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Reformation Runge-Schüler üben sich im Schwarz-Weiß-Sehen
Thema R Reformation Runge-Schüler üben sich im Schwarz-Weiß-Sehen
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00:05 19.10.2017
In einem schwarz-weiß ausstaffierten Raum setzten Schüler und junge Migranten emotionale Kontraste mit Mitteln des Theaters und des Tanzes um. Unterstützt wurden sie dabei von Mareike Franz, freiberufliche Tänzerin aus Lüneburg. Quelle: Fotos: Tom Schröter
Wolgast

„Schwarz-Weiß – das bedeutet Kontraste“, sagt Jens Kuhle. „Und ein Reduzieren auf das Wesentliche hat einen großen Vorteil: Man muss sich auf eine Sache konzentrieren, da die Ablenkung der Farbe fehlt.“ Der Maler, Grafiker und Objektemacher aus Wietstock bei Anklam und der Dresdener Musiker Hartmut Dorschner animieren Schüler des Runge-Gymnasiums in Wolgast, sich auf Gegensätzlichkeiten einzulassen und diese sichtbar nach außen zu tragen. Seit Montag musizieren sie, erstellen Animationsfilme, drehen kurze Theaterszenen und kreieren dafür geeignete Requisiten.

Wolgaster Gymnasiasten erleben interessante Projektwoche in Runges Geburtshaus

Da die verschiedenen künstlerischen Genres als gängige Mittel für ein gutes Kontrastprogramm dienen können, ist das Geburtshaus des Malers Philipp Otto Runge (1777-1810) an der Kronwiekstraße für die Projektwoche genau der richtige Ort. Auch der Begründer der Romantik erstrebte in seinen Bildern das Ideal und beherrschte die konsequente Vereinfachung von Motiven mittels seiner Scherenschnitte wahrhaft meisterlich. Wo der begabte Künstler einst aufwuchs, spüren nunmehr junge Leute von heute Runges Willen nach Ausdrucksstärke einerseits und harmonischem Gestalten andererseits nach.

Auf einem Scanner haben sie konturenhaft einen Berg, eine Sonne und eine menschliche Figur in Position gebracht. „Das war unsere Idee“, betont Josef Jahjah, und Tilman Holz erklärt: „Der Mann läuft den Berg rauf – entgegen dem Lauf der Sonne.“ Millimeterweise hilft er per Pinzette dem Bergsteiger voran, während Andy Richter jede Phase auf dem Computer speichert. „So entsteht ein Trickfilm, der als Zwischensequenz für die Doku über unsere Projektwoche gebraucht wird“, erläutert er.

Nebenan gestalten unter anderem Hannah Krüger und Annalena Eick schwarz-weiße Accessoires für ein besonderes Szenenspiel. Denn in der guten Stube der Runges, die gleichsam schwarz-weiß ausgekleidet wurde, versucht eine andere Schülergruppe, emotionale Kehrseiten in Körpergefühle zu übersetzen und diese mittels Tanz und Theaterspiel auszudrücken. Tänzerin Mareike Franz leistet der Gruppe, zu der auch drei junge Migranten gehören, Hilfestellung. „Wir befassen uns mit Kontrasten, wie dem Abstoßen und Anziehen, dem Springen und Krabbeln, dem Groß und Klein, dem Traurig und Froh“, so die 34-jährige Lüneburgerin. „Der Körper ist das Ausdrucksmittel, mit dem man Gefühle transportieren kann. Und die Schüler können lernen, bewusstes Agieren für bestimmte Charakterrollen einzusetzen.“

In der Runde mit dem Musiker Hartmut Dorschner in der Etage darüber gibt ein Schüler als Dirigent Kommandos vor, auf die seine Mitschüler ohne Umschweife reagieren. Anweisungen, wie „Panik“, „Verlasst den Raum!“, „Trio“ oder „Solo“ und „Schwarze Musik“ werden strikt befolgt und seltsame Klänge dringen bis auf die Straße. Denn: „In der Musik ist es schwierig, ganz auf Abstufungen zu verzichten“, so Dorschner. „Hier braucht es Bögen zwischen Spannung und Entspannung.“ Vielleicht hat Runge sich deshalb auf darstellende Kunst konzentriert. Jedenfalls hätte er an dem von der Akademie der Künste in Berlin initiierten Projekt in seinem Elternhaus seine helle Freude gehabt.

In dieser Woche standen zwei weitere Ereignisse im Runge-Gymnasium an. Gestern wurde im Schulhaus an der Schulstraße anlässlich des 500. Reformationsjubiläums eine bunte und informative Ausstellung über Martin Luther und dessen Weggefährten eröffnet. „Schüler der 7. bis 9. Klassen haben sich mit dem Thema befasst“, berichtete Josephine Steinfurth, Lehrerin für Religion und Kunst. Es entstanden u.a. Collagen und ein Modell der Schlosskirche zu Wittenberg. Eine Umfrage ergab, dass 199 der 236 befragten Schüler keiner Religion angehören. 32 Schüler gaben an, zur evangelischen Kirche zu gehören. Gleichwohl pflanzten Lehrerin Josephine Steinfurth sowie Pauline Kuhn und Nina Graf aus der Klasse 9c im Beisein der Schülerschaft auf dem Schulhof eine Eiche, die an die 1517 eingeleitete Reformation erinnern soll.

Tom Schröter

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