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OZelot Hamburger Band Mono Inc. spricht über „The Book of Fire“
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Mono Inc The Book of Fire

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18:00 12.02.2020
Die Band Mono Inc. hat die Musikvideos für ihr aktuelles Album „The Book of Fire“ in den Kulissen des Hamburg Dungeon aufgenommen. Sie besteht aus Bassist Manuel Antoni, Sänger Martin Engler, Schlagzeugerin Katha Mia und Gitarrist Carl Fornia (v. l.). Quelle: Ove Arscholl
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Hamburg

Die Hamburger Band Mono Inc. hat mit „The Book of Fire“ ein weiteres Konzeptalbum veröffentlicht. Am 6. März beginnt ihre gleichnamige Konzertreise durch ganz Deutschland. Erstmals gibt es dazu auch ein begleitendes Buch und ein Hörbuch. Der OZelot hat die Band im Hamburger Dungeon getroffen. In dem mittelalterlichen Gruselkabinett hat Mono Inc. drei Musikvideos zum Album gedreht. Sänger Martin Engler und Schlagzeugerin Katha Mia haben mit unserem Reporter gesprochen.

Worum geht es im „Book of Fire“?

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Martin Engler: Das ist ein Konzeptalbum, das in den Zeiten der Inquisition spielt. Auf die Idee bin ich gekommen, als ich für „Welcome to Hell“, das Vorgängeralbum, recherchiert habe. Das spielte zu Zeiten des letzten großen Pestausbruchs in Hamburg. Und dabei bin ich über einen schier unglaublichen Fall gestolpert, nämlich dass die Stadt Trier bis zum heutigen Tage ein sogenanntes Blutgeld an die katholische Kirche zahlt.

Was ist das? Wofür ist das Geld?

Martin: Trier hatte einen reichen Mitbürger, der der Stadt Geld geliehen hatte. Und dann kam die Stadt irgendwann auf die Idee, dass man sich dieser Schulden entledigen könnte, indem man ihn um die Ecke bringt. Und so wurde er als Hexer denunziert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Aber damit war Trier die Schulden nicht los, denn es war so, dass, wenn jemand der Inquisition zum Opfer fiel, alles, was dieser Mensch besaß, an die katholische Kirche ging – und damit natürlich auch der Schuldschein der Stadt. Na ja – jedenfalls kam uns dadurch die Idee, dass wir uns selbst eine Geschichte ausdenken, die wahre Wurzeln hat, aber fiktiv ist. Unsere Protagonistin ist eine Heilerin. Zu der Zeit waren aber die einzig erlaubten Heilmethoden Aderlass, Beten oder Geldspenden an die Kirche. Und diese Frau hat mit ihren Tinkturen und Salben Menschen geheilt, hatte viel Wissen. Und damals war Wissen sehr gefährlich. Die Kirche hat also ihre Inquisitoren in das Dorf der Heilerin Ellen gesandt und so lange Zwietracht und Angst gesät, bis das Dorf seine Heilerin ausgeliefert hat. Das Album spielt zwar vor 350 Jahren, allerdings weisen unsere Alben auch immer viele Parallelen zur Gegenwart auf. Versteckte Botschaften, sozusagen. Aber wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger rumlaufen, sondern wir wollen die Leute unterhalten. Andererseits braucht man keine weiteren Songs über blaue Augen, rote Münder oder dicke Titten. Wir möchten schon das, was uns bewegt, transportieren.Katha Mia: Es geht eigentlich darum, dass die Menschheit immer wieder dieselben Fehler macht. Geschichte wiederholt sich. Wir Menschen sind anscheinend nicht in der Lage, aus dem, was wir gelernt haben, auszubrechen und neue Wege zu beschreiten. Und im Album geht es eben darum, dass wir immer wieder denselben Mustern zum Opfer fallen und deswegen dem Untergang geweiht sind.Martin: Egal wo Du hinguckst auf der Welt, passieren immer wieder Sachen, die unglaublich sind. Wir wissen doch alle, dass es falsch ist. Und trotzdem läuft die Menschheit immer wieder mit Anlauf ins Verderben.

Mono Inc. besteht aus Gitarrist Carl Fornia, Sänger Martin Engler, Schlagzeugerin Katha Mia und Bassist Manuel Antoni (v. l.). Quelle: Ove Arscholl

Was war denn zuerst da? Das begleitende Buch oder die Musik?

