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Multimedia EU: Soziale Netzwerke müssen mehr gegen Fake News tun
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18:24 17.05.2019
Fortschritte, aber nicht genug: Die Sozialen Netzwerke gehen zwar gegen Fake News vor. Der EU-Kommission und der Forschung reichen die Maßnahmen aber nicht. Quelle: Christian Ohde/imago images
Berlin

Wenige Tage vor der Europawahl setzen sich die großen sozialen Netzwerke nach Ansicht der EU-Kommission noch immer zu wenig gegen Fake News ein. Facebook, Google und Twitter hätten zwar Fortschritte auf dem Weg zu mehr Transparenz gemacht, dies reiche jedoch nicht aus, um die Integrität ihrer Dienste zu gewährleisten, teilte die Brüsseler Behörde am Freitag auf Grundlage von monatlichen Berichten der Unternehmen mit.

Im September hatten unter anderem Facebook, Twitter, Mozilla und Google einen freiwilligen Verhaltenskodex („Code of Practise on Disinformation“) unterzeichnet. Desinformationskampagnen könnten nach Einschätzung von Experten die Debatte vor dem Brexit-Referendum in Großbritannien und den US-Wahlkampf 2016 beeinflusst haben. Ende des Jahres will die EU-Kommission einen umfassenden Bericht vorlegen. Sollten die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sein, könnte sie Gesetze vorschlagen.

Zusammenarbeit mit Forschern ausbauen

Positiv hob die Brüsseler Behörde am Freitag hervor, dass Facebook, Twitter und Google ein öffentliches Verzeichnis für Wahlwerbung eingerichtet haben. Twitter und Google müssten inhaltliche Werbung, von der Desinformationskampagnen ausgehen könnten, allerdings noch besser identifizieren.

Alle drei Firmen sollten zudem ihre Zusammenarbeit mit Faktencheckern und Forschern ausbauen. Dadurch könnten Desinformationskampagnen besser aufgedeckt und analysiert werden. Bereits im März-Bericht wies die Kommission darauf hin, dass sowohl Facebook als auch Twitter und Google politische Werbung mittlerweile kennzeichnen.

„Satire und Humor werden häufig auch gelöscht“

„Immer noch krankt der Verhaltenskodex daran, dass große Werbeunternehmen nicht mitmachen“, kommentierte Matthias C. Kettemann vom Leibniz-Institut für Medienforschung den EU-Bericht gegenüber dem Science Media Center. „Erste Zugriffsmöglichkeiten auf Daten zum Zwecke der Erforschung von Desinformation und des Einsatzes von Algorithmen sind nun möglich, aber die Kooperation zwischen Unternehmen und Forschung muss noch verbessert werden.“

Problematisch sei auch, dass etwa Twitter bei der Einführung einer neuen Meldefunktion gegen Wahlfehlinformation nicht bedacht habe, dass diese gezielt als Mittel gegen Andersdenkende eingesetzt werden könne. „Satire und Humor sind nach dem Verhaltenskodex keine Desinformation, dennoch löschen Twitter-Moderatoren viele Tweets, die nicht wahlverfälschend sind“, so Kettemann.

Ist Europa den Wahlverfälschern nicht wichtig genug?

Generell seien die Zahlen gesperrter Accounts und gelöschter Werbungen nicht hoch. Dies könne auch daran liegen, dass das Problem der Desinformationen mit EU-Wahlbezug geringer sei als erwartet. „Europa ist den Wahlverfälschern wohl nicht wichtig genug“, konstatiert Kettemann. Auch Europas geteilte Öffentlichkeiten, die noch sehr stark national strukturiert seien, verhinderten effektiv skalierbare Desinformationskampagnen, schätzt er. „Fake News in 24 Sprachen zu produzieren, macht Arbeit.“

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Von RND/dpa/so

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