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Reformation Der Pommer an Luthers Seite
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00:00 04.05.2017
Die Nordkirche hat einen Comic herausgegeben, um den Pommer Johannes Bugenhagen wieder bekannter zu machen. Er war ein enger Mitstreiter des Reformators Martin Luther, sein Beichtvater und Freund. Im Jahr 1525 traute er ihn.
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Greifswald

Die Welt feiert in diesem Jahr den 500. Jahrestag der Reformation. Und so wichtig Martin Luther für diese Bewegung auch war, er hatte bedeutende Mitstreiter. Einer von ihnen ist der Pommer Johannes Bugenhagen (1485 bis 1558), der als junger Mann an der Uni Greifswald studiert hatte.

Bugenhagen hat reformationsgeschichtlich enorm viel bewirkt, er ist DER Reformator des Nordens“, sagt Hans-Jürgen Abromeit, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. „Leider hat man ihn relativ schnell vergessen.“ Denn er sei nicht so sprach- und wortgewaltig gewesen wie Luther, habe nicht so viele Aussprüche geprägt, die zu Merksätzen und geflügelten Worten wurden. „Aber schon allein seine Lebensgeschichte ist spannend“, findet Abromeit. 17 Jahre arbeitete Bugenhagen bereits als Lateinlehrer und Schulleiter in Treptow an der Rega, als er von Luthers kirchenkritischen, kirchenumwälzenden Ideen in Wittenberg hörte. „Und er war so fasziniert, dass er mit 36 Jahren gesagt hat: Ich muss nach Wittenberg, ich muss nochmal Theologie studieren und die Reformatoren hören!“

Schnell wurde Bugenhagen in Wittenberg zu einer zentralen Figur. Für den Greifswalder Kirchenhistoriker Norbert Buske gehört er mit Luther und Philipp Melanchthon zum „Dreigestirn der Wittenberger Reformation“. Bereits 1523 wurde er Stadtpfarrer. Er schloss enge Freundschaft mit Luther, wurde zu dessen Beichtvater, traute ihn, taufte seine Kinder und hielt später die Grabrede für ihn.

Und er sorgte als eine Art Kirchendiplomat dafür, dass die neuen Glaubensüberzeugungen in Verordnungen flossen. Wie Buske in seinem Beitrag in dem gerade erschienenen Heft „Freiheit wagen.

Glaubenskurs Reformation“ schreibt, entwarf der „Doctor Pomeranus“ die neuen Kirchenordnungen für Dänemark, Hamburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Lübeck, Norwegen, Schleswig-Holstein sowie Pommern und schuf damit Gesetze im Range von Landesverfassungen. Denn diese Ordnungen regelten nicht nur die unmittelbaren kirchlichen Belange in den evangelisch gewordenen Gebieten neu, sondern auch das Schul- und Armenwesen. Viele dieser „Landesverfassungen“ blieben Jahrhunderte lang gültig. 1537 hat Bugenhagen sogar den dänischen König Christian III. gekrönt.

Laut dem Kirchenhistoriker Irmfried Garbe waren Schulwesen, Predigt und Sozialpolitik die drei Säulen seiner Kirchenordnungen. Als Sozialpolitiker schuf er über die Kirchenordnungen „Armenkästen“ und setzte sich damit für sozial Schwache ein.

Ausschüsse verwalteten diese Kästen und sorgten für die Verteilung der Mittel. Bei Gottesdiensten, Hochzeiten und Begräbnissen wurde zu tätiger Nächstenliebe durch Spenden aufgerufen. Auch das Hospitalwesen ordnete Bugenhagen neu. Aus theologischen Gründen habe er zudem auf eine Öffnung der Schule für alle hingewirkt, sagt Garbe. Konsequent umgesetzt bedeutet das die Einführung der Schulpflicht für Mädchen und Jungen. Bugenhagen engagierte sich für die Einrichtung von Schulen, die Bezahlung und die Wohnungen der Lehrer. Dass er 1522 heiratete und damit drei Jahre vor Luther, ist heute fast vergessen. Bugenhagen begründete damit das evangelische Pfarrhaus. Über Bugenhagens Partnerin Walpurga ist allerdings wenig bekannt. In einer 1525 erschienenen Schrift begründete Bugenhagen den Ehestand der Pfarrer als Gott wohlgefälliges Werk.

Fazit: „Er war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Politiker der frühen Neuzeit“, schätzt Buske zusammenfassend ein.

Bugenhagen hatte als Rektor der Ratsschule in Treptow an der Rega übrigens auch mit der „Pomerania“ die erste Gesamtdarstellung der Geschichte Pommerns verfasst. 1518 legte er sie Herzog Bogislaw X.

vor. Auch der Fortbestand der Universität Greifswald ist nicht zuletzt ihm zu verdanken. 1535 setzte er sich in einer Denkschrift für eine erneuerte Hochschule ein.

Eckhard Oberdörfer und Sybille Marx

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