße hin gelegenen Galeriebereich zu sehen. Ein paar Meter weiter hinten arbeitet die Künstlerin, mit einer klaren Vorstellung, wie etwas zu werden hat.

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