Wendorf - Bauern fordern Internet auf dem Acker – OZ - Ostsee-Zeitung
Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bauern fordern Internet auf dem Acker
Bauern fordern Internet auf dem Acker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:22 02.08.2014
Der Wendorfer Landwirt Aurel Hagen (v.l.) fordert schnelles Internet auf den Feldern Vorpommerns. Seine Gäste aus der Politik: Die CDU-Landtagsabgeordneten Burkhard Lenz, Heino Schütt und Beate Schlupp. Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern, unterstützt die Forderungen.
Der Wendorfer Landwirt Aurel Hagen (v.l.) fordert schnelles Internet auf den Feldern Vorpommerns. Seine Gäste aus der Politik: Die CDU-Landtagsabgeordneten Burkhard Lenz, Heino Schütt und Beate Schlupp. Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern, unterstützt die Forderungen. Quelle: Alexander Müller
Anzeige
Wendorf

Die Bauern der Region haben schnelles Internet auf Vorpommerns Feldern gefordert. Die moderne Technik der Landwirte lasse sich durch den schlechten Handyempfang und das damit extrem langsame Internet auf den Äckern derzeit nicht effizient genug nutzen. Das sagte der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordvorpommern, Aurel Hagen, bei einem Treffen mit Politikern auf dem Hof seiner Agrargesellschaft Andershof/Steinhagen.

Zu den Gästen zählten Mitglieder des Arbeitskreises Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz der CDU-Landtagsfraktion, darunter auch der Abgeordnete Heino Schütt aus Marlow. „Wenn ich zum Beispiel mit meinem Tablet auf dem Feld mein Ackertagebuch digital abrufen will, dann geht das nur sehr eingeschränkt. Das brauche ich aber, weil darin steht, welche Arbeiten wann und wo erledigt werden müssen. Auch einfach mal eine Email schreiben ist für uns fast unmöglich“, sagte Aurel Hagen.

Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommerns und Landwirt, war bei der Runde ebenfalls dabei. „Der schlechte Handyempfang auf den Feldern ist ein generelles Problem, von dem uns viele Kollegen berichten“, sagte er. Besonders betroffen seien dünn besiedelte Gebiete, weil sich der Netzausbau für viele Anbieter dort nicht lohne.

Aber die Situation sei auch in touristischen Gebieten schwierig. „Durch die vielen Urlauber sind die Netze völlig überlastet. Und das gerade im Sommer, wenn die Bauern auf sie angewiesen sind. Das trifft zum Beispiel auf den Darß zu“, sagte Ehlers. Er muss es wissen, war er doch 15 Jahre lang auf dem Gut Darß als leitender Mitarbeiter tätig.

Der Landespolitiker Heino Schütt kennt die Klagen der Landwirte. „Es hat zwar in den vergangenen Jahren einige Fördermöglichkeiten gegeben. Aber in kleinen Orten mit wenig Menschen tun sich die Anbieter trotzdem noch schwer“, sagte er. Eine Lösung könnte laut Schütt eine neue Generation des Mobilfunkstandards LTE sein. „Wir sind gerade dabei, Förderungen weiter möglich zu machen.“

Doch der träge Internetausbau ist nicht das einzige Problem, bei dem die Bauern die Politik zum Handeln aufgefordert haben. Sie beklagen auch mangelnde Vorbildung und Einstellung der jungen Menschen, die sich bei ihnen um eine Lehrstelle bewerben. Landwirt Aurel Hagen: „Viele Leute kommen von den Allgemeinbildenden Schulen und können grundlegende Dinge wie Rechnen und Schreiben nicht richtig. Die Berufsschulen passen sich ihrem Niveau an und sind nicht in der Lage, diese Bildungslücken zu schließen.“ Landwirt Christian Ehlers betont, dass die Branche aber auf gute Lehrlinge angewiesen sei.

„Sonst haben wir bald ein riesiges Nachwuchsproblem.“

Außerdem wünschen sich die Agrarleute ein Fach in der Schule, in dem Kinder sich mit der Herkunft ihrer Lebensmittel auseinandersetzen. „Die meisten von ihnen wissen genau, woher ihr Handy und der Fernseher kommen. Aber sie haben keine Ahnung, was sie eigentlich essen“, sagte Aurel Hagen. Eine Schulklasse habe er bei einer Führung über seinen Hof gefragt, worauf sie beim Einkaufen im Supermarkt achten. Die einstimmige Antwort: Billig muss es sein. Politiker Heino Schütt verweist darauf, dass bereits einiges getan werde, um Schüler über Nahrungsmittel aufzuklären. „Wir gehen mit der Verbraucherzentrale in die Schulen und reden mit den Kindern. Außerdem bekommen Schulen und Kitas Hinweise, welches Essen angeboten werden sollte.“

Ich kann mein Ackerbau- tagebuch mit dem Tablet auf dem Feld nur schwer abrufen Auch Emails sind fast unmöglich.“Aurel Hagen, Wendorfer Landwirt
Raps- und Weizenanbau

1800 Hektar Land gehören zur Agrargesellschaft Andershof/Steinhagen in Wendorf. Inhaber Aurel Hagen, der auch Vorsitzender des Bauernverbandes Nordvorpommern ist, beschäftigt dort sechs Leute im Außenbetrieb und zwei Angestellte im Büro. Auf den Feldern des Unternehmens werden Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Zuckerrüben und Mais angebaut.


Der Landwirt aus Schleswig-Holstein hatte den Hof 1999 übernommen. Damals wurde dort neben Ackerbau auch Viehzucht betrieben. Dieses Geschäftsfeld erwies sich jedoch als nicht lukrativ und wurde eingestellt.
Es hat in den letzten Jahren einige Förder- möglichkeiten gegeben. Aber in kleinen Orten tun sich Anbieter schwer.“Heino Schütt (CDU), Landtagsabgeordneter



Alexander Müller