Martin: Zuerst war das Konzept da. Und dann wurde parallel das Buch in Worte gefasst, während ich das Album geschrieben habe.

Jetzt habt ihr ein Buch, ein Album, ein Hörbuch und Videos. Was war der Höhepunkt?

Katha: Es ist ja ein Gesamtkonzept. Aber für mich ist das Hörbuch etwas ganz Besonderes, denn oft war es in der Vergangenheit so, dass viele Leute das Konzept hinter den Alben gar nicht verstanden haben. Aber diesmal war es uns so wichtig, dass jeder wissen soll, worum es geht. Deswegen haben wir die Geschichte in Worte gefasst.Martin: Außerdem ist das Album ja in englischer Sprache, aber nicht alle unsere Fans sind richtig gut in Englisch. Das Buch ist aber auf Deutsch verfasst. Und als das dann fertig war, kamen wir bei einem Kaffee auf die Schnapsidee, auch ein Hörbuch zu machen. Und ich war überrascht, wie schwer das ist. Das war deutlich schwieriger für mich, als die Platte zu singen.

Was ist dabei die Herausforderung?

Martin: Du brauchst nur einen kleinen verschachtelten Satz zu haben. Da kannst du durch verschiedene Betonungen extrem den Sinn verändern. Bei meinen Songs habe ich Melodie und singe, wie ich mich fühle. Aber wenn man einen Text vorträgt, der auch verstanden werden soll, muss man sich die Betonung sehr genau überlegen.Katha: Und außerdem ist dieser Text ja von einem Autor aufgeschrieben worden. Deshalb sind das ja auch seine Worte. Und das so auszusprechen, dass das auch alles toll und glaubwürdig klingt, war sehr zeitaufwendig. Martin: Und dann sind es ja auch mittelalterliche Formulierungen, die uns gar nicht so geläufig sind.

Die Titelreihenfolge auf dem Album ist umgekehrt zur Reihenfolge der Kapitel im Buch ...

Martin: Ja – Hexerei!

Und was ist mit dem letzten Titel passiert?

Martin: Genau das noch mal.

Ist er rückwärts abgespielt? Oder hast Du rückwärts gesungen?

Martin: Ha, wenn ich das könnte, wäre ich nicht mehr hier, sondern auf Hawaii mit ’nem Bier in der Hand. Nein – das ist eine wichtige Stelle aus dem ersten Kapitel des Hörbuchs. Die wurde dann rückwärts abgespielt und auf den Anfang des Titels gelegt. Wenn Du den nun also rückwärts abspielen würdest, ist die Musik schräg, aber der Text ist normal gesprochen.

Habt ihr einen Lieblingssong auf dem Album?

Katha: Mein Lieblingssong ist „Nemesis“, aber ich denke, für die Live-Auftritte wird es „Book of Fire“ werden, weil es einfach schiebt.Martin: Als Autor liebe ich natürlich alle meine Babys. Ernsthaft. Ich mache Demos und sammle meine Ideen. Und – das klingt jetzt sehr weicheimäßig –, aber wenn ich im Studio sitze und feuchte Augen kriege, weil mich der Song berührt, dann weiß ich, dass er gut ist. Und dann kommt er aufs Album. Deswegen möchte ich mich nicht für einen entscheiden.

Welche kommen ins Live-Programm?

Martin: Na ja – wenn Du auf eine Tour gehst, ist klar, dass die aktuellen Singles gespielt werden. (Anm. d. Redaktion: „Louder than Hell“, „Warriors“) Aber wenn ich jetzt orakeln sollte, dann ist zum Beispiel „When the Raven flies“ ein absoluter Eckpfeiler des Albums. Diese ganzen Berg- und Talfahrten, schneller werden, langsamer werden – wenn man das mit einer tollen Show unterstützt, könnte das ein Live-Kracher sein.Katha: Aber es ist natürlich immer schwierig, so eine Setlist zu machen, denn kommt ein neues Album raus, wollen die Fans am liebsten das ganze Album hören – gerade bei Konzeptalben. Das kannst du aber nicht machen bei einer Show, zumal ja auch wieder alte Songs dazukommen und das Konzept wieder killen würden. Es muss immer ein bunter Mix sein.Martin: Und dann gibt’s so diese zehn Hits, die kannst du nicht weglassen, die musst du spielen. Katha: Von „Voices of Doom“ über „Children of the Dark“ ...Martin: Da brauchen wir gar nicht drüber nachzudenken, ob wir sie weglassen, denn wenn wir sie nicht spielen, weiß ich, dass die Hälfte der Halle ...Katha: ... unzufrieden nach Haus geht.

Mal zurück zum Ursprung – woher kommt eigentlich der Name Mono Inc.?

Katha: Das Mono kommt aus dem Altgriechischen. Monomanie bedeutet: Teilwahnsinn.Martin: Das ist ein Begriff der Krankheitslehre des 17. Jahrhunderts.Katha: Wir sind eben nicht komplett wahnsinnig, sondern nur zum Teil. Wir merken das täglich, dass wir anders ticken. Und das geht bestimmt auch unseren Fans so. Also, deswegen war klar, dass dieser Begriff mit drin sein muss. Und Inc. kommt vom amerikanischen „incorporated“. Wir sind also die Firma der Teilwahnsinnigen.Martin: Und Monomanie Inc. klingt auch nicht so wahnsinnig geil. Und es gab bereits eine japanische Band, die nur Mono heißt. Das wäre sonst mein Favorit gewesen. Na ja – und deswegen wurde es Mono Inc.

Der Bandname Mono Inc. steht für den mittelalterlichen Krankheitsbegriff Monomanie, was Teilwahnsinn bedeutet. Pyromanie und Kleptomanie sind etwa solche Teilmanien. Inc. steht für „incorporated“ und bezeichnet in der Amerikanischen Wirtschaft Firmen. Mono Inc. ist also die „Firma der Teilwahnsinnigen“. Quelle: Ove Arscholl

Katha, auf dem Kleid, das du in den Musikvideos trägst, ist dieser Rabe zu sehen, der auch euer Bandlogo ist. Wo kommt der her?

Martin: Wir haben 2011 das Album „Viva Hades“ gemacht, das zu Zeiten der Französischen Revolution spielt. Und da waren wir vier Kämpfer, die quasi den berühmten Berg erklommen haben. Und wir brauchten ein Wappen auf unserer Fahne. Und da haben wir uns überlegt, ein stilisierter Rabe wäre doch toll – Edgar Allen Poe lässt grüßen. Und dann habe ich einen spanischen Tattoo-Künstler gefragt, ob er mal ein Layout schicken kann. Und er schickte das so, wie es heute ist – fucking perfekt. Das war großartig.Katha: Und das hat sich immer weiter entwickelt, wurde immer größer von Album zu Album. Mittlerweile lassen sich Fans diesen Raben als Tattoo stechen. Martin: Ich glaube, wenn der Rabe drauf ist, müssten wir gar nicht Mono Inc. draufschreiben. Wir haben ein T-Shirt, wo nichts weiter drauf ist als dieser Rabe. Und dieses T-Shirt ist bereits mehr als 100 000-mal verkauft worden. Das muss man sich mal vorstellen. Das scheint den Leuten also irgendwas zu geben.

Bekommt man dann ein „Goldenes T-Shirt“ von der Plattenfirma verliehen?

Martin: Nein, aber das ist schon okay, denn wir sind glücklicherweise Besitzer unserer Merchandising-Firma. Da waren wir in jungen Jahren clever genug, nicht zu viel abzugeben.

Auf eurer Album-Release-Tour ist Mecklenburg-Vorpommern nicht dabei ...

Martin: Das stimmt, aber im Oktober werden wir noch mal 15 Zusatzkonzerte geben. Und dann werden wir auch in Rostock im Moya spielen.

OZ-Reporter Ove Arscholl (M.) spricht in Hamburg mit Katha Mia und Martin Engler von der Band Mono Inc. über deren aktuelles Album „The Book of Fire“. Quelle: Ove Arscholl

Tickets gibt es bei der OZ

Das sind die Termine zur The-Book-of-Fire-Tour von Mono Inc.

6. März: Münster

7. März: Köln

12. März: München

13. März: Nürnberg

14. März: Wiesbaden

15. März: Pratteln (Schweiz)

20. März: Berlin

21. März: Leipzig

27. März: Oberhausen

28. März: Stuttgart (ausverkauft)

29. März: Saarbrücken

3. April: Hannover (ausverkauft)

4. April: Hamburg

Tickets gibt es in allen Service-Centern der OSTSEE-ZEITUNG sowie online auf tickets.ostsee-zeitung.de.

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Von Ove Arscholl